Full text: Hessenland (51.1940/41)

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Abb. 160 u. 161: Geschütze. Holzschnitte eines unbekannten Meisters (Graf Solms, Kriegsbeschreibung) 
Hurenweibel, den obersten Proviantherrn, die Profosen, 
Wagenburgmeister, Wagenmeister und Scharfrichter. Auf 
fällig ist dabei, daß die Ämter, die mit dem Gericht zu 
tun haben — dazu gehören ursprünglich ja auch die Wei 
bel — nicht Zusammen um eine ebenfalls an dieser Stelle 
des Werkes veröffentlichte Gerichtsordnung stehen. Eine 
bestimmte Rangordnung gab es also noch nicht, und wir 
spüren deutlich, wie nach einem festen System gesucht 
wird. Die Häufung der Ämter, die sich auf die Wagen 
beziehen, deutet die wichtige Nolle an, die die Wagenburg 
damals noch im Lager, auf dem Marsch und in der 
Schlacht spielte. 
Mit dieser Auszählung der Ämter ist nun aber der In 
halt der Schrift noch nicht erschöpft. Die Verfasser fügten 
ihr Bestallungsbriefe und Artikelbriefe, d. h. Anstel 
lungsverträge bei. Denn damals schon wie heute bestand 
ein lebhaftes Bedürfnis nach Formularen. Auch sonst 
versucht die Schrift manche praktischen Winke zur Auf 
rechterhaltung der Ordnung im Felde und in der Festung 
zu geben. 
Dem Werke haften, wie es bei einem ersten Versuch 
nicht anders sein kann, manche Mängel an. Deshalb 
wurde bereits 1539 eine Bearbeitung vorgenommen, die 
sich heute in Gotha befindet. Durch Umstellungen, Aus 
lassungen und Zusätze sucht sie eine bessere Übersicht zu 
geben. Jetzt wird die Artillerie gesondert hinter Reiterei 
und Fußvolk behandelt und erhält dadurch den Charakter 
einer selbständigen Waffe. Das war ein bedeutender Fort 
schritt. Denn nun war endlich der Weg frei, Taktik und 
Technik dieser neuen Waffe für sich zu untersuchen und 
darzustellen. Tatsächlich sind dann auch immer mehr sol 
cher Arbeiten entstanden, und in den Enzyklopädien jener 
Zeit nimmt die Artillerie eine ganz andere Stellung ein, 
als das vorher der Fall war. So sind es zwei Hessen ge 
wesen, die einen wichtigen Beitrag zur Ausgestaltung 
dieser Waffe geliefert haben. 
Es sollte auch ein Hesse sein, der bald danach die erste 
neuzeitliche Darstellung des gesamten Kriegswesens seiner 
Zeit veröffentlichte. 
Buttlar und Bemelberg hatten auf ihren Kriegszügen 
den Grafen Reinhard zu Solms kennen gelernt, und bald 
muß sich zwischen den drei Männern ein engeres Verhält 
nis freundschaftlicher Zuneigung entwickelt haben, das auf 
gemeinsamen kriegswissenschaftlichen Interessen beruhte. 
Der Graf war kein Neuling in der Kriegskunst. Am 12. 
Oktober 1491 als ältester Sohn des Grafen Philipp zu 
Solms-Lich geboren, eines bedeutenden Mannes, der in 
der Politik und den schönen Künsten wohl bewandert war, 
erhielt er seine militärische Erziehung in Sickingens Hee 
ren. Später war er in der Verwaltung der heimatlichen 
Grafschaft tätig und erwarb sich durch seine Festungs 
bauten in Lich, Hanau und Ingolstadt einen weithin be 
kannten Namen. In den Auseinandersetzungen zwischen 
dem Kaiser und den protestantischen Fürsten nahm er die 
Partei des ersteren und wurde von Karl V. nach dem 
Schmalkaldischen Kriege und der Niederwerfung der bei 
den evangelischen Führer mit wichtigen Aufgaben betraut, 
so vor allem mit der Kommission zur Durchführung der 
Friedensbedingungen in Hessen. Kurz vor dem Fürsten 
aufstande des Jahres 1551 wurde er als gefährlicher 
Gegner, der seinen kaiserlichen Herrn vor allem mit Nach 
richten aus dem protestantischen Lager versorgte, auf dem 
Schloß Ziegenhain gefangen gesetzt und erst auf Grund 
des Passauer Vertrages wieder freigelassen. Seine letz 
ten Lebensjahre lebte er zurückgezogen von der großen 
Politik in Lich, hauptsächlich kriegswissenschaftlichen 
Studien hingegeben. Er starb am 23. September 1562 zu 
Frankfurt und wurde in Lich beigesetzt.
	        

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