Full text: Hessenland (49.1938)

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außerhalb nach Hessen kamen, ist besonders Paul Baum 
zu nennen, über dessen Leben und Werk nunmehr ein 
umfassender Bericht vorliegt. Carl Hitzeroth, ein Freund 
des verstorbenen Künstlers, war der gegebene Schrift 
steller, um die Kunst und das Leben von Paul Baum 
sachlich und in klarer, gründlicher Form zu würdigen. 
Damit ist nicht nur der hessischen Kunstgeschichte ein 
großes Verdienst geschaffen worden, auch die Bewertung 
der deutschen Kunst hat damit einen wichtigen Anhalts 
punkt erhalten. Paul Baum als gebürtiger Sachse, Hut 
sich eigentlich nirgends recht beheimatet gefühlt, sein We- 
Italien zu kommen, was ihm 1924 auch gelingen sollte. 
Seinen Wohnsitz behielt er in Marburg und kehrte 
zur Erholung in den nächsten Fahren öfter dorthin zurück, 
so 1927, als ihn die Marburger Universität zum Ehren 
doktor ernannte, zum letzten Male im Winter 1930/31, 
was sein letzter Aufenthalt in Deutschland sein sollte. 
Er starb im Mai 1932 in San Gimignano. 
Carl Hitzeroth hat diesen Lebensweg mit Sorgfalt 
beschrieben und dabei ein Bild der k ü n st l e r i s ch e n 
Entwicklung gegeben. Innerhalb der künstlerischen 
Entwicklung von Paul Baum bildet die hessische 
Landschaft im Juni, Momberg bei Neustadt. Aquarell 
sen, das stets nach seiner künstlerischen Vollendung strebte, 
ließ ihm nie recht Zeit, sich an eine Stätte fester zu 
binden. Von seinen verschiedenen Aufenthalten in Bel 
gien oder Holland, in Italien, Böhmen oder Berlin, ist 
aber die Zeit seiner hessischen Wirksamkeit für sein Schaf 
fen ein wichtiger Abschnitt geworden. Sein Freund Carl 
Vantzer hatte ihn 1915 nach Willingshausen geholt. Im 
nächsten Jahre bleibt Paul Baum auch schon während 
des Winters in Willingshausen. 1917 siedelt er nach 
Neustadt über, und als im folgenden Jahre Bantzer 
Direktor der Kasseler Kunstakademie wurde, begleitete 
ihn auch Paul Baum dorthin als ordentlicher Lehrer. 
Die damaligen Schwierigkeiten des Akademielebens, die 
durch die verschiedenen Anschauungen der künstlerischen 
Einstellungen wesentlich bedingt waren, ließen ihn frei 
lich bald diesen Posten wieder aufgeben. Im Oktober 
1921 verließ er Kassel. Er zog nach Marburg, wo er 
Freunde hatte. Hier entstehen drei Aquarelle. Jeweilig 
im Sommer der beiden folgenden Jahre ging er nach 
Kirchberg a. d. Jagst, um dort zu malen. Jedoch bald 
nach der Inflation schmiedete er Pläne, um wieder nach 
Zeit einen entscheidenden Wendepunkt. Es 
ist für die hessische Kunstgeschichte nicht ohne Belang, 
daß diese neue Orientierung des Schaffens von Paul 
Baum sich wesentlich im Hessischen vollzieht. Betrachtet 
man die Werke, die vor 1915, vor der hessischen Zeit 
entstanden sind, so ist nirgends jene spätere Sicherheit 
und Zuverlässige Beherrschung des Gesamteindruckes zu 
finden. Noch kämpft er im einzelnen um den Farbwert 
und prüft in peinlichster Gewissenhaftigkeit die verschie 
denen Möglichkeiten einer sachlichen Landschaftsdeutung. 
Der Kampf um das Technische beherrscht noch einen 
Teil seines Schaffens und seine künstlerische Verantwor 
tung, die mit unerbittlicher Strenge jede Form und 
jeden Farbwert zur äußersten Klarheit treibt, gestattet 
ihm kein bloßes Nachahmen einer abgesehenen Technik. 
Eine künstlerische Mode als modische Erscheinung ver 
pflichtend für die eigene Kunst zu achten, war ihm eine 
innere Unmöglichkeit. 
Oer Umschwung in seinem Schaffen setzte mit seinen 
Aquarellen ein, die zum größeren Teil in der 
hessischen Landschaft entstanden sind. Durch
	        

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