Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1788)

das war um so wahrscheinlicher 
da er einige Tage vorher kemm 
Appetit zum essm gezeigt hatte, 
der sich aber unmtttewar nach 
dem Erbrechen wieder einfanv. 
Sogleich verordnete ich noch 
ein Brechmittel, saucc Geträn 
ke und Blasenpflaster. Es stell 
te sich aber mii einmal eine äu 
ßerste Schwäche ein, die sich in 
ungefähr 16 Stunden mit dem 
Tode endigte. 
Bey der Oefnung fand sich 
der Magen etwas entzündet, 
und mit einem schwärzlichen 
Schleim überzogen. An den 
dünnen Gedärmen fand ich eben 
falls eine schwärzliche Galatina, 
die, aller Wahrscheinlichkeit 
nach, ein Rest ver verdorbenen 
Taxusbeeren war. Der Fleck 
an der Fußfohle war noch roth, 
aber die Epidermis hatte sich 
abgeblättert, und man sahe kei 
ne Spur einer Verletzung. 
Die Krankheit dauerte unge 
fähr i4 Tage. Er behielt be 
ständig den Kopf frey, und noch 
im Sterben, da schon der Puls 
nicht mehr zu fühlen war, hat 
te er noch immer feine gewöhn 
liche Gegenwart des Geistes. 
Eine Stunde vor dem Tode be 
kam er ein Erbrechen, wodurch 
auch die mindesten Geträncke zu 
rückgegeben wurden. 
Es ist wohl'kein Zweifel, daß 
das Gift der Taxusdeeren nicht 
sowohl den Schmerz des Fußes, 
als auch die Flecken hervörg«?' 
bracht haben sollte, da die gan« 
ze Krankheit gar nicht denGang 
eines Fiebers nahm, und ihre 
Natur nur erst mit ihrer Tödt- 
lichkeit offenbarte. Auch zweif 
le ich sehr, daß man den Kran 
ken, selbst bey früher erkannter 
Ursache, hätte retten können. 
Die Ursache, warum das Gift 
weniger schnell als gewöhnlich 
würkte, scheint mir sowohl in 
den Schleim der Beeren selbst, 
als auch in der fchleimichten 
Constitution des Knaben gelegen 
zu haben. Dafür war aber die 
ses Gift, nachdem es sich so 
lange entwickelt hatte, desto tödt- 
Ucher. 
Diese beyden Fälle sind, wie 
mich dünket, entscheidend, und 
lassen von der giftigen Kraft 
der Blätter und Beeren de- 
Taxusbaüms auf den menschli 
chen Körper fast keinen Zweifel 
übrig. Wenigstens wird die 
fetzige Erzählung derselben viel 
leicht dazu drenen, daß man 
vorsichtig verfahre, Und allen 
Nachtheil für die Gesundheit 
und das Leben zu verhüten suche. 
Geschieht dies,so ist meine Absicht 
erreicht. .G. L. Hansen. D. 
Was
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.