Full text: Hessenland (49.1938)

Mb. 42 Truhe aus Damm, 1771. Museum der Universität 
den folgenden Jahrzehnten im Hinterlande und in den 
angrenzenden Teilen des Kreises Marburg entstanden 
sein, die dreien solcher Tischler solch fruchtbare Auswir 
kung gewährte. Ein wahrer Wetteifer hat offenbar in 
diesen Dörfern, und vor allem auch in WarZenbach, Platz 
gegriffen, der die Höfe von den Balken des Fachwerks 
und den Fensterrahmen (auch dafür gibt es Beispiele in 
Warzenbach) an bis zu den geschnitzten Türen, Treppen, 
Schüsselbanken, Schranken, Truhen und Betten, sowie 
Eckschränkchen künstlerisch gestaltete. Solcher Eifer führte 
einen Höhepunkt bäuerlicher Handwerkskunst herauf, ge 
rade in einer Zeit, in der die künstlerische Kraft in den 
Städten zurückging und sich mit Empire und Bieder 
meier beschied. Es ist offenbar die künstlerische Frucht 
barkeit des Barocks und des Rokkoko, die damals erst 
auf dem Lande trotz aller Kriegsnot der Zeit zur Ent 
wicklung kam. 
Es sind in Warzenbach noch etwa sieben Haustüren 
und ungefähr ebensoviele Treppcnanlagen vorhanden, die 
wir für den Meister in Anspruch nehmen können/') In den 
Besitz unserer Sammlung sind inzwischen drei Haustüren 
übergegangen, die alle schon im Holzstall lagen. Von 
diesen bilden wir die besterhaltene ab (Abb. 43). Im 
Gegensatz zu den Treppen Werners und des Schreiners 
der Schränke stattet der Warzenbacher Handwerksmeister 
in den meisten Fallen nur die Wangen der Treppen mit 
der Kellertüre mit Schnitzwerk und großenteils auch mit 
Intarsien, die in die Spiegel der gekröpften Felder ein 
gelassen sind, aus und behandelt die Geländer vielfach 
ganz einfach (Abb. 44, 45 und 46). Diese Treppen sind 
aber heute fast alle verstümmelt, wovon uns Abb. 47 eine 
Vorstellung gibt. Die schönste und größte der Treppen 
anlagen ist an der Wange mit Schnitzerei bedeckt, wäh 
rend das in Felder geteilte, undurchbrochene Geländer 
bemalt wurde — die Malerei allerdings heute fast ganz 
geschwunden. Die Schnitzereimuster unseres Meisters 
sind besonders steif, meist ein Rundstab als Ranke, von 
der Blätter und Blüten nach beiden Seiten abzweigen, 
Abb. 43 Haustüre aus Warzenbach. Museum der Universität 
156 
Z) Zwei zugehörige Türen auch in Niederasphe.
	        
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