Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1786)

seyn. Wir haben viel Geld , 
so wie wir es gewonnen haben, 
auch wieder verzehrt-, seitdem 
die Weiber über dem Thee das 
Nahen und Stricken , und die 
Männer über dem Punsch das 
Pfropfen und Beschneiden ver 
gessen haben. 
Schränkt also eure thörichten 
Ausgaben ein, so dürft ihr 
nicht so viel über schwere Zeiten, 
über drückende Abgaben und 
über lästige Familien klagen. 
Denn Weiber und Wein, 
Spiel und unrichtiger Ueber- 
schlag verringern die Gelder, 
und vermehren die Bedürfnisse. 
Mit dem, was ein einziges 
Laster zu unterhalten kostet, 
könnte man zwey Kinder unter 
halten. Vielleicht glaubt ihr, 
ein wenig Thee oder Punsch, 
etwas leckerhaftere Speise, et 
was feinere Kleider, und von 
Zeit zn Zeit einige Lustbarkeiten- 
haben nicht viel zu bedeuten; 
aber der arme Jakob sagt: 
Ein leckes Brett kann ein gan 
zes Schrff versenken. 
Ihr habt euch hier zu diesem 
öffentlichen Verkaufe von aller 
ley Kaufwannsgut und Galan 
teriewaaren versammelt: ihr 
nennt dergleichen ein Gut; aber 
wenn ihr euch nicht in Acht 
nehmt', so wird' es für einige 
unter euch ein' Uebel werden. 
Denkt an das, was der arme 
Jakob sagt : Kaufe nur, was 
du nicht nöthig hast, so wirst 
du bald verkaufen müsse», was» 
dir unentbehrlich ist. Viele 
krben sich durch nichts anders 
zu Grunde gerichtet, als durch 
ein wohlfeiles Einkäufen. Schar-- 
lach und Seide, Sammt und 
Atlas löschen das Feuer in der 
Küche aus. 
Der arme Jakob giebt einen 
sehr guten Rath, wenn er 
sagt: Der läppische Geschmack- 
an Pußwerk ist eine gefährlicher 
Thorheit. Eitelkeit ist eine 
Bettlerinn, die eben so drin 
gend , als die Armuth, aber 
noch weit unverschämter ist. 
Habt ihr Ein schönes Stück' 
gekauft, so müßt ihr noch zehen 
andre kaufen, damit eure ganze 
Ausstaffirung sich zusammen 
paßt. Aber, wie der arme 
Jakob sagt: Wer Eitelkeit zum 
Mittagsessen hat, bekommt 
Verachtung zum Abendbrodt; 
oder: der Stolz frühstückt mit 
dem Ueberfluß, speißt zu Mit. 
tage mit der Armuth, und ißt 
des Abends mit der Schande. 
* Welche Thorheit, solcher 
überflüßigen Dinge wegen 
Schulden zu machen! Bedenkt, 
daß ihr, wenn ihr Schulden 
macht, andern ein Recht über 
eure Freyheit gebt. Könnt ihr 
nicht zur rechten Zeit bezahlen) 
so werdet ihr euch schämen, 
wenn ihr eure Gläubiger sehet;
	        

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