Full text: Hessenland (48.1937)

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gehend im Besitz von Gießen, sodaß hier im Südwesten ein neuer gefährlicher Kriegs 
schauplatz zu entstehen drohte- die Gefahr schwand durch den Tod des Erzbischofs 
Matthias. Der überlegenen Finanzkrast Hessens ist es vor allem zuzuschreiben, daß die 
Grafen von Solms, auch nach Aussöhnung der einzelnen Linien, die Entfremdung von 
Königsberg einschließlich des zugehörigen Amtes, der alten Zenten Altenkirchen und 
Blasbach, nicht aufhalten konnten. Seit 1350 bzw. 1357 und 1358 ist Hessen auf dem 
Wege der Pfandschaft im Besitz von Königsberg. Das Amt wird gemeinsamer Besitz 
von Hessen und Solms. Dieser Samtbesitz wird schließlich 1629 zu gleichen Teilen 
ausgeteilt. 
Kurz nach 1350 schaffte sich der Landgraf in der Fehde mit Nassau-Dillenburg, 
in der die Solmser die Grafen von Nassau und die Reichsstadt Wetzlar den Land 
grafen unterstützten, einen neuen Stützpunkt im Solmser Gebiet durch die Erbauung des 
Hermannstcines 1376. Trotz der gegnerischen Einwirkungen wird schon 1379 die An 
erkennung der neuen Burg durch die Grasen von Solms durchgesetzt. Damit kommt auch 
die Territorienbildung in dieser Gegend zum Abschluß. 
Das Endergebnis ist die Loslösung eines Teiles der Altenkirchener Zent und der 
Zent Blasbach (Waldgirmes, Naunheim) aus seinem natürlichen Zusammenhang und 
eine Grenzziehung, die heute kaum mehr verstanden wird. Konnte sonst in allen Teilen 
unseres Kreises weitgehendste Beharrung alter und natürlicher Landschastszusammen- 
hänge beobachtet werden, so wurde die Lage dieses Striches an einer wichtigen Straßen 
kreuzung die Ursache des Zusammenstoßes aller beteiligten Nachbarn — Solms, Nassau, 
Hessen, Reichsstadt Wetzlar — und einer territorialen Aufsplitterung, wie wir sie im 
Großen etwa in der Wetterau oder auch im östlichen Lahngau beobachten können. 
Neuzeitliches Z u s a m m e n w a ch s e n. 
(Karte 4). 
So wäre der Ueberblick über die territoriale Entwicklung unseres Gebietes zu Ende 
geführt. Innerhalb von zwei Jahrhunderten ist den Landgrafen die Durchsetzung ihrer 
Hoheitsansprüche in allen Teilen im Wesentlichen gelungen. Aber hiermit ist aus den 
Teilstücken noch kein einheitliches politisches Ganzes geworden. 
Anfänge einer landschaftlichen Zusammenfassung in Hessen werden deutlich in der 
Unterscheidung des Landes diesseits und jenseits des Spießes, dann in der Landesteilung 
von 1458, in der neben Niederhessen Oberhessen oder das Land an der Lahn steht- es 
umfaßte unser ganzes Gebiet. Ebenso bleibt der Westen im Oberfürstentum bei der Tei 
lung unter die Söhne Philipps des Großmütigen 1567 beieinander. Erwähnen wollen 
wir aber ein Städtebuch aus dieser Zeit""), das Hessen auf elf Stromgebiete aufteilt. 
Hier erscheinen im Oberfürstentum unter dem Land an der Eder die Aemter Franken 
berg, Battenberg, Hatzfeld und Wetter, unter dem Land an der Lahn Marburg, Bieden 
kopf, Königsberg. Die Trennung von Nord und Süd und die Zusammenfassung von Osten 
nach Westen treten hier also nochmals hervor. 
Entscheidend wurde dann die Teilung Zwischen Kassel und Darmstadt nach dem 
Marburger Erbfolgestreit beim Aussterben der oberhessischen Linie mit dem Land 
grafen Ludwig ™). Die ersten Anschläge von 1604 und 1605 ziehen noch eine Ost-West 
grenze, indem erst die Aemter Königsberg und Blankenstein mit der Gießener Hälfte an 
Darmstadt, die nördlichen Aemter mit Marburg an Kassel fallen, dann auch die beiden 
südlichen Aemter dem Norden zugewiesen werden sollten. Aber 1613 erscheint mit dem 
Teilungsverhültnis 3:1 zugunsten von Darmstadt der neue Schlüssel, nach dem im Ver 
trag von 1627 und im Westfälischen Frieden der Bruderstreit beigelegt wurde. Das Jahr 69 
69) Rommel, Geschichte von Hessen, V S. 622 und VI S. 5, Anm. 4. 70) Rom 
mel VI (3. 133 und 242 ff.
	        

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