Full text: Hessenland (1943)

10 
Mb. 12: Nollentapete in Maschinendruck. 1854 
Ecke Marktgasse, in Kassel. Der Holzfachwerksbau wurde 
1686/87 errichtet, in der Barock- und Biedermeierzeit 
umgebaut, und 1936 in seinem ursprünglichen Zustand 
wiederhergestellt. Bei dieser Gelegenheit ist die Tapete 
in einem der von den Brüdern Grimm bewohnt gewese 
nen Zimmer des zweiten Stockwerkes aufgefunden. Der 
Handdruck aus der Zeit um 1815 stellt ein über-eckstehen- 
des Quadratmuster dar, wie es sich im Kattundruck häufig 
findet, hier in den Farben goldbraun und schwarz auf hell 
blauem Grunde. Eine einfach ornamentierte Borde be 
grenzte oben und unten die Wand über dem weiß ge 
strichenen Holzsockel. Diese Tapete Zeigt ebenso wie die in 
Abb. 7 Flächenkunst, die erst nach 1900 wieder entdeckt 
wurde. 
Das jetzige Palais des Prinzen Philipp von Hessen, 
Schöne Aussicht 2, in Kassel, war 1717 vom Landgrafen 
Karl als Sternwarte gegründet und 1789 zum Wohn- 
schloß hergerichtet. Neben französischen Tapeten aus die 
ser Zeit hatte sich auch der ArnoldFche Handdruck aus den 
Fahren 1815/20 (Abb. 9) erhalten. Auf blaugrau ge 
punktetem Grunde stehen senkrechte, dunkelblaue Streifen 
mit stilisierten Blüten. Der obere Fries hat blaue Stofs 
drapierung mit grüner Blattguirlande und weißen Mar- 
gueriten und darüber eine ornamentierte Leiste. Als unte 
rer Fries ist dieselbe Guirlande verwendet worden. Beim 
Vergleich mit französischen Tapeten derselben Zeit ist zu 
ersehen, wie Arnold zwar diesen Mustern nachzustreben 
suchte, aber doch Eigenes hervorzubringen wußte. Die 
gleiche Tapete befand sich auch in den Schlössern am 
Friedrichsplatz, in Wilhelmshöhe und in der Wilhelms 
burg, sowie im Hause Königsstraße 41. 
In der Mitte des 18. Jahrhunderts wurde das Lust 
schlößchen Wilhelmstal bei Kassel, ein Kleinod des nord 
deutschen Rokokos, von den Architekten Charles du Nh 
und Francois de Cuvillies dem Älteren erbaut. ES 
enthält neben französischen und englischen Wachstuchtape 
ten auch zwei Arnold'sche Handdrücke. Eine der Tapeten 
(Abb. 10) aus den Jahren 1815/20 ist mit Schweinfurter 
Grün gedruckt, sie hat gleich breite helle und dunkle Strei 
fen mit daraufgesctztem Blattornament, eine klassizistische 
braune Oberborde auf weißem Grunde und als untere 
Abschlußleiste ein Meereswellenornament. 
Durch das gleichzeitige Vorkommen ein und derselben 
Tapete an verschiedenen Stellen ist oft Herstellungsort 
und Zeit ermittelt worden. So fand sich die Tapete 
Abb. 11 sowohl im Badehaus zu Wilhelmsbad bei Hanau, 
das 1779 vom Erbprinzen Wilhelm erbaut wurde, als 
auch im Hause Königsstraße 41 in Kassel. Der Irishand 
druck war in der Zeit um 1820 von Arnold hergestellt und 
zeigt stilisierte Blatt- und Blütenreihen in abgestuft 
grauen Tönen, auf hellem Untergrund. Ein breiter far 
benreicher Blatt- und Blumenfries als Oberborde und 
eine schmale Unterborde umranden die wirkungsvolle 
Tapete. 
Im Jahre 1823 hatte Arnold seiner Tapetenfabrik eine 
lithographische Anstalt angegliedert, in der Karl Heinrich 
als erster auf hessischen Kalkstein lithographierte. Die 
vaterländische Gewerbeausstellung zu Kassel des gleichen 
Abb. 13: Handdruck auf Nollenpapier aus den Jahren 1855—1860
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.