Full text: Hessenland (46.1935)

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schreibt: „Nun möchte ich Fhnen gern folgendes 
erzählen: üßk haben die Aussicht im kommenden 
Frühjahr neue Entdeckungen an Alterthümern zu 
machen, wozu wir Sie hierdurch förmlich einla 
den. Denken Sie sich, schon im Herbst ging die 
Rede, ein hiesiger Bauer habe in seinem Gar 
ten nahe am Fettenberg (diesseits dem Bach) eine 
Nachgrabung angestellt, seiner Aussage nach, 
um Rüben einzuschlagen, der Sage nach, um 
einen Schaß zu heben. Vor ein paar 2Dochen 
kommt nun dieser Mann zum Vater mit der An 
zeige, daß er ziemlich flach in der Erde 5 steinerne 
Töpfe nebeneinander gefunden habe, worin ver 
brannte Asche gewesen. Da nichts von Werth 
drin gewesen, hätten die Leute und Dorfkinder 
die Scherben verschleppt. Einen kuriosen Stein 
wolle er indeß abliefern. Dies ist nun, unserer 
Meinung nach, gebrannte Erde, da ein sechs 
Finger breit hoher Stein schwerer sein müßte. 
Ich zeichne Ihnen die Form ab, denn ich habe 
mir das Ding da vors Papier hingestellt. Es 
hat Ähnlichkeit von einem Donnerkeil. Die Dff- 
nung geht durch und durch. Die 4 Kanten sind 
abgerundet; die Zeichen darauf mögen aber durch 
die Zeit geschaffen worden sein. Eine Fläche ist 
grau, die 3 übrigen sind gelb. Sie können den 
ken, mit welchem Interesse wir diese Sache auf 
fassen. In der völligen Grundlosigkeit der jetzi 
gen Landwege ging der Vater doch mit mir zu 
dem bezeichneten Garten, der eine anmutige Lage 
an der Anhöhe hat, die sich nach dem Bach herab 
senkt. Gegenüber ist der Fettenberg, welche Ge 
gend auch Sträußer- (Streiter)berg genannt 
wird. Wir fanden also das aufgewühlte Fleck, 
und ich las mehrere Scherben zusammen, die von 
derselben Masse wie unsere frühere Urne waren. 
Sobald es trocken in der Erde geworden, soll wei 
ter nachgeforscht werden, aber ich habe die leben 
dige Ungeduld, daß es bald geschehen möge, durch 
einen Umstand eigener Art gedämpft bekommen. 
Der Eigenthümer des Gartens, ein junger, durch 
eigene Schuld in die höchste Armuth gerathener 
Ntann, wird von unheimlichen,halb wahnsinnigen 
Gedanken umgetrieben. Er steht unter dem lenken 
den Brillen eines Vaters, der durch Schlechtig 
keit und falsche Spekulationen schon bedeutendes 
Unglück angerichtet. Dieser arme Ntensch steht 
nun in dem Wahn, ein Schatz müsse in seinem 
Garten liegen, der ihn retten könne, er selbst sowie 
seine Frau wollen die Stelle im Traum gesehen 
haben, wo er nachgegraben. Neulich Abends in 
der Dämmerung kam der Ntann wieder ge 
schlichen und erzählte dem Vater mit gedämpfter 
Stimme, bey dem Aufmachen eines Grabes sei 
ihm ein schwarzer Hund entgegen gesprungen, 
und ähnliche Dinge mehr, die seinen Wahnsinn, 
seine verzweiflungsvolle Geldgier beweisen. Sie 
begreifen nun, weshalb es unö unheimlich ist, in 
Gemeinschaft mit diesem gestörten Ntenschen 
etwas weiteres zu unternehmen, der, nur aus an 
derem Grund, auch die Zeit kaum erwarten kann, 
wo wir weiter forschen. Wenn Sie hier find, 
wollen wir uns gleichwohl doch ein Herz fassen. 
Was kann uns auch geschehen? Aber das Grauen 
ist auch begreiflich". 
Anfang Fannar 1623 hatte, wahrscheinlich 
angeregt durch Rommels Ntitteilung in den 
„Göttingischen Gelehrten Anzeigen" oder durch 
Vvilhelm Grimm's Schrift „Aber deutsche Ru 
nen", Professor Büsching in Breslau an 
Rittmeister von Schwertzell geschrieben und ihn 
um einen Abguß der Willingshäuser Runensteine 
gebeten. Die Brüder Grimm schätzten Professor 
Büsching, der mit Hagen eine Zeitschrift „Das 
Museum" herausgab, ebenso wenig wie Profes 
sor Rommel, wie aus einem Brief Wilhelms an 
Achim von Armin vom Funi 1609 her 
vorgeht 5 ), in welchem er die Zeitschrift sehr ab 
fällig beurteilt: „Hägens Fournal habe ich ge 
lesen; was gegen den Facob darin steht sein Auf 
satz über Minnemeister von Professor Docent, 
ist so dumm, daß ich meine, er soll, bis es besser 
wird, da es noch nicht all, kein Wort darauf 
antworten. Das ganze Fournal ist geschmacklos. 
Am lächerlich st en treib t's Büsching 
mit der Gelehrsamkeit bis zur 
Karrikatur". Auch hatte Professor 
Büsching den ersten Band der Grimmischen 
Märchen nnglimpflich beurteilt. Hierüber schreibt 
Wilhelm Grimm am 13. Februar 1814 an 
Achim von Armin: „Von den Ntärchen 
ist eine alberne Rezension von Büsching in der 
VRener Literatur-Zeitung (1813, Sp. 279) er 
schienen, das Resultat ist, daß wir „die Märchen 
welt verdüstert hätten". Man kann sich denken, 
daß DRlhelm Grimm eine Ntitarbeit Büschings 
auf dem Gebiet des Willingshänfer Runenfun 
des nicht gerade erwünscht war, und daß er ver 
suchte, eine solche auf dem von ihm bearbeiteten 
Gebiete ebenso wie eine solche von seiten Rom 
mels fernzuhalten. 
Wilhelmine von Schwertzell berichtete Wil 
helm Grimm in einem Brief vom 6. Fannar 
1623 über Büschings Anliegen, sandte seinen 
Brief mit und fragte ihn um seinen Rat: 
„Liebster Grimm, jetzt bitte ich um Fhren Rath: 
Vor ein paar Tagen bekommt der Vater einlie- 
_5) Vgl. auch den Brief Wilhelm Grimms an Joseph 
Görrcs vom 31. Dez. 1812 (Freundesbriefe, Mün 
chen 1874, <5. 350.)
        

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