Full text: Hessenland (48.1937)

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Vas Heimatmuseum zu Bad Zooden-ñllendorf 
Von Dr. Werner Nahmelow 
Eine von Bürgermeister Dr. Voeckh im Jahre 1913 mehr aus gut Glück als nach 
deutlichen Prinzipien begonnene Sammlung von Altertümern in der damaligen noch 
selbständigen Gemeinde Sooden vereinigte in einem Raum des Ehemaligen Salzamtes 
eine Unmasse verschiedenartigen Materials. Diese Sammlung, die immerhin einen guten 
Grundstock barg, geriet nach dem Kriege in immer größere Verwahrlosung. Als der 
jetzige Bürgermeister Schneider sein Amt antrat, konnte von einem Museum, geschweige 
von dessen Zugänglichmachung nicht mehr die Rede sein. 
Die geschichtlich überkommenen Werte und gegenständlichen Zeugen einer — überdies 
reichen und lehrreich-interessanten — Vergangenheit sind bei wirklich sinnvoller Dar 
stellung die kräftigsten Stützen des erwachenden Gemeinschaftsgefühls und des mit ihm 
wachsenden Geschichtsbewußtseins. Diese Erkenntnis bewog Bürgermeister Schneider zu 
der vor kurzem erfolgten Neuordnung des Bestandes und dessen Neuaufstellung. Eine 
wichtige Frage war vorerst die nach der Berechtigung der Neugründung eines Heimat 
museums. Der Herr Neichskultusminister hat einem allzu üppigen Emporwachsen von 
kleinen Museen strenge Grenzen gesetzt. Grundsätzlich sollen nur Kreisstädte die Pflege 
der heimatgebundenen Kulturgüter in eigenen Museen übernehmen. Ortsmuseen sind nur 
dann gestattet, wenn „ein Ort auf eine besonders reiche Vergangenheit zurückblickt, deren 
museale Betreuung den Nahmen des Kreismuseums sprengen würde" (Merkblatt des 
Museumsverbandes für Kurhessen und Waldeck: „Das Heimatmuseum und seine Aus 
gaben"). In Zusammenarbeit mit dem Museumsverband wurde diese Vorfrage leicht 
geklärt. Direktor Pros. Luthmer erkannte in einer Vorbesichtigung die Darstellungs 
fähigkeit des in kurios-wildem Durcheinander vorhandenen Materials und sah die Eigen 
bedeutung und das berechtigte Erfordernis eines Museums für Sooden-Allendors, die 
nämlich in der Notwendigkeit begründet liegen, die Erinnerung an die bis 1906 in 
Sooden betriebene Salzgewinnung wachzuhalten. Diese gab vom frühesten Mittelalter 
an dem Zustand und der Entwicklung der Stadt Allendorf und ihrer Umgebung das 
Gepräge und war zudem für die politische und Wirtschaftsgeschichte Hessens von über 
ragender Bedeutung. Die Vielfalt des in diesem Zusammenhang Darstellbaren zeigt sich 
in den Ausbeutungsmöglichkeiten nach orts- und landesgeschichtlichen, betriebswirtschaft 
lichen, technischen, volkskundlichen Gesichtspunkten. Auch die Bedingung eines geeigneten 
Hinterlandes ist für das Allendorfer Museum gegeben, und zwar sogar im Zusammen 
hang mit dem zentralen Ausstellungsobjekt: in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts 
wurden die Kohlenschätze des Meißners eigens für die Salzgewinnung in Sooden nutzbar 
gemacht, und erst 1906 fand die Ausbeutung der Meißnerbergwerke ihr Ende. 
Auch die übrigen Sachgebiete, aus denen sich die alte Sammlung zusammensetzte, 
wurden fachmännischer Untersuchung und Sichtung unterzogen- der Herbarbestand, der 
wegen mangelnder Pflege arg verkümmert war, wurde durch Direktor Schulz vom Bota 
nischen Garten Kassel, die Sammlung zumeist heimischer Vögel von dem Kasseler 
Ornitologen Hartmann gründlich gemustert. 
Im Sommer und Herbst dieses Jahres wurde das Museum vom Verfasser mit 
Hilfe des Museumsverbandes und dank der großzügigen Initiative von Bürgermeister 
Schneider von Grund auf hergerichtet und ausgebaut. Zwei Räume wurden dem bis 
herigen dazugewonnen und sie alle in guten Zustand gebracht.
	        

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