Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1789)

genügt), nsn fanabitur fitis 
quam diu vero sanguis dilutus 
eit, (io bald der Bedürfniß 
genug gethan ist), jätn quiescit 
litis. Boerhaave. > 
Wenn das Trinken bey Tische 
wirklich für den Durst geschieht; 
so kann den Regeln, wonach es 
sich außer Tische richten muß 
nur das etwan entgegen ftyn, 
Daß der gleichzeitige Genuß der 
Speisen, die sich nicht immer zu 
den eingeführten durststillenden 
Getränken passen, osterley Be 
schwerlichkeiten zu verursachen 
pflegt, die es wiverrathen oder 
einschränken. Die Wassertrin 
ker hahen hierdey Vas wenigste 
zu wagen: indessen giebtes doch 
Speisen , die keine unmittelbare 
Vermischung vielen Wassers im 
Magen leiden. Biertrinkern 
begegnet dieß viel öfter. Nicht- 
destoweniger lehret die zuver- 
läßigste Erfahrung, daß eine 
große Menge Menschen ihr ge 
wöhnliches durststillendes Ge 
tränk, aus Gewohnheit, sie 
mögen dürsten oder nicht, bey 
Speisen aller Art, ohne die 
mindeste Beschwerlichkeit tritt/ 
ken: und diese haben nicht nö 
thig, aus irgend einem theore 
tischen Grunde, so gelehrt und 
scheinbar er immer seyn mag, 
von dieser Gewohnheit abzuwei 
chen, so lange sie ihnen so un- 
beschwerlich bleibt. Denn es ist 
allzuwenig auf die Urtheile uns 
Schlüsse der Aerzte aus ihren 
angenommenen Grundsätzen zu 
bauen-, als daß man Maaßre 
geln, wobey man sich wohl be 
findet, darnach ändern dürfte. 
Im Gegentheile aber giebt es 
auch wieder Beyspiele in großer 
Menge von Leuten, die nie 
mals beym Essen trinken, we 
nigstens nie Getränke für den 
Durst, und die sich dabey im 
merfort ganz vortreflich befin 
den. Auch im Thierreiche sind 
beyderley Gewohnheiten so 
häufig, daß man sagen kann, 
sie seyn beyde der Natur gemäß, 
und in solchen Fällen überläßt 
billig jedes Individuum den 
Ausschlag seiner Wahl dem 
Triebe und der Probe, wie 
beym Trinken außer Tische. 
Die rüde Vergleichung des 
Magens mit einem Kochtopfe, 
der ohne Flüßiges nichts gäbe 
liefern kann, ist schon dadurch 
abgewiesen j, daß der Magen so 
vieler Thiere und Menschen von 
stärkster Gesundheit und einer 
Dauer auf Jahrhunderte hin, 
zu seiner Garkocherey weyrgstens 
während des Speisens, keines 
Getränks bedarf, und die Ver- 
dauungsfafte» womit er die 
Speisen auflöset, aus sich selbst 
sie»
	        

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