Full text: Hessenland (47.1936)

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den, bis so lang ein Darmstädtischer Kapitän, von 
Schönaich gent., mit 60 Musketieren, so vorhin 
ufm Fl. Haus Nckerlau gelegen, und commandiert, 
den .... ejnsdem dahin verlegt worden. Sonn 
tags den 28. vorbenannten Nckonatö Juny sind 
die Kays, und Chu.-Bayrische vom vorigen Lager 
fort- und jene auf den zunächst belegenen Hohen 
berg und Schweinsberg, die Chur-Bayrischen aber 
mit ihrem Lager näher an und um die Stadt 
heranfwärts über das Ackerfeld, die Benne ge 
nannt und also allerseits mit der Front gegen dem 
Wasser der Ohm gerückt, beiderseits aber die Ge 
neralspersonen innerhalb der Stadt einquartiert 
worden. Ob dann etliche hundert Stück, sowohl 
einheimisch, als hineingeflohenes Rind-, Schaf- 
und Schweinevieh von der Generale Bedienten und 
anderen gemeinen Soldaten, so haufenweis über die 
INaner hineingefallen, entwandt und verrücket, 
auch sonsten dem armen Mann die beste Fahrniß 
und Gerät auö den Häusern dahin genommen, sa 
das F. G. Hans selbsten zu visitieren und die 
Früchten über Willen hinunter zu tragen, auch 
sonsten eins und anders im Hof niederzureißen nicht 
verschonet worden. Inmittelst aber und neben dem 
vorigen (welches das allerschädlichste) die meisten 
und dieseits der Ohm gelegenen Dorfschaften fast 
durchgehends demoliert, die Häuser teils einge 
äschert, teils niedergerissen und das Gehölz ins La 
ger geführt, also daß selbige in geraumen Jahren 
teils aber gar bei Ilsenschgedenken, nicht wiederum 
bewohnet werden mögen, alle Winter- und Som 
merfrüchte zu Feld samt dem Gartengewächs ganz 
rein, also daß man weder in Stadt noch Amt 
einige Gebund Früchte einzuernten, noch der arme 
Hausmann sich einigen Gemüses zu getrösten hat, 
ufgangen, verweget und abgeätzt. Welches dann 
vom 24. Juni bis 6. Juli und also an die 12 Tage, 
da selbige ungebrochen, gewähret und diesem nach 
Stadt und Amt in gänzlichen Ruin und unwieder 
bringlichen Abgang geletzt worden, auch so gar, 
daß der meisteteil vom Amt auch schon etliche von 
der Bürgerschaft mit Weib und Kindern das 
exilium zu begehen genötigt werden, auch aus vor 
Augen schwebenden Umständen und deren noch 
übrigen Notleidenden selbsten Wehklagen zu be 
fahren, daß deren der meiste Teil wenigers nicht 
hernach gehen und das Elend bauen müssen. 
Ob man nun wohl durch Gott verhoffet, das 
arme und also vielmal unterdrückte und bis aufs 
äußerts niedergesetzte Städtlein vor fernerem Un 
gemach und Betrübnis onbeängstigt bleiben sollte, 
so hat jedoch, nachdem berührte Kays, vorberührten 
6. Juli aufgebrochen, der Schwedische General 
und Reichszeugmeister Wrangel also bald selbigen 
Abends einen Trompeter zur Stadtpforten ge- 
schicket und den Herrn Hessen-Darmstädtischen 
Hauptmann Schönaichen (zu welchem selbiger 
Nachts vorhero noch ein darmstädtischer Haupt- 
mann dey genant, mit .... Mannen ge 
stoßen und auf das Adeliche Hans Schweinsberg 
verlegt werven sollen, aber wegen im Weg stehen 
der Gegenpartien nicht sicher dahin passieren kön 
nen) nffordern lassen, dem aber erstberührter Ka 
pitän zur Antwort geben, daß I. Fl. Gn. Hr. 
Landgraf Georg zu Hessen mit der Krön Schwe 
den in Ungutem nichts zu tun hätten, sondern 
jederzeit neutral gewesen, vermeinte auch nochmals, 
der Herr Reichsfeldzeugmeister würde dabei ferner 
halten und daß er solchen Platz also liederlich uf- 
geben sollte, dessen hätte er keine ordre, würde er 
aber wider Zuversicht deswegen angefochten, so 
wollte und müßte er tun, was einem Soldaten zu 
stande. 
Es hat aber berührter Reichszeugmeister hieran 
nicht erruhen wollen, sondern den 7. ejnsdem, als 
er mit etlichen Schwadronen unfern von und zwi 
schen der Stadt Homberg und dem Dorf Maul 
bach vorüberpasstert, zweitenmals einen Trompeter 
dahin abgeschicket, nebst deren Betrohung, sofern 
er das Hans nicht in Güte ufgeben würde, er an 
deren Tags mit Geschütz kommen und sich dessen 
mit Gewalt bemächtigen wollte. Dem der Kom 
mandant wiederum beantwortet, solches verstände 
der Hr. Reichszeugmeister bester und wüßte er Kom 
mandant wohl, Saß selbiger S. H. nie keinem 
Hundsfott hold gewesen, sollte er nun dergleichen 
Uebergab also liederlich einwilligen, würde er ihn 
gewißlich anderst nicht dafür halten, versehe aber 
nicht, daß er die Neutralität hierinnen brechen 
werde. 
Den gten ejnsdem lässet Er gegen Abend dritte 
mal einen Trompeter vor die Pforten gehen und 
vor ihn und seine unterhabende uf eine Nacht 
Omartier zu machen, anhalten, welches aber ein 
mal wie vorhin verweigert, find inmittelst gc»c> 
Pferd und 1000 zu Fuß, worunter sich auch etliche 
Schwedische miteingemengt, beneben 10 Geschützen 
und 4 Feuermörsern unter des Niederhesstschen 
Generalwachtmeisters Geysens und Obristen Grot- 
tens Kommando allbereits unfern der Stadt ange 
rückt gewesen, welche sich anfänglich diesseits des 
Dorfes Oberofleiden an die Ohm in eine Wiesen, 
also daß man selbige vom F. G. Hans Homberg 
übersehen können, auch endlich gegen Abend in die 
Nacht darmit fort und bis in die Stadt, nnan- 
gesehen der Kommandant vom Schloßturm mit 
Doppelhaken und von der Mauer mit Musqueten 
vielfältig unter ste Feuer geben lasten, fortgerückt
	        

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