Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1786)

eingebunden, entbrannte, und 
wurde sehr warm in den Bun 
den, ehe er ins Wasser gebracht 
wurde. Er rottete sehr ungleich, 
wurde endlich aus dem Wasser 
genommen, und auf dem Rasen 
ausgebreitet, und hernach hin 
gestaucht. Hier bekam er noch 
manchen Regen, wurde endlich 
so obenhin trocken, und aufge 
bunden. Nun er vor die Brake 
komt, hackt er sich entzwei als 
Heckeriing', was etwa übrig 
bleibt,reibt sich vollends zu nichte, 
und bleibt in der Hechel hängen: 
in Summa, er ist beinahe zu 
nichts zu gebrauchen. Auch ist 
der wenige Leinsaamen auch bei 
nahe taub, und bloße Schale. 
Einige wenige Ackerleute all- 
hier, als sie diese Niederlage des 
Flachses sahen, zogen ihn als 
bald auf, nachdem er ausgeblü- 
het hatte, ob er gleich noch ganz 
grün war. Sie ließen ihn nicht 
einmal reppeln, oderdieKnoten 
abraufen, deren er nur wenige, 
undganz kleine hatte, und brach 
ten ihn vom Acker, wo er ge 
wachsen war, sogleich in das 
Wasser zu rotten. Diese haben 
sürtrcfl-chen Flachs bekommen, 
weiß, stark und lang, und tri- 
umphiren nun mit ihrer Ent 
schlossenheit über andere bedacht 
same Ackerleute. Ich ziehe dar 
aus die Lehre, daß, wenn eS dem 
Flachse begegnet, daß er vom 
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Regen niedergeschlagen wird, 
und sich legt, ohne Hosnung 
wieder aufzustchen, man am be 
sten thue, wenn man ihn sogleich, 
wenn er ausgeblühel hat, ziehet, 
undinsWasser bringt, dmL-in- 
saamen aber aufopfert, und in 
die Schanze schlägt. Ich hatte 
dabei das Bedenken, daßerals- 
denn noch kein hattbares Bast 
oder Schale haben würde. Aber 
es hat sich daS Gegentheil gezeigt, 
und das Bast von diesem jungen 
Flachse ist würklich stärker als 
von dem ältern, der länger ge 
tänden hat. Beim Saamen be- 
'omt man ohnehin wenig von 
olchem Lagerflachs, undasoistS 
besser, man nimt das eine, und 
zwar das Beste gewiß und säßt 
das andere fahren, welches °ch 
künftig auch thun werde. Man 
hat mir gesagt, eS sey in Schle 
sien durchgehends gebräuchlich, 
den Flachs bald nach der Blüte 
zu ziehen, und aus demselben 
werde das schöne schksier Linnen 
verfertiget: den Lein lasse man 
sich jährlich frisch aus Li stand 
kommen. Kan man denselben 
zugleich mit dem Flachs gewin 
nen, so ist es gut: man kan daS 
Oel in den Haushaltungen brau 
chen, und hat nicht alle Jahr 
neuen Saamen nöthig, obman 
gleich wohl thut, alle drei Jahr 
damit umzuwechseln. Wenn 
aber
	        

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