Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1790)

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das Oel an sich nicht fruchtbar, 
so lange es nicht in ferner Auflö 
sung und Fähigkeit sich befindet, 
sich mit dem. Wasser zu vermi 
schen. Es hat aber doch die völ 
lige Anlage zur Fruchtbarkeit, 
und ersorv<^nrn:^»n,n veeuüiis«^ 
tigenLandwitth, um eö in frucht 
baren Stand zu setzen. 
AllePflanzen habenOel in sich. 
Ihr Vermögen zu verbrennen, 
selbst ihre Säfte, die bald als 
Gummi, bald als Harz sich dar 
stellen zeigen dieses. So gar ge 
ben die meisten schon durch das 
Auspreßen ein wirklicheSOel von 
sich, und daß es alle durch die 
Gewalt des Fevers thun, ist bey 
den Chymikcrn zu bekannt, als 
daß davon mehr gesagt werden 
dürfte. Inzwischen folgt daraus 
noch nrcht, daß das Oel der 
Hauptstoff derFruchtbarkeit sey. 
Er beweiset nur die Gegenwart 
desselben, die von keinem Natur- 
kundiger geleugnet wird. Will 
man jenes darrhun, so muß man 
zuförderst ausmachen,daß imOel 
das Vermögen liege, zur mög 
lichsten Fruchtbar keil zu wirken, 
und daß nur äußerliche Mittel 
erforderlich sind, um dies Ver 
mögen in seinerStärke zu zeigen. 
Will man sich davon überführen, 
so darf man nur den Saamen 
der Pflanzen genau untersuchn. 
Er enthalt im Kleinen die künf 
tige Pflanze in ihrer ganzen 
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Grundlage cmgeschloßen, die 
man durch keine Kunst im We 
sentlichen abzuändern tmStande 
ist. Können wir also die Theile 
entdecken, weiche den Saamen 
bilden und zurZeitigung bringen, 
und_uiu&. schnitt- 
cheln, den Stoff zu kentirn^,jn 
welchen alle Wirksamkeit und 
Fruchtbarkeit verborgen liegt.— 
Was finden wir aber bey den 
sorgfältigsten Prüfungen des 
Ganges, den die Natur in der 
Zubereitung der Gewächse geht, 
anders, alS daß das Oel der 
Hauptstoff sey, durch das sie 
ihre große bewundernswürdige 
Arbeiten im Pflanzenreiche zu 
Stande bringt. -Sowohl der 
männliche als der weiblicheSaa- 
men derPflanzcn/ist ölichterNa- 
tur, dem jungen Keim ist zu fei 
ner ersten Nahrung eine ollchie 
Feuchtigkeit beflmmt, und der 
Saamen ist des Keimens unfä 
hig, wenn sein Oel durch die Zut 
verloren oder eingetrocknet ist. 
Wie die Natur hrerbey ver 
fahre , wie sie in das Oel des 
Saamens die so höchst verfchie- 
deneCharaktere derPflanzen, hat 
zu verbergen wißen, und duich 
welchen wunderbaren Bau der 
Pflanzen sie es bewerkstelliget, 
baß endlich aus den so vielen 
Nahrungssäften ein von Wasser 
und Salz geläutertes Oel abge 
sondert und zurBefruchtung ver- 
wendet
	        

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