Full text: Hessenland (49.1938)

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die im Innern sich entwickelnden Dämpfe gebildet wird- 
hier ist noch rohes Holz. Nach den kleinsten Abstufungen 
der Nauchfarbe und nach dem Zustand der mehr oder 
weniger eingesunkenen Kuppel trifft Schweinsberg seine 
Maßnahmen. Der Haufen darf keine Luft bekommen, 
andererseits aber auch nicht erlöschen, oder ungleich 
mäßig brennen. Wie es ihin langjährige Erfahrung, sein 
Gefühl eingibt, öffnet er hier ein Loch und verschließt 
dort in der Erddecke andere. Er muß hierbei mit größter 
Vorsicht zu Werke gehen. Verstopft er sie, bevor alle 
Dämpfe entwichen sind, so sammeln sich diese an, und 
suchen gewaltsam einen Ausweg. Mit einem Knall bricht 
der Meiler eines Köhlers wieder plötzlich alles Laub und 
Erde „abgeworfen". Drei Köhler mußten mit Blitzes 
schnelle und ganzer Kraft hart arbeiten, bis sie den Mei 
ler wieder „zur Ruhe" hatten. 
Zeigt sich die glühende Kohle unten am „Fuß", etwa 
nach 12 bis 14 Tagen, ist der Haufen „gar" und muß 
einen Tag „stehen". Am nächsten Tag „kühlt" der Köh 
ler den Haufen ab", er „Zieht das Fell runter", bis auf 
die Kohle, und wirft es schnell wieder auf. „Das Kühlen 
darf nur mit dem Kohlengestübe geschehen, nicht mit 
Wasser, denn dann wird die Holzkohle minderwertig", 
sagt Schweinsberg. Das „Kühlen" geschieht danach 
Anzünden des 
fertigen Meilers 
der Dampf durch und wirft wohl, wenn die Ansamm 
lung bedeutend genug war, den Haufen auseinander. 
Bei sehr nassen Zeiten kann der Kohlhaufen auch „blind 
heruntergehen", er braucht keine Zuglöcher, desgleichen, 
wenn der Hausen „gleichmäßig scharf geht", was aber 
seltener vorkommt. 
Köhlert der Haufen immer mehr nach unten, so köh- 
lern Zugleich die oberen Zuglöcher wieder zu. Steigt 
danach der Köhler, etwa nach acht Tagen, auf die Ober 
fläche des Haufens, um mit der Schürstange zu kontrol 
lieren, so droht höchste Gefahr, denn nur eine dünne 
Erddecke von etwa 7 Zentimeter Stärke trennt ihn von 
einem glühenden Feuerherd von ca. 75 Grad C. Alte 
Köhler wissen abends am flackernden Feuer geheimnis 
volle Geschichten von gefährlichen Meilererplosionen zu 
erzählen, aus denen sie sich gerade noch retten konnten, 
und von einsamen Köhlern, die eines Tages nicht mehr 
aus dem Walde zurückkehrten. Noch im Jahre 1936 hat 
„feldweise". Der Köhler teilt den Kohlhaufen in acht 
Felder ein, kühlt ein Feld ab und wirft es wieder zu, 
bis er feststellt, die Kohle kann „gesackt" werden. Bei 
gutem Holz bleibt das Scheit nach der Verkohlung ebenso 
lang wie vordem. Schon während dem „Kühlen" sieht 
der Köhler, ob das Holz in Reihen stehen geblieben ist, 
wie er es aufgestellt hat. Das ist für ihn eine große 
Freude, sein Werk ist gut gelungen. An diesem Tage 
gibt es wieder das „Köhlersrühstück", und zwar während 
dem Einsacken, an dem auch die Frau des Köhlers teil 
nimmt. Die beste Kohle liefern die äußeren Lagen, die 
schlechtesten die um die mittelsten Pfähle lagernden Höl 
zer. Gute Holzkohle ist schwarz und bläulich glänzend, 
porös und klingt beim Aufschlagen. Das im Herbst ge 
hauene und im Frühjahr verarbeitete Holz liefert die 
beste Kohle. Die Ausbeute ist verschieden, sie kann 45 
bis 70 Prozent betragen. Aus 18 Raummeter Buchen 
holz werden etwa 45 bis 50 Zentner Kohle gewonnen,
	        
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