Full text: Hessenland (47.1936)

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Schriftstück ist weder mit Datum noch mit Unter 
schrift versehen, doch ist mit größter Bestimmtheit 
anzunehmen, daß es von dem damaligen Amtsver 
walter in Homberg, von Gilß (von Gilsa), un 
mittelbar unter dem Eindruck der Ereignisse ver 
faßt ist. Das sehr interessante und nicht nur für 
die Lokalgeschichte wichtige Aktenstück hat folgen 
den Wortlaut: 
„Nachrichtliche Beschreibung 
deren vom Monat Junio bis in Monat Julium 
itzigen i646ten Jahres um und in der Stadt und 
Amt Homberg an der Ohm geschlagenen Kais, 
und Kurbayrischen, auch Schwedischen Feldlager 
und was hierzwischen vorgegangen. 
Sonnabend den iZ> Juni seind die Schwedische, 
Königsmarckische und Niederhesfische conjungirte 
Armeen ganz onversehens von Stauffenberg und 
deren benachbarten Orten hero hierwarts der 
Amöneburg onfern von der Häusermühle gegen 
dem Adlichen festen Haus Schweinsberg angerückt 
und jene beide nicht weit von dannen im Wiesen 
grund, die Niederhesfische aber ihr Lager jenseits 
zwischen berührten Amöneburg und Kirchhain auf 
geschlagen, haben bald darauf und anderen Tags 
die Amöneburgsche Besatzung auffordern lassen 
und, nachdem sie sich der Üebergab geweigert, mit 
Geschützen zu fünf Ecken, als von dem zunächst 
beiliegenden Berg, der Windenburg (— Wenigen- 
burg), gegen Kirchhain, der Brückermühle und an 
deren Orten also hinein gespielet, daß der Kom 
mandant zweiten Tag Hernachen, nämlich Mon 
tag den ig. ejusdem accordieret und solchen Ort bei 
geben, die Offiziere aber samt den Reutern und 
Soldaten nach Kirchhain ins Niederhesfische Haupt 
quartier folgen müssen, sodann also bald nach be- 
schehener Uebergab alle Güter und Mobilien preis 
gemacht und ausgeplündert, forters der Kirchen 
nicht verschonet, sondern die Glocken hierauf ab 
genommen und nach Kirchhain geführet, bis auf 
eine gänzlich zerschlagen, alles Gegräse von dannen 
den ganzen Ohmgrund herauf, sodann ein ziem 
liches an Gommerfrüchten bis an sie Stadt Hom 
berg abgesichlet und vermeidet, auch die Gebäude 
in der Vorstadt oaselbsten mehrenteils ruiniert und 
eingerifsen und diesem nach viel vermögende Leute 
an den Bettelstab gerichtet worden. 
Als aber inmittelst etwas Regenwetter einge 
fallen und das Lager dadurch überschwemmt, haben 
die Schwed. und Königsmarckische unter solchem 
Vorwand den . . . *) ejusdem das ihrige bis jenseits 
*) In der Urschrift nicht ausgefüllt. 
Amöneburg nach Großen- und Kleinseelheim ver 
rückt, inzwischen sich die Kays, und Chur-Bayrische 
Armada von der Wetterau herangenähert und auf 
Johannes Baptistä, welcher der 24. Tag ejusdem 
war, das Hauptquartier Ihr. Hochfl. Durchlcht. 
Erzherzog Leopold Wilhelm zu Oesterreich ins 
Dorf Appenrode (so eine Stund von Homberg an 
der Ohm gelegen und in selbiges Amt gehörig) ge 
legt. Von den Völkern aber das Lager zum rech 
ten Flügel jenseits des Swendeichs, den Chur- 
Bayrischen aber zur linken obig dem Dorf Maul 
bach diesseits des Deichs auf der Wilchesburg, 
ferner im Meyserhölzchen (so ein Eichwäldchen) 
und an der Meisenbach und langen Triesch for 
miert worden. Und alsbald selbigen Nachmittags 
der Chur-Bayrische General Hr. General von 
Geleen mit etlichen Truppen Dragonern diesseits 
der Häusermühle gegen dem schwedischen Lager 
angangen und beim Dorf Niederofleiden durch 
einen Paß gesetzt, haben ihnen etliche und zwanzig 
schwedische Schwadronen entgegen und aufeinander 
getroffen, welches auf etliche Stunden gewährt und 
beiderseits ziemliche Köpfe fitzen blieben, auch be 
rührter Hr. von Geleen in einen Arm gestreift. 
Nach dem nun dero Zeit aufm F. G. Haus 
Homberg noch etliche und dreißig Musketiere be- 
neben etlich wenig dismuntierten Reutern samt 
einem Sergeanten von Niederhesstschen, welcher 
selbige commandiert, gelegen und um deswillen 
solcher Ort von Kayserlichen mit Gewalt über 
fallen werven wollen, ist es jedoch durch eingeführte 
intercession, um Verschonung der armen Leute da 
hin gerichtet worden, daß Donnerstag den 2g. Juni 
bei eingeschrittener Nacht der Kayserliche Feld- 
marschall-Lieutenant Hr. Freiherr von Enckforth 
und der Fürstl. Hesstsch-Darmstädtische General- 
Ouartiermeister Hr. H. Hülß beneben etlichen und 
dreißig Pferden vor die Stadtpforten gerückt und 
nach Eröffnung derselben dem Niederhessischen 
Kommandanten ufm F. G. Haus andeuten lasten, 
daß wofern er den Platz alsbald begeben würde, 
ihm jetzt ein guter Accord verstattet werden sollte, 
wo nicht, würde man verursacht (wozu dann auch 
schon Anstalt gemacht und etliche Regimenter kom 
mandiert gewesen) ihn mit Gewalt herunter zu 
heben, worauf er sich dann also vernehmen lasten, 
daß noch selbigen abends auf einen freien Abzug 
mit Gewehr, Sack und Pack in Schriften akkor- 
diert worden, wie dann auch selbigen folgenden 
Freitags morgen den 26. ejusdem zu Werk gerich 
tet, jedoch diejenigen, so etwa vorhin in Kayser- 
lichen Diensten gewesen, zurückbehalten und das 
Haus noch selbigen Tags mit einem Kayserlichen 
Lieutnant, Leonhard Stadler genannt, besetzt wor
	        

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