Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1790)

MP .8 M» m 
Vom Waschen der Kühe mit Arsenik. 
Mist eine anverfchiednenOrten 
v eingeführte ganz sonderbare 
Methode, daS Hornvieh jähr 
lich zu einer gewissen Zeit mit 
Arsenik zu waschen. Man thut 
solches gemeiniglich um Weyh- 
nachten, oder wenn die Witte 
rung des Sommers und Herb 
stes schlecht gewesen ist, noch 
eher. Das geschiehet um des 
Ungeziefers willen, daS sich vor» 
nemlich am Halse des Vrehes 
befindet, um solches dadurch zu 
tödten oder zu vertreiben. Man 
kocht den Arsenik mit Wasser, 
und nun wäscht man das Vieh 
damit. Ich habe Leute gesehen, 
die sich des Dinges recht hatten 
angelegen seyn lassen, denen tü€ 
Harn von der Hand herunter 
gegangen und das F.eisch unter 
den Nageln zerfressen war. Al 
lerdings halte ich dafür, daß 
solche Verrichtungen für man 
chen schädliche Folgen haben, 
und aus diesem Grunde müßte 
dergleichen nie geduldet werden. 
In Ansehung des Viehes sind 
mir zwar keine schädliche Folgen 
davon bekanntgeworden: allein 
ich kann mir es kaum einbilden , 
daß solche unterbleiben könnev. 
Sind die Fo'gen auch nicht 
gleich sichtbar, lo können sich 
doch in der Folge Umstande er 
eignen, davon niemand den 
Gründ anzugeben weis, und 
der vielleicht in dem Waschen 
mit Gift zu finden ist. Weg 
also mit einem zweifelhasten 
Waschen. Soll und muß es ja 
gewaschen seyn, so koche man 
eine starke Lauge von Tabacks 
stengel, oder man koche auch 
nur schlechte grüne Seife, und 
wasche das Vieh einige Tage 
damit, so wird das Ungeziefer 
bald sterben. Aber auch dies 
Maschen ist nicht nöthig. In 
meiner mehr als zwanzigjährigen 
Haushaltung ist es niemals 
geschehen, und es kömmt mw 
blos auf gutes Futter, gehörige 
Aufsicht und akkurate Wartung 
an, so wird das Vieh keine 
Lause bekommen. Die meiste 
Zeit sind sie ein Zeichen des 
Mangels den es leidet. Ich 
habe daher einmal die Max»mr 
angenommen, daß ich bis Neu 
jahr dem Vieh gut 'Heu so mit 
Neckt n-stroh vermengt ist, nach 
abq-.meffenen Stunden geben 
lasse, dabey wird es täglich 
zwcymal zur Tränke geführt. 
Das Sommerstroh und Grum 
met scheint nichl so kräftig zu 
seyn, und ich habe aus der Er 
fahrung, voß, wenn damit vor 
Neujahr gefüttert wird, Unge 
ziefer
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.