Full text: Hessenland (46.1935)

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nung der Erfüllung meiner dreisten Wünsche inachen. 
Was ich aus den wunderbaren Zeichen der Steine 
machen soll, welche auf Ew. Hochwohlgeboren Grund 
und Boden entdeckt worden, weiß ich selbst noch nicht, da 
sie noch höchst einzeln und wunderbar da stehen. Da 
aber schon früher ein etwas ähnlicher Stein in West 
falen entdeckt ward, da neuerdings in Sibirien sie Stein 
Anschriften entdeckt haben, die Ähnlichkeiten mit den 
Ihrigen haben, so ist dies eben ein Punkt, der die eif 
rigste Vergleichung und Nachforschung erfordert. 
So wiederhole ich denn meine frühere Bitte und 
nehme mit Dank Ew. Hochwohlgeboren und des Herrn 
Bibliothekar Grimm gütiges Versprechen an, und freue 
mich sehr zum Empfange dieser Abformungen; denn 
selbst in dem Falle, daß eg sich im Lauf der Zeit ergäbe, 
daß keine Schrift auf diesen Steinen vorhanden wäre, 
sondern daß nur durch Zufälle diese Zeichen gebildet wor 
den sind, so ist eben die Vorzeigung und der Besitz sol 
cher Steine für die Breslauer-Sammlung, die zum Un 
terricht, zur Vorzeigung bei den Vorlesungen bestimmt 
ist, von Wichtigkeit, als eine Warnungstafel nicht zu 
leicht dem oft trügenden Augenscheine zu folgen, denn 
meiner Ansicht nach müssen so große Sammlungen wie 
die Breslauer geworden ist, nicht allein belehren, sondern 
auch vor Irrthümern warnen. 
Zugleich verbinde ich hiermit meinen ergebensten Dank 
für die Winke, welche Ew. Hochwohlgeboren mir über 
das Vorkommen der Grabmähler in Ihrer Gegend ga 
ben, und es wäre gewiß überaus zu wünschen, daß trotz 
der mannigfachen Mühen, die dergleichen Nachgrabun 
gen, wo Waldungen sich finden, machen, doch dieselben 
fortgesetzt würden; denn wenn auch die Urnen und dergl. 
Gefäße zertrümmert sind, so sind doch die das Grab um 
stehenden Steine, die Waffen und andere Metallgeräthe 
erhalten, die das meiste Licht ertheilen. Erlauben Sie 
mir gütigst, einen Brief an H. Bibl. W. Grimm an 
legen zu dürfen. 
Hochachtungsvoll und ergeben 
Ew. Hochwohlgeboren 
ergebener Diener Büsching 
An 
Breslau, den 17. Febr. 25. 
den Kurfürst!. Hessischen Rittmeister Herrn 
von Schwerzell 
Hochwohlgeboren 
zu 
Willingshausen 
im Kurfürstentum Hessen. 
Allgem. Unio. Angel. 
Altert. Samml. 
Von der Gränze an postfrei. 
Wulhelmme von Schwertzell sandte diesen 
Brief nebst der Einlage erst am 12. ZWärz an 
Wilhelm Grimm weiter. Sie war nicht eher 
dazu gekommen, weil ihre Mutter ziemlich schwer 
erkrankt war. In dem Begleitschreiben heißt eö: 
„Professor Büsching hat uns die angenehme 
Überraschung eines abermaligen Briefes gemacht. 
Die Einlage enthalte ich Ihnen gleichfalls seit 
12—14 Tagen vor, ohne beträchliche Gewissens 
bisse zu empfinden". Aus den letzten Worten er 
sieht man, wie wenig Bedeutung man in Wil 
lingshausen den Bemühungen Büschings, in den 
Besitz des Abgusses der Steine zu gelangen, bei 
maß. Man überließ die weitere Angelegenheit 
vertrauensvoll Wilhelm Grimm. 
Der an Wilhelm Grimm gerichtete Brief 
Professor Büschings befindet fich wie die beiden 
ersten gleichfalls im Grimmschen Nachlaß und 
lautet: 
Ew. Hochwohlgeboreu 
haben, wie mir Herr Rittm. v. Schwerzell schreibt, die 
Güte gehabt, als Ihnen mein Wunsch bekannt geworden 
ist, von der bei Willingshausen gefundenen Schrift Ru 
nen einen Abguß zu erhalten, sich so freudig zur Erfül 
lung dieses Anliegens erklärt, daß ich es für meine an 
genehme Pflicht halte, mich selbst bey Ihnen darüber 
zu bedanken und um Ausführung des gütigen VerheißeS 
zu bitten. Die Gründe, aus denen ich eine solche Arbeit 
wünsche, habe ich in dem Schreiben an Herrn von 
Schwerzell näher entwickelt und in dem ich 
mich darauf berufe, bueutze ich den Raum dieses Brie 
fes, um ein paar andere Angelegenheiten zu berühren. 
Die von Spasky bekannt gemachten Sibirischen In 
schriften sind von einer großen Wichtigkeit, wie mir 
scheint, weshalb ich auch im Kunstblatt des vorigen Jah 
res näher darauf aufmerksam zu machen gesucht habe. 
Die Ähnlichkeit mit den Schriftzügen zu Willingshausen 
ist nicht unbedeutend und wer weiß zu welchen Ergeb- 
nißen eine genaue Vergleichung führte. In diesen Ta 
gen mache ich einen Versuch, ob ich durch die Güte des 
Herrn Staatsrath Adelung zu Petersburg eine Abfor 
mung von einzelnen dieser Bimdwerke erhalten kann; 
sollte eg möglich sein, so können Sie sich versichert hal 
ten, daß ich Ihnen Abgüße davon sende. Die Erfül 
lung dieses Wunsches wird wohl in jenen Gegenden 
schwer halten, aber die genaue Bekanntschaft Adelungs 
mit Herrn Fürsten Romanzoß läßt wohl eine Hoffnung 
faßen. Natürlich kann eine solche Nachbildung nur von 
den ausgehauenen Bildwerken genommen werden. 
Sind Ihnen die Zeichen auf den bei Albano gefunde 
nen Urnen bekannt? Zeichen auf Urnen sind h ö ch st 
merkwürdig. Schon vor heinahe 2 Jahren ließ 
ich Nachbildungen der in Italien erschienenen Kupfer 
tafeln machen, die ich herausgeben wollte, aber die Nach- 
läßigkeit eines Buchhändlers hat die Erscheinung immer 
gehindert. Jetzt werde ich auf eigene Kosten das Büch 
lein in die Welt senden. Kennen Sie sie nicht, so bitte 
ich nur um eiuen Wink und ich bin mit Vergnügen be 
reit, Ihnen sogleich Probeblätter zu senden und mit 
Dank würde ich eg anerkennen, wenn Sie zu meiner 
kleinen Schrift etwa einen Anhang, Ihre Ansichten ent 
haltend, geben wollten. 
Herrn Db.-Bibl. Dölkel habe ich schon meinen 
Wunsch geäußert, daß sich die Altertumggesellschaft in 
Kassel wieder bilden mögte. Wie viel ist in Ihrer Ge 
gend noch verborgen! Mögten Sie doch dazu auch 
freundlich mitwirken. 
Mit Hochachtung und Ergebenheit empfehle ich mich 
Ihrem freundlichen Andenken und hoffe, daß setzt bei 
reiferen Jahren die erstmalige unangenehme Spannung! 
zwischen uns ganz und für immer gehoben sein wird. 
Ihr ergebener Büsching 
Breslau, d. i8. Februar 25. 
An 
den Kurfürst!. Heßischen Bibliothekar 
Herrn W. Grimm 
Kassel.
        

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