Full text: Hessenland (49.1938)

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tcn Karte haben wir deutlich den Weg vor Augen, den 
das neu eindringende Gut nimmt: die hessische Senke- 
und von ihr aus wird die Wirkung nach beiden Seiten 
gehen. Dieser Nord-Südausrichtung Hessens gegen 
über haben die Karten gezeigt, daß eine Durchdringung 
von Westen nach Osten oder umgekehrt kaum hervortritt. 
Allerdings müssen wir im Auge behalten, daß nur dir 
wenigen, bis jetzt vorliegenden Karten zur Beurteilung 
herangezogen werden konnten. 
Wenn wir hier den Versuch gemacht haben, den hessi 
schen Raum zu betrachten, wie er auf den ersten Blät 
tern des Voltskundeatlasses erscheint, so haben wir da 
mit natürlich nur ein grobes Bild entworfen. Die Kar 
ten lassen, wie schon gesagt, in erster Linie Großland- 
schasten und große Strömungen im gesamten deutschen 
Raum erkennen- und es dürfen die Einzeluntersuchungen 
nicht ausbleiben, die die kleinere Landschaft durch direk 
tes Forschen von Ort zu Ort ausschließen. Wie der 
Deutsche Sprachatlas, so kommt auch der Atlas der deut 
schen Volkskunde zu Ergebnissen, die grundlegend und 
richtunggebend sind für eine weitere genaue Erforschung 
der einzelnen Landschaft und schließlich des deutschen 
Volkes. Oie Karten des Atlasses der deutschen Volks 
kunde sind wie die des Sprachatlasses nicht bloß Resul 
tate einer Bestandsaufnahme, sondern für den, der sie 
zu lesen versteht, lebendige Darstellungen lebenden 
Volksguts- und wir sind gewiß, daß die nächsten Liefe 
rungen des Werkes auch über unsere hessische Landschaft 
neue Erkenntnisse bringen werden. 
Die Sonnenuhr vom Kasseler Zeughaus 
Von Paul Adolf K i r ch v o g e l 
Holtmeher erwähnt in seinen Bau- und Kunstdenk 
mälern (Kassel-Stadt, 2. Teil, Seite 512) eine Sonnen 
uhr an der westlichen Ecke der vorderen Schmalfront des 
Zeughauses am Töpfenmarkt. Er beschreibt sie als „qua 
dratische Eußeisenplatte mit rechteckiger Anordnung der 
Zahlen am Rande und einfachem Winkelweiser". Diese 
kurze Erwähnung läßt vermuten, daß sich die Uhr schon 
damals in dem Zustand befunden hat, in welchem sie im 
Sommer dieses Jahres vorgefunden wurde. Und doch 
handelt es sich hier um eine Vertikalsonnenuhr, die den 
hessischen Eisenguß in feiner und bei aller Schlichtheit 
doch ornamental wirkender Form zu Tage treten läßt. 
Sonnenuhr des Zeughauses 
Bei der erwähnten Besichtigung fand sich die Platte in 
stark korrodiertem Zustand vor. Das schon an und für 
sich in verschiedenen technischen Einzelheiten ungleich 
mäßige Eußbild (bedingt durch die Art der damaligen 
Gußtechnik ohne Formkasten) war schon vielfach weit 
gehend zerstört. Die Arbeitsgemeinschaft für Geschichte 
der Technik in Kurhessen erwirkte vom Heeresbauamt die 
Erlaubnis zur Wiederherstellung der Uhr. Rach der all 
gemeinen Säuberung wurde eine Grundierung mit einem 
sehr widerstandsfähigen Spczialmetallack vorgenommen 
und dann die verschiedenen Flächen in Farbe gesetzt, wo 
bei die Rekonstruktion einiger schon gänzlich zerstörter 
Zeichen und Inschriften durch Schattenfeldausleuchtung 
gelang. Es zeigte sich nämlich, daß auch fast ganz zer 
störte Konturen des Gußbildes deutlicher hervortra 
ten, wenn man ihre Schattenfelder durch eine passend, 
kombinierte Seitenbeleuchtung verstärkte. 
Der Guß der 34 X 28 ein großen Platte fällt woh 
in die Zeit der Beendigung des Zeughausbaues unter 
Moritz dem Gelehrten im Anfang des 17. Jahrhunderts. 
Oie Verbindung von Kunst und Technik, wie sie Moritz 
liebte, spiegelt sich so recht in der Ausführung dieser 
Platte wieder. Stzmbolisch leuchtet die Sonne aus den 
Wolken hervor und stößt mit den Ausläufern ihres 
Strahlenkranzes bis zu den Zahlzeichen vor. Das untere 
Mittelfeld wirkt wie ein feines Netz durch die Überschnei 
dung der Sonnenstrahlen mit den Linien der Breiten 
grade und der Wendekreise. 
Im linken oberen Außenrand finden wir die Bezeich 
nung: hiev. Po. (Elevatio Poli, Polhöhe) und rechts 
davon 51 014. 19 (das ist die Polhöhe Kassels). Im 
unteren Mittelfeld sind die Wendekreise mit TROP. 
CAP. (Tropicus Capricorni, Wendekreis des Stein 
bocks) und TROP. CAN. (Tropicus Cancri, Wende 
kreis des Krebses) sowie die Pinea horizontalis mit 
LN. Horiz. angegeben. Gerade bei der letzten Angabe 
findet man einen sehr verwaschenen Gußspiegel, das L 
am Anfang liegt fast in einer Linie mit einem Sonnen 
strahl. Oer Weiser ist gerade bei dieser Uhr nicht als 
einfach zu bezeichnen, denn er trägt als besondere Ver 
zierung einen kleinen schön gedrehten Mefsingring.
	        

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