Full text: Hessenland (46.1935)

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genden .Brief vom Professor Büsching aus Bres 
lau, der einen Äbguß unserer Runensteine 
wünscht. Nun hoffen wir gar sehr, daß er nicht 
sowohl durch die Angabe Rommels, sondern durch 
Ihre Nachrichten im Anhang des Runenbnchs 
aufmerksam geworden ist. Glauben Sie, daß 
seine Erwartungen nicht getäuscht werden, wenn 
wir seinen Wunsch erfüllen? Niemand versteht 
sich hier daraus, einen Abguß in Ton von den 
Steinen zu nehmen, daher sollten wir ihm die 
Originale selbst schicken, wenn Sie uns nicht etwa 
davon abrathen . . . Der Vater wiirde sie in 
eine Kiste sorgfältig packen und sie bis zur preu 
ßischen Grenze schaffen lassen, von wo aus sie 
dann vermutlich frei gingen. Ist Heiligenstadt 
unser nächster Punkt? Auf welche Art richtet 
man den Transport bis dorthin am vorteilhafte 
sten ein? 
Ist es aber richtig, die unleserliche Steinschrift 
nicht fortzugeben, dann bitte ich Ihren Bruder 
Louis, mir aufzuschreiben, wie die Steine in Ton 
abzuformen wären. Sagen Sie guter Grimm, 
erringe ich mir statt meines schwarzsammtnen 
Hutes vielleicht den Doktorhut, wenn ich in des 
Vaters Namen dem Professor beschreibe, wie ein 
Theil unseres Waldes besäet ist mit solchen Rie 
sengräbern? Oder weiß er das schon besser durch 
Ihr Buch? 
Ich hoffe, daß Ihre Ehrfurcht bedeutend wach 
sen wird, wenn Sie den Büschingschen Brief ge 
lesen haben werden, der eö kund giebt, in welchem 
renome unsere Alterthümer im Ausland stehen. 
Ich werde jetzt geschwind auf die Bibliothek gehn, 
um die Steine wiegen zu lassen. Eö könnte sein, 
daß Sie dies zu wissen wünschten, um wegen des 
Transports bis zur Grenze eine Erkundigung ein- 
zuziehn. (Randbemerkung): Sie wiegen 47% 
Pfund. 
Ich bürde Ihnen da eine Mühe auf, Sie gu 
ter Grimm, doch weiß ich gewiß, daß Sie uns 
beistehn, die Sache zu Ende zu bringen". Der 
Brief BüschingS befindet sich im Grimmschen 
Nachlaß und lautet: 
„Hochwohlgeborener, Hochverehrter Herr Rittmeister. 
Ew. Hochwohlgeboren bitte ich, mir gütigst zu ver 
zeihen, daß ich, obgleich ich nicht die Ehre habe, Ihnen 
bekannt zu sein, mich dennoch mit einer ergebenen Bitte 
an Sie wende. 
Die vor einigen Jahren auf Ihren Gütern gefunde 
nen Steine mit auffallenden und eigentümlichen Zeichen, 
haben schon damals meine größte Aufmerksamkeit auf 
sich gezogen, da sie für die Alterthumsurkunde Deutsch 
lands von so bedeutender Wichtigkeit erscheinen. Bei der 
bedeutenden Ausdehnung, welche die durch mich hier er 
richtete Alterthumssammlung der Universität genommen, 
ist es mein dringender Wunsch, alles, was für die Alter- 
thumskunde Gcrmanien's Wichtigkeit hat, wenigstens 
in getreuen Nachbildungen hier zu versammeln und so 
wage ich es denn auch, Ew. Hochwohlgeboren meinen 
dreisten Wunsch vorzutragen. 
Je weiter solche unverständliche Alterthumsstücke vor 
bereitet werden, um so mehr Freunde der Vorzeit sie mit 
prüfendem Auge betrachten und mit ihnen vergleichen 
können, was etwa andern Gegenden Wichtiges und Ähn 
liches geben, desto eher ist zu hoffen, daß wir auf sichere 
und bestimmte Ergebnisse der Alterthumskunde kommen. 
Daher ist mein großer Wunsch, ob Ew. Hochwohlgebo 
ren wohl die Güte hätten, auf meine Kosten die gefun 
denen Steine genau und sorgfältig abformen zu laßen 
und mir diese Formen zu senden, deshalb bitte ich um 
die Formen selbst, weil ich an mehrere meiner Korre 
spondenten Abgüße zu senden wünsche, um deren nähere 
Urtheile und Ansichten darüber einzuholen. Wenn meine 
Bitte eine freundliche Erfülln' J fände, würde ich wün 
schen, daß die Formen recht sorgfältig verpackt und durch 
Frachtgelegenheit mir gesendet würden. 
Außerdem ist mir überaus viel daran gelegen, eine 
recht genaue Nachricht zu erhalten wie diese Steine ge 
funden worden sind, was noch etwa bei ihnen lag und 
ob andere Alterthümer bereits in jener Gegend entdeckt 
worden find? 
Auf der topographisch militärischen Karte, die zu 
Weimar erschienen, ist westlich von Willingshausen ein 
kleiner Hügel angegeben. Steht dieser etwa mit den 
gefundenen Alterthümern in Beziehung? Oder ward er 
etwa nicht untersucht? Wollte man der, indessen ziemlich 
ungenauen, Karte trauen dürfen, so wäre er gewis nicht 
unbedeutsam. 
Noch einmal bitte ich Ew. Hochwohlgeboren, mir 
meine dreisten Fragen gütigst zu verzeihen und die Ver 
sicherung meiner Hochachtung zu genehmigen, womit 
ich bin 
Ew. Hochwohlgeboren 
ergebener Deiner 
Büsching 
Prof, an d. klniv. Breslau. 
Ew. Hochwohlgeboren bitte ich, Ihre etwaige 
Antwort zu bezeichnen: 
Allgem. klniv. Sache 
Breslau den 24. Dezbr. 
An 
1814. 
den Rittmeister Herrn 0. Schwertzel 
Hochwohlgeboren 
zu 
Willingshausen 
b. Alsfeld 
im Kurfürstenth. Heßen. 
Allgem. klniv. Sache, big zur 
Gränze frei. 
Postfrei' im Heßischen. 
Am 17. Februar 1825 sandte Professor Bü 
sching einen zweiten Brief an Herrn von 
Schwertzell, der auf dessen Antworschreiben Be 
zug nimmt und lautet: 
Ew. Hochwohlgeboren 
danke ich verbindlichst für die Güte, mit welcher diesel 
ben meinen Wünschen in dem geehrten Schreiben vom 
2. d. Nk. entgegenkommen, und mir freundlich die Hoff-
        

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