Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1786)

reich, und VaS Kalb stark und 
alt ist, zuweilen Vas saugende 
Kalb die Milch nicht erzwingen, 
oder auch wegen Mangel der 
selben sich nicht satt trinken 
rönne, was in beyden Fällen 
zuthun, wäre anzuführen über 
flüssig , und gehört auch eigent 
lich zur Kälberzucht. Wollte 
sich ein Kalb angewöhnen, fei 
ne Mutter durch Stoßen re. 
zu mißhandeln, ohne daß der 
Milchmangel und also nicht hin 
reichende Nahrungsmittel für 
das Kalb die Ursache wäre, 
welches leicht zu beurtheilen, 
fo laßt stch auch das Kalb durch 
vernünftige Strafe davon, ab 
bringen. Die vernünftigste 
Straft ist aber wohl die, wenn 
die Magd dem Kalbe die Hand 
in das Maul steckt, und es so 
von dem Euer der Kuh auf eine 
Minute zurück nimmt, und 
dieses fo oft wiederholt, als 
das Kalb von neuen feine Un 
arten anfängt. Ist die Kuh 
milchreich, wird sie gut gefüt 
tert und fleißig getränket, so 
wird daS Kalb überflüßig Nah 
rung von ihr haben, und keine 
Gewalt auszuüben brauchen. 
Wollte man das Kalb an einem 
ledigen E:ter saugen lassen; so 
wäre dieses eben so unvernünf 
tig, als wenn die Magd mit 
melken fortfahren wollte, wenn 
das Eiter ledig ist. 
Daß es beym Saugen nicht 
ohne alles Ungemach abgehe, 
gebe ich gerne zu; aber auch 
das Melken hat sein Ungemach. 
Ich würde zu weitläustig wer 
den, solches stückweise aus ein, 
ander zu setzen; wer nachdenken 
will» wird eS auch von selbst 
einsehen. Ich bin überzeugt, 
daß das Ungemach beym Sau 
gen und das Ungemach beym 
Melken, sich einander wenig 
oder nichts nehmen werde. 
Die in dem ersten Aufsatz an 
geführte podolische Kühe sollen 
weiter nichts beweisen, als daß 
sich die Kühe lieber befaugen, 
als bemelken lassen. 
. Ich habe oben selbst gesagt , 
eine Erstlingskuh nimmt von 
Fleisch ab, wenn sie ihr Kalb 
saugt, dieses haben alle Wirthe 
längst bemerkt, sie sind um ihre 
jungen Kühe besorgt gewesen, 
und haben also geglaubt, die 
sem Abnehmen am besten da 
durch vorzubeugen, daß sie die 
Erstlingskühe nicht belauaen, 
sondern melken, ja wohl zuröei- 
len gleich wieder unbesaugt und 
unbemolken stehen ließen. 
Hier-
	        

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