Full text: Hessenland (49.1938)

sowie die führenden Persönlichkeiten der Staats- und 
Kommunalbehörden, der Partei und der Wehrmacht, 
der Kunst und der Wissenschaft Zusammengefunden. Mit 
dem wirkungsvoll vorgetragenen Concerto grosso G- 
moil eröffnete das Orchester die Feier. 
Der Oberpräsident unserer Provinz, Philipp 
Prinz von Hessen, betonte in seiner Ansprache, 
daß es ein vom Führer immer wieder betonter Grundsatz 
sei, daß jedes Gebäude, das von Staatswegen errichtet 
werde, eine würdige, seiner Bedeutung entsprechende 
Ausgestaltung erhalten müsse. Jetzt sei dank der tat 
kräftigen Hilfe des Herrn Staatsministers dem Archiv, 
das für die Provinz von größter Bedeutung sei, ein 
neues, würdiges Heim geschaffen worden. Neben diesem 
Dank Zieme sich heule aber auch, des Mannes Zu ge 
denken, der hervorragend an der Errichtung des Hauses 
beteiligt, leider viel Zu früh verstorben, den heutigen Tag 
nicht mehr erlebe: des StaatsarchitOirektors Dr. 
K n e t s ch. Seinem Andenken sei eine Gedenktafel im 
Treppenhaus geweiht. 
Der Leiter der örtlichen Hochbauverwaltung, Negie 
rungsbaurat S ch w e d e s , meldete dem Staatsminister 
dann die Vollendung des Baues und übergab ihm den 
Schlüssel. 
Staatsminister Prof. Dr. P o p i tz führte aus, daß 
die Vollendung des Marburger Staatsarchivs ein Teil 
jener großen Aufgaben sei, die die preußische Negierung 
vor nunmehr 6 Jahren übernommen habe. Er sei eine 
dringende Notwendigkeit gewesen. Nun sei ein Archiv 
gebäude entstanden, das allen Anforderungen genüge. 
Er danke allen Mitarbeitern an diesem Hause, den Be 
amten der Hochbauverwaltung, unter diesen vor allem 
dem Negierungsbaurat Henrich und Negierungsbau 
rat S ch w e d e s, aber auch allen Arbeitern, Künstlern 
und Handwerkern, vor allem jedoch dem Oberpräsidenten 
der Provinz, dessen besonderes Interesse an dem Staats 
archiv das Haus seine künstlerische Ausgestaltung ver 
danke. Zu den Aufgaben des preußischen Staates, die 
Kultur der Provinzen zu pflegen, gehöre die Maßnahme 
seiner Archiveinrichtungen, die von dem Gedanken einer 
regionalen Austeilung geleitet sei. Unter den preußischen 
Staatsarchiven sei das Marburger eines der wichtigsten. 
Er übergab dann das vollendete Werk zu treuen Händen 
dem Generaldirektor der Staatsarchive Dr. Zipfe l. 
Dieser übermittelte den Dank der preußischen Archiv 
verwaltung an den Ministerpräsidenten Generalfeld 
marschall Gering, an den Minister und die gesamte Ver 
waltung, den Oberprüsidenten, den vor kurzem ausge 
schiedenen Generaldirektor der Staatsarchive, Prof. Dr. 
Brackmann, und den Kurator der Universität, Ober 
präsidenten z. D. Geheimrat von Hülsen. In ehrenden 
Worten gedachte er des verstorbenen Staatsarchivdirek 
tors Dr. Knetsch. Als Geschenk der preußischen Archiv 
verwaltung überbrachte er den Beschluß, das für die 
historische Forschung in Hessen so überaus wichtige, sei 
nerzeit schon begonnene, aber nicht vollendete „Inventar 
des Politischen Archivs Philipps des Großmütigen" 
fortzuführen. Dann übergab er das Haus der Obhut 
des Marburger Staatsarchivdirektors Dr. V a u p e l. 
Der Präsident des Neichsinstitutes für ältere deutsche 
Geschichte, Prof. Dr. E. S t e n g e l, betonte in seiner 
Ansprache, daß der Staat sich zur Errichtung dieses 
Archivneubaues beglückwünschen könne. Im Laufe des 
letzten Jahrhunderts habe sich der Schwerpunkt der 
historischen Forschung allmählich immer mehr in die 
Archive verlegt, und in Marburg sei die Entwicklung in 
sofern sehr glücklich gewesen, als Staatsarchiv und 
Universität in glücklicher Harmonie vereinigt seien. Hier 
in Marburg sei die preußische Archivschule gegründet 
worden, die freilich bald nach Berlin verlegt werden 
mußte. Aber mit Stolz erinnerte sich ein großer Teil 
der deutschen Archivare ihrer Marburger wissenschaft 
lichen Herkunft. Bedeutsam für die Entwicklung der 
archivarischen Arbeit sei auch die Gründung der Histo 
rischen Kommission für Hessen und Waldeck gewesen. 
G. von der Nopp und der frühere Direktor des Mar 
burger Staatsarchivs, Geheimrat Prof. Dr. Küch, hät 
ten hier die Universität zur landesgeschichtlichen For 
schung gewissermaßen gezwungen und seien die Begrün 
der eines neuen Zweiges der historischen Wissenschaft 
überhaupt geworden. 
Der Direktor des Marburger Staatsarchivs, Dr. 
Vaupel, gab einen umfassenden Überblick über die 
Geschichte des Marburger Staatsarchivs, wobei er be 
sonders der Arbeit der beiden früheren Direktoren Küch 
und Knetsch gedachte. Die Arbeit und das Vermächtnis 
der großen Wissenschaftler, die führend auf dem Gebiete 
des Archivwesens gewesen seien, werde allen Gliedern 
des Marburger Staatsarchivs ein steter Ansporn sein. 
Mit der Führerehrung, den Liedern der Nation und 
einem Musikstück schloß die Feier, an die sich eine grup 
penweise Führung der Gäste durch das Haus anschloß. 
Ein gemeinsames Mittagessen und ein Empfang durch 
den Oberbürgermeister Dr. Scheller im Kurhotel 
vereinte die Gäste noch lange zu regem Gedankenaus 
tausch. 
Verleihung des Kurhessischen Kulturpreises 
Kurz vor der Drucklegung unserer Zeitschrift „Hessen 
land" können wir noch kurz über die erstmalige Ver 
leihung des Kurhessischen Kulturpreises berichten. Sie 
fand am Sonntag, dem 11. Dezember, in der Aula der 
Marburger Philippsuniversität, die entsprechend dieses 
Ehrentages deutscher Kultur im Gau Kurhessen festlich 
ausgestaltet war, in Anwesenheit des Gauleiters und 
Staatsrates Weinrich und der Spitzen der Partei, der 
Wehrmacht und sämtlicher Behörden statt. 
Nach einem einleitenden Vertrag von Landeskultur 
walter Gernand überreichte Gauleiter Staatsrat Wein- 
rich die Kulturpreise an den Altmeister der kurhessischen 
Malerei, Geheimrat Prof. Dr. V a n tz e r - Marburg, 
den Maler Karl L e n z - Erdhausen, den Gauwirt 
schaftsberater und Präsidenten der Industrie- und Han 
delskammer Kassel Dr. Nudols Braun -Melsungen, 
dem Dirigenten des Kurhessischen Landesorchesters, Ka 
pellmeister Paul Dörrie und dem Dramaturgen 
^-Obersturmführer Walter Be st-Kassel. 
Das Kurhessische Landesorchester umrahmte die Feier 
stunde mit musikalischen Darbietungen. 
Wir kommen noch darauf zurück. 
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