Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1788)

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ssr 
dert dis BerdMMg, schwächet 
die Nerven, bringt alle Abson 
derungen in UnorvnUttI , ver 
dirbt die Säfte, und führt cm 
unzählbares Heer von Krankhei 
ten herbey. 
Zu einem se&r auffallenden 
Bewerft der Schädlichkeit der 
Unmäßlgkeit kann uns die Ana 
logie helfen. Feuchtigkeit und 
ein gewisser Grad Warme sind 
zwey zum Wachsen det Pflan 
zen durchaus nöthige Dinge. 
Dennoch aber, übersteigt eins 
oder das andre den gehörigen 
Grad, fo wird der Wachsthum 
der Pflanze gehindert. Eben so 
verhält es sich auch mit der 
Nahrung der Thiere; die be« 
sten NahrungS - und Erhak- 
tungSmitkel werden schädliche 
gewaltsame Zerstörer, werden 
sie auf einer oder der andern 
Seite gemißbrauchet urch Un 
maß g genossen. Derjenige al 
so steht aus der höchsten Stuffe 
menschlicher Weisheit, der seine 
Begierden zähmt, seinen Lei 
denschaften Zaum und Gebiß 
anleget, und sie so klüglich re 
gier, daß sie weder rechts noch 
links ausschweifen, sondern in 
dem Glesse der goldenen Mittel- 
straße bleiben Und eben hier 
durch verdienet erst der Mensch 
den Namen und die Würde deS 
Menschen. Gott würde dm 
Menschen weit unter das Thier 
herabgesetzt haben, hätte er '.hm 
nur deswegen das, was Lr durch 
einen angebornen Trieb dem 
Thiere zu seiner Erhaltung und 
Fortpflanzung gab, seiner Will- 
kühr und freyen Willen über 
lassen, damit er nach Belieben 
jeden Ueberfluß zur Stillung 
seines Kitzels und seiner Begier 
den verwenden möge, um ihn ei 
ner unnendbaren Menge von 
Krankheiten, und endlich dem 
schmerzlichsten und frühesten To 
de dadurch zu übergeben. Welch 
ein ungeheurer empörender Ge 
danke gegen die Güte und Weis 
heit Gottes! Zm Gegentheil 
leuchtet cs jedem Aufmerksamen 
auf daS klärste in t>i< Augen, 
baß er den Menschen über daS 
Thier erheben wollte, da er die 
Leitung und Mäßigung seiner 
Begierden und Leidenschaften 
ihm selbst überließ, ihm nicht 
wie dem Thiere, die Gränzen 
Verse den vorschrieb und bestimm 
te, sondern ihm Verstand und 
Freyheit deS Willens anfchuf, 
vermöge deren er nach Willkühr 
über sie gebieten könnte und 
sollte. Daß vieles in'der That 
so ist, sieht man an einem hungri 
gen Tbrere welches sein Futter 
vor sich siebet. Es kann seine 
Begierde, über dasselbe herzu 
fallen, nicht unterdrücken. Dies 
kann
	        

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