Full text: Hessenland (49.1938)

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Gesangskräfte der Oper Zur Geltung kommen ließ. Pan 
zers Bühnenbilder und Trachten brachten den ange 
messenen Nahmen und stellten Leistungen dar, die den 
klaren Naumbegrifs der Bühne betonten, die aber im 
Einzelnen von Panzer auch schon besser gestaltet worden 
sind. Eine eindrucksvolle uno vorzügliche Aufführung 
brachte die Neueinstudierung von Tiefland. Eggert 
hat hier in seiner Inszenierung einen seiner besten Er 
folge gewonnen. Die dramatischen Beziehungen der 
Handlung waren vorbildlich herausgearbeitet und die 
Spielleitung des ganzen Werkes wußte mit geschickten 
Einsätzen ein großartiges Geschehen zu vollenden. Adolf 
Harbich als Sebastiano, Olga Hadwiger-Schnau als 
Marta, Georg Faßnacht als Pedro ergaben ein musika 
lisches Spiel, das dem Anspruch und den Forderungen von 
Eugen d'Albert in jeder Weise gerecht zu werden ver 
mochte. Diese Neueinstudierung schuf einen Abend reifer 
Bühnenkunst. König für einen Tag, die roman 
tisch-komische Oper von Ad. Adam, wurde gleichfalls als 
Neueinstudierung herausgebracht und füllte den Platz 
der gefälligen und ansprechenden Spieloper, die aus dem 
Märchenhaften die Handlung gestaltet und auch im Mu 
sikalischen sich einer einfachen und schlichten Führung 
befleißigt. Mit Mühe und Sorgfalt hatte man sich der 
Aufführung angenommen, und sowohl die Inszenierung 
von Eggert und die musikalische Leitung von Hans Len 
zer wie ferner Zenta Zoebisch, Walter Kocks, Ruth Be- 
heim, Folke Svensson und anderen Darsteller hatten am 
Abend Anteil. Im zweiten Akte unterstützte das Ballett. 
Das Schauspiel begann mit Julius Caesar 
von Shakespeare. Die Neueinstudierung von 
Franz Ulbrich hatte außerordentliche Vorbereitungen 
gefordert. Das Ziel der Inszenierung bestand in der 
Betonung der Stellung und Haltung Caesars. Nicht 
Brutus sollte beherrschen, sondern die Größe Caesars 
hatte dem Spiel die bestimmte Entwicklung zu verleihen. 
Ulbrich arbeitete mit außerordentlich gesteigerten Mitteln, 
und seine Darstellung versuchte, aus der naturalistisch 
getreuen Schilderung, in der lebendigen Füllung und 
Nutzung der Bühne die Charaktere zu zeichnen. Aus 
dem farbigen Wechselspiel, aus der gegenseitigen Wen 
dung von Menge zur einzelnen Persönlichkeit, aus dem 
Widerstreit vom Herrscher und Beherrschten, erwuchs die 
Gestalt Caesars. Im Vordergrund stand mehr das große 
Geschehen insgesamt, die breite und stark ausgezeichnete, 
die wortgetreue Übersetzung der Handlung im Sinne 
Musikschau 
Eine Hochflut von Konzerten drängte sich in den bei 
den ersten Monaten der neuen Spielzeit zusammen. 
Wenn trotzdem der Besuch durchweg gut, in einigen 
Fällen sehr gut war, so ist das nicht nur ein erfreuliches 
Zeichen für den Kulturwillen der Stadt Kassel, sondern 
auch eine lebhafte Anerkennung bedeutender Leistungen, 
um nicht zu sagen berühmter Namen, denen in erster 
Linie das gesteigerte Interesse galt. Im vollbesetzten 
Festsaal der Stadthalle gab Erna Sack einen Lieder 
und Arien-Abend. Was Mozart von der berühmten 
Sängerin Bastardella erzählt und in seinem Brief an 
die Schwester mit Noten belegt hat, daß eine Menschen 
stimme das viergestrichene C erreichen kann, durch Erna 
einer wirklichkeitsgemäßen Deutung. Eine große Zahl 
von Schauspielern war beteiligt, unter ihnen besonders 
Walter Jung, Fritz Brand, Stephan Skodler. Aus einer 
Anschauung, die sich stärker der Darstellung der einzel 
nen persönlichen Kräfte und den wirksamen inneren Be 
dingungen der Handlung verpflichtet fühlt, hat Hans 
Carl Müller die Uraufführung der Unter 
gang Karthagos von Eberhard Wolfgang Möller 
inszeniert. Ob sich dies Drama in drei Akten länger auf 
der deutschen Bühne halten wird, ob es sich gelohnt hat, 
die Ereignisse unserer Zeit in diese karthagischen Ge 
wänder zu kleiden, kann man im Augenblick gültig noch 
nicht entscheiden. Hans Carl Müller hat in sorgfältiger 
Arbeit alles unternommen, um über manche dichterische 
Schwächen hinwegzuführen. Das Staatstheater brachte 
eine gute Leistung, an der der größte Teil des gesamten 
Schauspielpersonals beteiligt war. Als leichtere Kost 
wurde eine Kriminalstück aufgeführt, P a r k st r a ß e 13. 
Ernst Wendt verstand es, mit Geschick den Zuschauer 
zu foltern und mit kleineren Scherzen die Szene zu be 
leben. Ursula Schnetzler stand im Mittelpunkt, Stephan 
Skodler, Cara Gyl, Karl Ebhard und andere waren be 
teiligt. 
Oer K u n st v e r e i n hat in den vergangenen Mo 
naten mehrere Ausstellungen gezeigt, die weniger dem 
heimischen Schaffen gewidmet waren, als vielmehr 
manchen kleinen Einblick in die Lage der deut 
schen Kunst allgemein boten. Unter diesen aber 
bildete die Schau im November eine besondere Ver 
anstaltung, die leihweise aus der islamischen Abtei 
lung der staatlichen Museen in Berlin indische Mi 
niaturen gezeigt hatte. Sie brachte eine sehr gute und 
gefeierte Kunst und vermochte damit, dem Besucher eine 
eindringliche Kenntnis von der besonderen Stellung der 
indischen Miniaturen zu gewähren. Solche Übersichten 
ermöglichen es auch am besten, die Gesamtheit des euro 
päischen Bereiches zu begreifen. Die Augustausstellung 
zeigte eine große Zahl verschiedener Darstellungs 
arten der Landschaften, unter denen besonders die Ar 
beiten von Ernst August Mandelsloh hervorragten. Von 
den September- und Oktober-Ausstellungen müssen als 
besondere Leistungen die Werke von Bodo Zimmermann 
und Franz Triebsch erwähnt werden. Ferner stellte Else 
Wenz-Vietor mehrere ihrer Arbeit aus. 
H. K r a m m. 
Sack wurde das kaum Glaubliche aufs neue bewiesen. 
Den Zuhörern verging der Atem, wenn sie ein solches 
Lichtlein aus höchster Höhe und auf endloser Fermate 
herniederscheinen ließ. Sigrid Onegin, die über 
einen ähnlich großen, nur um eine Oktav tiefer liegen 
den Stimmumfang verfügt, holte sich ihren stärksten Er 
folg in Schuberts „Erlkönig", den sie von Dämonie 
durchglutet vortrug. Glänzend war ihr Begleiter Her 
mann N e u t t e r - Frankfurt a. M., dessen Einfühlen, 
Untermalen und Mitgestalten am Flügel in so fein 
sinniger und technisch vollendeter Form geschah, daß die 
Beifallsstürme auch ihm galten. Ein italienisches Gast 
konzert führte Sänger mit klingendem Namen nach 
Kassel, den Heldentenor Aldo T a m a g n i, den Bari-
	        
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