Full text: Hessenland (48.1937)

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navi . . . quiequid proprietatis tune habere visus sum in prefata villa Breidenbach et in 
alia que dioitur Gladebach cum mancipiis ntriu-que sexus XLII . , 
In dieser Erwähnung des Jahres 913 haben wir die vermutlich älteste Nennung 
von Gladenbach zu sehen. Zwar will die bisherige Forschung in dem in der Urkunde 
genannten Ort das Dorf Kleingladenbach erkennen, weil es näher bei Breidenbach liege. 
Ein wirklich schlüssiger Beweis besteht nicht. Viel eher ist an Gladenbach als den be 
deutenderen Ort Zu denken. Für diesen spricht Zumindest die größere Wahrscheinlichkeit. 
Einmal bringt die Urkunde die beiden Orte in keine unmittelbare Verbindung, setzt sie 
vielmehr deutlich durch die Worte ,et in alia (sc. villa)’ von einander ab. Die Kon 
tinuität des Besitzes unterstützt unbedingt unsere Annahme. Erbe der Weilburger Rechte 
sind die Grafen von Nassau, von ihnen gehen sie über an die Eppsteiner, die wir tat 
sächlich am Ende des 12. Jahrhunderts in Gladenbach begütert finden. 
Da wir mit großer Wahrscheinlichkeit Gladenbach mit der 913 genannten Siedlung 
gleichsetzen dürfen, wird Zugleich anderes deutlich. Classen 13 ) weist darauf hin, daß die 
Kirche des Ortes dem Heiligen Martin geweiht ist. Dieser aber sei als Nationalheiliger 
der Franken in Oberhessen meist Patron der alten Tauskirchen, die durchweg in der 
Zeit der ersten Christianisierung entstanden sein werden. Zu ihnen ist mit Sicherheit die 
Gladcnbacher Kirche Zu rechnen, so daß ein Bestehen des Ortes selber in der frühesten 
Zeit der christlichen Mission denkbar und damit eine Nennung im Jahre 913 nicht auf 
fallend ist. Nun hat die Forschung des letzten Jahrzehnts in Hessen") ergeben, daß 
die geistliche Organisation meist im Anschluß und in Abhängigkeit von der bereits vor 
handenen des Staats erfolgt ist. Die unteren kirchlichen Sprengel der Taufkirchen sind 
in der Regel den weltlichen Hundertschaften der Frühzeit nachgebildet. Die für Gladen 
bach anzusetzende Taufkirche macht infolgedessen eine solche wahrscheinlich. Sie aber 
war bereits auf Grund der Angaben der Urkunde über die Grafschaft Nuchesloh von 
1237 erschlossen worden. 
Auf diese Weise wird deutlich, wie die frühe Nennung Zu Anfang des 10. Jahr 
hunderts, die Stellung als Mittelpunkt eines weltlichen und eines kirchlichen Bezirkes 
einander bestätigen und ergänzen. Durch ihr Zusammenkommen beweisen sie die alte und 
hohe Bedeutung des Platzes Gladenbach, die bereits A. v. Hofmann 15 ) auf Grund der 
Lage erkannt hatte. 
13) Classen 40 ff. und H. Werrich, Patrozinienl'unde und bessische Geschichtsforschung 
Hessenland 48 (1937) 240. 
14) Vgl. hierzu die einzelnen Schriften des Marburger landesgeschichtlichen Institutes. 
15) A. v. Hofmann, Das deutsche Land und die deutsche Geschichte 1! (1930) 300 f. 
Der Ivolsstein 
(Aus einem in Vorbereitung befindlichen Buche: „Die Geschichte der Stadt Gemünden 
a. d. Wohra.") 
Von Else W i s s e n b ach 
Aus der Zeit des 30jührigen Krieges und den nachfolgenden Jahrzehnten sind uns 
allgemein geschichtliche Nachrichten überkommen, die von einer Verwilderung der Feld 
flur Zeugnis ablegen. Durch die oft infolge der Kriegsläufte brachliegende Ackerbe 
stellung, durch immer neue Verwüstung der Felder und unterbliebenes Jagen nahmen 
Zahl und Zudringlichkeit der Wölfe überhand. Gegen diese Wolfsplage wurden behörd 
licherseits überall Streifen und Jagden angeordnet, an denen sich zu beteiligen zu den 
bürgerlichen Pflichten gehörte. So findet sich in einer Beschwerdeschrift des Rentmeisters 
Conrad Lindenborn von Nosenthal eine Auslassung über einen Vorsteher nebst anderen 
Aufwieglern, „die diesen Winter zur Wolfsjagd befohlen und nicht gefolget sind" x ). 
1) K. A des Staatsarchiv Marburg.
	        

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