Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1786)

«Sfe Bft & 
dich nicht schämen, wenn dein 
gütiger Herr dich müßig anträ 
fe? Bist du nicht dein eigener 
Herr? Schäme dich also, dich 
selbst müßig anzutreffen, da du 
s- viel für dich, für dein Haus,, 
für dein Vaterland- und für den 
nen König zu thun hast. 
Mich dünkt, ich höre jemand 
fragen: Soll man sichdenngar 
keine müßige Stunde erlauben? 
Ich antworte, wie der arme 
Jakob : Willst du Muße haben/ 
fo wende-die Zeit wohl an, und 
so lange du nicht Herr über eine- 
Minute, bist, so verliere keine 
Stunde. Gute Muße heißt 
die Zeit, worinn man etwas 
Nützliches verrichten kann; der 
Fleißige wird diese gute Muße 
finden, aber der Fahrläßige er 
hält sie nimmer. Denck ein Le 
ben voll« guter Muße und ein 
müßiges Leben ist zmeyerley. 
Manche wogten gern von ihrer, 
Geschicklichkeit- leben , ohne zu 
arbeiten; aber sie platzen eher- 
von Mangel, als von Ueber- 
fiuß. Arbeit hingegen schafft, 
Anmuth , Bequemlichkeit und 
Achtung, Flieht die Ersetzun 
gen , und sie werden euch nach 
folgen. Die fleißige Spinne 
hat ein großes Gewebe. 
Aber Fleiß ist nicht genug; 
wir müssen auch beständig, 
nicht läusiÄ) und nichf fahrläs 
sig seyn ; wir müssen selbst ein 
Auge auf unsre Sachen haben, 
und. uns nicht zuwies auf andre 
verlassen. Denn, wie der arme 
Iakob sagt , ein Baum, der 
oft umgepflanzt wird, und eine 
Familie, die immer herum läuft, 
gedeihen nicht so gut, als wenn 
alles an seinem Platze bleibt. — 
Dreymal umziehen, schadet so 
viel, als eine Feuersbtunst. — 
Verlaß deine Werkstatt nicht, 
so wird deine Werkstatt dich 
auch nicht verlassen. — Sollen 
deine Geschäfte gut von statten 
gehn , so gehe selbst darnach ; 
sollen sie nicht, so schicke dar 
nach. — Wer durch den Pflug 
reich werden will , muß ihn selbst 
anfassen oder ihn antreiben. 
Das Auge eines Herrn schafft 
mehr, als seine beyden Hände 
Nachläßigkeit bringt größer» 
Schaden, als Unwissenheit. — 
Wer nicht über seine Arbeiter 
wachet, der laßt ihnen seinen 
Beutel offen. — In Weltge 
schäften hilft Zutrauen weniger, 
als Mistrauen. 
Das sey genug von Arbeit 
und von Aufsicht auf unsre Ge 
schäfte. Aber zu diesen beyden 
Dingen muß noch etwas hinzu 
kommen. Wer nicht so zu spa 
ren, als zu gewinnen weiß, 
der mag die Nase zeitlebens auf 
dem Mühlstein haben; er wird 
keine Gerstengrütze hinterlassen. 
Ist die Küche fett gewesen, so 
wird die Verlassenschaft mager 
seyn.
	        

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