Full text: Hessenland (49.1938)

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schloß wie nach der neuen Burg (1358)." So hieß auch 
1360 ein v. Hundelshausen Burgmann v. Brandenfels. 
Die Burginhaber, obwohl thüringische Lehensleute, 
neigten mehr nach Hessen, weshalb im Jahre 1260 der 
Markgraf von Meißen die Burg, wenn auch vergeblich, 
belagerte. Vom Brandenfels aus wurde manche Gewalt 
tat verübt, so griffen die Vrandenfelser 1326 den Erz 
bischof von Magdeburg Heidecke von Ersa auf, als er mit 
geringem Gefolge durch Thüringen nach Avignon ziehen 
wollte, um sich persönlich dort die päpstliche Bestätigung 
seiner Wahl zu holen. Man hielt ihn lange auf der Burg 
in Gewahrsam, da sich niemand fand, sein Lösegeld Zu 
bezahlen. 
..Schon frühe scheinen die Hoheitsrechte der Burg 
Gegenstand von Streitigkeiten gewesen Zu sein. 1323 er 
klärten jedenfalls die v. Buttlar, Herting v. Hornsberg und 
ihre Freunde, daß sie sich in ihrem Zwist mit Abt und 
Stift zu Fulda dahin geeinigt hätten, daß ihr Schloß 
dem Abt und seinen Nachfolgern stets geöffnet sein sollte, 
ausgenommen gegen den Markgrafen v. Meißen und die 
Grafen von Henneberg, die sie aber mit dem Schloß auch 
nicht zu unterstützen brauchen." Danach erfreuten sich die 
Burgenbesitzer noch einer gewissen Selbständigkeit. Um 
1350 aber war nach Ausweis des Lehnbuches Friedrich 
des Strengen das Schloß thüringisches Lehen, und Zwar 
hatten Konrad v. Buttlar, gen. Treusch und seine „patrn- 
elesF totum, quocl possident in castro Brandenvelz 
und Friedrich v. Wangenheim und seine „patrui“ castra 
Winterstein et Brandenfels. 
Die v. Wangenheim waren 1337 bereits im Besitz des 
Schlosses, denn em Friedrich v. W. gab zu der Zeit sei 
nem Vetter Fritz eine Gülte daselbst, wie man mit Lan 
dau annehmen kann, als Erbe des kinderlos gestorbenen 
Hermann, der sich von 1292 an auch als v. Brandenfels 
findet. 1366 werden Henne v. Boyneburg und Arnold 
Fudemann mit dem Teil des Schlosses belehnt, den sie 
von den v. Wangenheim gekauft hatten unter der Be 
dingung, daß es, wie schon 1340, dem Landgrafen offen 
stehen sollte. Seit 1380 waren die v. Buttlar im teilwei 
sen Besitz der Burg Brandenfels. ..Fortdauernde Fehden 
und Räubereien veranlaßten schließlich den Landgrafen 
zum Eingreifen." Die Städte Mühlhausen, Nordhausen 
und Erfurt lagen mit ihren Heerhaufen und Steinschleu 
dermaschinen vor der Bergfeste. Nur die Vermittlung 
ihrer Freunde konnte die Vurgbesitzer retten. 1384 er 
klärten die Ganerben, mit ihrem Herrn gesühnt zu sein, 
sodaß sie ihn in das Schloß eingelassen, es ihm über 
antwortet und als Lehen von ihm wieder erhalten hätten 
..Landeshoheitliche Rechte kann man aber für Thüringen 
nicht daraus ableiten. Andererseits ist wohl anzunehmen, 
daß zu der Zeit, als Eschwege, Sontra und Wanfried in 
thüringischen Händen waren, natürlich auch das Gericht 
Brandenfels dazu gehörte." Oie Ganerben, die 1399 
einen Burgfrieden schlossen und zwar die v. Buchenau, 
v. Romrod, v. Kolmatsch, v. Buttlar, Treusch, v. Bovne- 
berg, v. Wangenheim und Hofmeister, fragten 1400 bei 
den Markgrafen als ihrem Schutzherrn an, ob er ihnen 
gegen verschiedene Fürsten helfen wolle. 
..Nachdem aber das Gebiet an Hessen zurückgefallen 
war, hörten gleichwohl die Schwierigkeiten nicht auf- denn 
neben dem ausgedehnten fuldischen Aktiolehenbesitz hatte 
Thüringen die Lehenshoheit über die Burg und wohl auch 
deren nächste Umgebung- Hessen schließlich war im Besitz 
der Landeshoheit. Oie eigentlichen Besitzer aber waren 
die Treusch-Buttlar, Kolmatsch und Botzneburg. Daß ein 
derartiger Zustand auf die Dauer unhaltbar war, ist klar. 
Vor allem lag natürlich Hessen daran, seiner Landeshoheit 
hier auch eine reale Grundlage zu geben. Ein Versuch, 
die Lehenshoheit an sich zu reißen, scheiterte allerdings 
(1537), doch kam es zu einer friedlichen Einigung. Nach 
dem Hessen von Fulda dessen Lehenbesitz, der aus Renda, 
Nesselröden und anderen Dörfern bestand, erworben hatte 
(1539), einigte man man sich mit Sachsen-Thüringen im 
folgenden Fahre (1540). Die Lehen der damaligen Gan 
erben, Georg v. Kolmatsch und die Treusche, die bisher 
Thüringen bzw. Sachsen zu vergeben hatte, sowie die 
ehemals fuldischen Lehen der Ganerben sollten zusam 
mengeschlagen und hinfort von Hessen und Thüringen Zu 
gleich vergeben werden, die Lehnsgerichtsbarkeit sollte 
geteilt sein, die Landeshoheit aber über all diese Güter 
wurde Hessen allein zugesprochen. Nicht einbezogen wer 
den in diesen Vertrag die außerhalb Hessens gelegenen 
Güter zu Spicher, Pferdsdorf usw. 
Fortan werden die Treusche, die von 1550 ab alleinige 
Besitzer waren, außer mit den ehemals fuldischen Lehen 
auch mit dem Haus Brandenfels, Archfeld mit dem Ql- 
back, Frauenborn, Wuffenbach (wüst), Markershausen, 
Breitzbach, Unhausen, Holzhausen, Rittershausen, Berlitz- 
grube und Altefeld je zur Hälfte von Hessen und Thü 
ringen belehnt (sächs. Lehnbrief von 1558 und Hess. 
üehnbrief von 1593). 
Die hessische Landeshoheit wurde durch den Amtmann 
zu Sontra, bzw. den Landvogt an der Werra ausgeübt, 
sie blieb auch über das adlige Gericht gewahrt, während 
das Gebiet sonst zur sogen. Notenburger Quart gehörte. 
Das Gericht, namentlich das peinliche Gericht, hat nie 
eine besondere Bedeutung gehabt, da es von den Haupt 
verkehrswegen, der Werra und der Netra-Iftaer Senke, 
abgeschnitten war. Dazu trugen auch die klimatischen 
Verhältnisse bei. Im Norden stieß das Gericht an das 
Gericht Boyenburg, im Westen an das Amt Sontra, 
nördlich an den Kaufungischen Besitz Herleshausen und 
im Osten an Sachsen. Eine Grenzbeschreibung des Ge 
richts ist nicht mehr vorhanden.
	        
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