Full text: Hessenland (49.1938)

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Abb. 40 Haustüre aus Amönau, 1791. Museum der Universität 
gegenüber früher von uns Gesagtem eine wesentliche Er 
weiterung erfahren. Man sieht auch, wie vielfältig die Auf 
träge waren, die an diese Meister herantraten und wie diese 
nicht nur den Bedarf des heimatlichen Dorfes zu be 
friedigen hatten, sondern auch den der Dörfer des ganzen 
Umkreises. Die alte Vorstellung, daß die Bauern ihren 
Hausrat selbst gefertigt hätten, trifft hier so wenig zu, 
wie auch etwa bei den Stickereien, die ja auch von be 
rufsmäßigen Stickerinnen ausgeführt wurden. 
Indessen gibt es auch Ausnahmen, für die eine von 
dem Museum 1934 erworbene Truhe Zeugnis ablegt. 
Die Anschrift auf dieser macht das Ungewöhnliche solcher 
Gelbstanfertigung deutlich (Abb. 42): „Diese Lad hat 
Johann Blat gemacht mit Bedacht ohne Lehr und 
Meisder und in einen Standt gebracht das ein jeder 
driwer lacht, Dam den 14. Mertz Ano 1771". (Damm, 
Kreis Marburg, nahe Gladenbach). Die Truhe wurde 
aus dem Besitze der Nachkommen jenes geschickten 
Bauern und Schreiners-aus-Liebhaberei in Damm er- 
worben. Es ist ein stattliches und feines Handwerksstück 
und gewiß wird niemand über die Leistung, wie der allzu 
bescheidene Iohan Blat selbst meint, lachen — trotzdem 
glaubt man der Truhe doch eine Umständlichkeit in der 
Gliederung und mangelnde Gewandheit in der handwerk 
lichen Durchführung anzusehen. Die innere Genugtuung 
über sein Werk und die Gesinnung, aus der heraus die 
ses gefertigt wurde, spiegelt die andere Inschrift oben: 
„Las unser Merck gerathen wohl was ein ieder aus 
richten sol das unser Arbeit Mih und Fleis gereich zu 
deinem Lob" (und Preis). 
Der Meister von Warzenbach. 
Es ist nun erstaunlich, daß ungefähr zur gleichen Zeit 
des Nikolaus Werner und des Meisters der Schränke 
noch ein dritter Tischler in der gleichen kleinen Land 
schaft lebte und sich entwickeln konnte. Es ist ein Schrei 
ner, von dem sich Arbeiten noch in so großer Zahl in 
Warzenbach finden, daß wir ihn dort mit einiger Sicher 
heit als ansässig annehmen dürfen. Es muß eine aus 
gesprochene Blüte bäuerlicher Kultur um 1800 und in 
Abb. 41 Haustüre aus Amönau. Museum der Universität
	        
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