Full text: Waldeckisches Intelligenzblatt (1778)

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sanft« Zufriedenheit — zum Kauf 
auSbietet. Jede ha ihren gefetz 
ten Preis. Unsere Zeit, unser 
Fleiß, unsere Geschicklichkeit ist daS 
baare Geld, womit wir sie bejah» 
len. D efrr Ha. dei hat aber dies 
besondere, daß, wenn man die 
eine gekauft hat, man manche an 
dere nicht kaufen kann, und fast 
bey jeder eine Beylage, die dazu 
gehört, mir in den Kauf nehmen 
und behalten muß. -Hier unter 
suche man, man vergleiche, erwäh 
le, verwerfe: aber man sey kein 
Kind, und murre nachher nicht 
darüber, daß, wenn man die eine 
gekauft, man die andere nicht be 
sitzt, die man nicht gekauft hae, 
oder sie nicht ohne die Zugabe be 
sitzen kann, da man doch die Waa- 
re selbst nicht will fahren lassen. 
Ihr habt euch z. E. den Reich 
thum ausgesucht? und ihr erwar 
tet, daß er euren BcnMungm 
zufallen werde. Warum nicht? 
Tausend sind schon durch anhalten 
den Fleiß, und durch eine genaue 
Aufmerksamkeit auf den kleinsten 
Gewinn dazu gelangt. Schicket 
denn aber euch auch darauf, dem 
Vergnügen der Gesellschaft, der 
Sinne, der Rühe, deS Studi- 
rens zu entsagen, und in eurem 
Comtoir an cure Rechnungsbücher 
gefesselt zu seyn. Schicket euch dar 
auf, wenn ihr reich geworden seyd, 
dem Betrüge, der Habsucht, dem 
Neide, und demUeberlauf derer, 
die Geld von euch geliehen oder qu 
schenkt verlangen, ausgesetzt zu 
seyn, und beschwert euch nicht kin 
disch, daß ihr den Zweck nicht ohne 
ihre Mittel, die Ursachen nicht ohne 
Folgen haben könnet. — Ihr habt 
euch Ehrenstetten und Bedienungen 
gewählt, die euch einen vorzügli 
chen Rang in der Gesellschaft ge 
ben ? Gut! Euer Wunsch und 
eure Hoffnung kann euch gewährt 
werden. Erwartet denn aber auch 
nicht, euer eigner Herr ünd unab 
hängig zu seyn, sondern rechnet 
darauf, mit Arbeiten beladen zn 
werden, zu der Zeit, da es euch 
an Lust und Kräften dazu fehlt, 
oft eurer Geschäfte wegen eine Lust 
barkeit auszuschlagen, bald die 
Wunderlichkeit und üble Laune 
eines Grossen zu ertragen, dem ihr 
unterworfen seyd, bald euch die 
-Ohren mit den kleinfügigcn Ange 
legenheiten derer, dir bey euch et 
was zu suchen haben, Stunden 
lang betäuben zu lassen: beydes 
müßt ihr entweder zusammen neh 
men, oder dem ersten entsagen. — 
Ist Wissenschaft und Studiren 
die Perle, wornach ihr ringt? 
Eure Wahl ist nicht übel. Er 
wartet denn aber auch nicht, daß 
Reichthum und Würden euch 
auf eurer Bibliothek, in welcher 
ihr vergraben seyd, aufsuchen wer 
den, sondern schickt euch darauf, 
mit einer anständigen Mittelmäßig 
keit
	        

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