Full text: Hessenland (47.1936)

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heit wohl bald den Forderungen neuzeitlichen Ver 
kehrs weichen x ). 
An dem Ausbau der Reichsstraßen wird augen 
blicklich im Gebiet von Fulda stark gearbeitet, 
man könnte hierin einen Grund für eine Vernach 
lässigung der nicht dem Fernverkehr dienenden 
Straßenzüge sehen. So sind hier die Spuren 
der Vergangenheit noch kaum verwischt, die 
Fuldastraße läßt noch heute erkennen, wie einst 
deutsche Kleinstaaten sich über einen planmäßigen 
Wegebau, der über den Bereich des eigenen 
Ländchens hinaus ging, nicht einigen konnten. Fe 
der Fürst baute nur, wo er selbst vom Bau Vor 
teil erhoffte; um Nachbarländer sa nicht zu be 
günstigen, vernachlässigte man planmäßig Wege 
strecken. Ein Straßenbau zur Grenze, um dort 
Anschluß an Landstraßen des Nachbarlandes her 
zustellen, war, wenn nicht in langwierigen diplo 
matischen Verhandlungen Gegenleistungen er 
reicht wurden, oft einfach ausgeschlossen. Go durfte 
in kurhessischer Zeit die Fuldatalstraße nicht aus 
gebaut werden, damit kein Durchgangsverkehr 
durch Oberhessen die kurhessische Hannetalstraße 
umgehen konnte. Oberhessen baute die über Schlitz 
i) Die beste Lösung würde allerdings eine Umlegung der 
Reichsftraße über Ziegel, wobei sie sich wieder dem früheren 
Verlauf nähern würde, bringen. 
Die Wüstung Dssenhausen. 
Die nachfolgenden Ausführungen rechtfertigen 
sich aus drei Gründen, i. ist die TJüstnng Offcn- 
haufen fast vollkommen unbekannt gewesen. Rei 
mer *) erwähnt lediglich zwei Urkunden aus den 
Fahren 1324 und 1592 und nennt eine „kleine 
kreisförmige Umwallung in der Gemarkung Lohra 
im Salzbödetal nahe der hessischen Grenze". 
2. Dazu gibt die Lage in der Talsohle der Salz 
böde sowie die genannte kreisförmige Umwallnng 
ein besonderes Problem. 3. Offenhausen ist ein 
Musterbeispiel dafür, daß man wegen des Nicht 
vorhandenseins von baulichen Überresten die Exi 
stenz einer Siedlungsanlage nicht bezweifeln darf. 
Fm nördlichen Teil der Gemarkung Lohra, im 
Tale der Salzböde, unweit der Mappesmühle, 
tritt in dem tiefgelegenen Wiesengelände die Flur- 
bezeichnung „Fm Offenhausen" auf. Dabei fin 
det sich auch die Flurbezeichnung „Die Burg" 2 3 ). 
1) Reimer, D. L. S. 360: „1324 mainzischer Hof in 
klffinHusen", StA. Würzburg, Amöneburger Kellerei- 
abrechnungen; der Zehnte zu O. stand 1592 (Lohraer 
Saalbuch) Hang Reinh. Riedesel zu Kirchoers zu. 
2) Kataster Lohra aus dem Jahre 1803; Flurnamen 
sammlung. Inst. f. geschichtl. Landeskunde von Hesien- 
führende Fuldatalstraße als Ehaustee aus, das 
kurhessische, heute preußische Straßenstück von der 
Grenze über Lüdermünd nach Fulda ist heute 
noch so eng, daß Tafeln auf die schmale Fahr 
bahn besonders hinweisen müssen. Selbstverständ 
lich fehlt auch hier nicht das Schild „Vorsicht, 
schlechte Wegstrecke.'", und wenn auch der statt 
liche Grenzpfahl verschwunden ist und nur ein 
niedriger Pfosten die Grenze anzeigt: Fm Zu 
stand der Straße ist sie leicht zu erkennen. Daß 
die Straße nicht ohne Bedeutung ist, zeigt dabei 
eine der ältesten Kraftposten des Rhönvorlandes, 
die täglich mehrmals Fulda und Schlitz verbindet. 
Nur kleine Ausschnitte über die Abhängigkeit 
der Wegeführung von Boden und Geschichte soll 
diese Darstellung bringen, wer die Verhältnisse in 
der Fuldaer Landschaft näher kennen lernen will, 
der findet weiteres über früh- uni) vorgeschichtliche 
Wege in Vonderau: Denkmäler aus vor- und 
frühgeschichtlicher Zeit im Fuldaer Lande, — Fulda 
1931, über den Kunststraßenbau in Wollheim, 
S: Staatsstraßen und Verkehrspolitik in Kur- 
Hessen von 1613 bis 1840. — Marburg 1931 
und über den Boden in Sobotha, E: Geologische 
Wanderungen um Fulda. — Fulda 1933. Hier 
wird er auf weiteres Schrifttum stoßen, vieles 
aber fehlt noch und harrt der Bearbeitung. 
Von Dr. des. Werner Stab. 
Von der kreisförmigen Umwallung, die noch 
Reimer erwähnt und die auch noch auf dem Meß 
tischblatt Lohra eingezeichnet ist, ist heute nichts 
mehr im Gelände zu sehen. Diese Erdaufschüt 
tung, die ungefähr 13 Meter im Durchmesser 
betrug, ist vor einigen Fahren von Herrn Paul, 
dem Besitzer der Mappesmühle, abgetragen wor 
den. Er hak damit die Wasserlöcher aufgefüllt, 
die um diese Aufschüttung herum lagen. Ein Teil 
des Materials wurde als Böschung am Ufer der 
Salzböde aufgeschüttet. Fch konnte mich an Ort 
und Stelle überzeugen, daß es sich bei dem Ma 
terial um Boden und größere Flußgerölle aus der 
Salzböde handelte. Fm LVinter 1932/33 war 
es noch möglich, aus der Grasnarbe und leichten 
Unebenheiten im Gelände die ehemalige Auf 
schüttung zu lokalisieren 4 * ). 
Nassau. Erkundigungen bei dem derzeitigen Grundstücks 
besitzer Herrn Müller, Paul (Mappesmüller) zeigten, 
daß die Bezeichnungen noch im Gebrauch sind. 
3) Nach Aussagen von Herrn Paul sind Mauerwerk 
oder Spuren von Mörtel, die auf einen Mauerverband 
hinweisen könnten, nicht gefunden worden. 
4 ) Das Gelände wurde mit dem Besitzer genau ab 
gegangen.
	        

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