Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1786)

38 MM- A MM 
Mästen gewöhnlich geschiehet, 
ungefähr 4 — 5 Monathe hin 
durch , ohne daß man sie zum 
Stammochsen zuläßt. Eben deS 
wegen kauft man sie gern zukamt 
dem Kalbe, damit man ver 
sichert sey, daß sie nicht träch 
tig sind. Das Kalb wird nun 
erzogen oder zum Schlachten 
abgegeben. In dieser Zeit wer 
den diese Kühe — wenn sie fleisch- 
igter Art sind— vieles fleisch an 
setzen , auch fett werden, dabey 
aber auserordenrlich vieleMilch 
geben, welche Milch' schon al 
lein in und bey einer beträcht 
lichen Stadt bei einem täglich 
dreimaligen Melken die Mast- 
ungsaufwände bezahlet. 
Zweimaliges Melken i(f hier 
nicht genung ; Hr. R. räth da 
rum das Dreymalige bey der 
Mästung an, da diese auch eine 
Stallfütterung ist und bey ihr 
eben das giebt was oben von 
einer volkommenen Stallfütte. 
rung gesezt worden ist. 
Nur alsdann wann man den 
Milch - Nutzen nicht mehr ver 
langt, oder wann man ihn ge 
ringer findet, und damit der 
gleichen Kühe auch innerliches 
Fett , eigentlich den Talg (Un- 
schlitt) ansetzen mögen, läßtman 
es endlich einige Wochen bey 
zweimaligen Melken, zuleztbei 
einmaligen , und endlich bei 
keinmaligen, d. i. mit trokken 
stehen der Kühe so lange bewen 
den, bis man solche fett genug 
befindet. Also fahret man beym 
Abschlachten oder Verkaufen 
dergleichen Kühe mit Einstellung 
neuer und frisch abgekalbten 
Kühe, Jahr aus, Jahr ein 
fort. — Daß ich fordere, der 
gleichen Milchmastkühe so lange 
in der Mast zu behalten, möchte 
manchem zuwider seyn: ich er 
kläre also daß dies kein Muß 
sey. Mir wars um dem langen 
Milchnuzzen zu thun : wer die 
sen nicht lange verlangt, darf 
nur früher aufhören zu melken; 
so bekommt man früher fette 
Kühe. 
Natürlich ists hierbei, daß 
diejenigen wohlthun, welche ihre 
eigene Kühe auf die Weise zur 
Mästung widmen, wenn sie ih 
nen schon einen Monat, wo 
nicht etliche Monate vor dem 
Ralben reichliches Futter geben 
lassen. Sie erhalten dadurch 
schönere Kälber nicht nur, son, 
dern auch die Kühe in reich- 
licherm Nuzzen, als wenn man 
sie nach dem Kalben erst besser 
zu füttern anfangt. Eine Re 
gel, die ohnehin im allgemeinen 
und an vielen Orten gar sehr 
vernachläßiget wird, und daher 
billig verdiente, in allerAbsicht, 
und bei jeder Fütterung zum
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.