Full text: Hessenland (46.1935)

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744 erstand in Fulda ein Mittelpunkt kirchlicher, 
katholisch-christlicher Herrschaft, die mit ihren 
Kirchen, Klöstern und Feldkreuzen noch heute der 
Landschaft ihr Gepräge gibt. In kirchlichen Be 
sitz gelangen große Güter dort, wo allerbester 
Boden war. Eine Karte, die Bodenart, Haupt 
brotfrucht (Weizen oder Roggen) und Anteil der 
Betriebe mit mehr als rg Hektar am Ackerland 
zusammenstellt, zeigt eindringlichst, daß kleinbäuer 
licher Betrieb nur auf schlechtem Boden, also in 
Noggengebieten, überwiegt. In Gemarkung Jo 
hannisberg (Weizenboden) fehlt er sozusagen 
gänzlich, hier umfaßt die Domäne fast die ganze 
Flur, in Kämmerzell (Sandboden) überwiegt er 
mit etwa dreiviertel. Typisch sind die Verhält- 
Ortschaften wachsen rasch und verlieren die länd 
liche Bauweise. Ihr Wachstum strebt besonders 
an den zur Stadt führenden Straßen voran, und 
da von der Stadt ausgehend jüngste Bautätigkeit 
nach außen strebt, wachsen Stadt und Dorf zu 
sammen, zwischen Horaö und Fulda, Neuenberg 
und Fnlda z. B. ist eine Grenze nicht mehr zu er 
kennen. In das Landschaftsbild fügen sich manche 
der neuesten Bauten nicht besonders schön ein, am 
krassesten dürfte der nndeutsche Bau der Landes 
bibliothek wirken, der als typischer Bau der 
„Neuen Sachlichkeit" nicht aus dem dauerhaften, 
bodenständigen Buntsandstein der nahen Pilger 
zeller Steinbrüche, sondern aus Kunststein und 
Beton hergestellt wurde, was sich in bedeutend ge- 
stbb. 6. Gesamtbild der 5tadt Fulda mit dem Frauenberg 
Hinter dem barocken vom dehnen sich die Buntsandsteinflächen, die die Zulda 
durchbricht. Vas Kloster rechts liegt auf einer Basaltkuppe. 
niste am Rauschenberg: Der schwere Röt am 
Nordhang unterhalb des Waldes wird von Bau 
ern als Ackerland genutzt, während bester Löß 
lehmboden in bedeutend günstigerer Hanglage dem 
Großgrundbesitz als TVeide dient, da das betref 
fende Vorwerk vom Hauptbetrieb abgelegen ist. 
Selbst die Stadt Fulda wurde in ihrer Ent 
wicklung stark gehemmt durch eine erst unlängst 
eingemeindete Domäne, die Säkularisation ließ 
diese staatlichen Güter ans ehemaligen Kirchen 
gütern hervorgehen. Gerade in jetziger Zeit wäre 
es sehr erwünscht, einmal festzustellen, wieweit 
etwa die alten Kirchengüter einst aus ehemaligem 
Bauernland hervorgingen, anderweitig wurden in 
dieser Frage sehr interessante Ergebnisse erzielt. 
In der Beckenlandschaft entstand eine städtische 
Siedlungsgemeinschaft. Die klösterliche Grün 
dung am Hange des Frauenberges und die alte 
Stadt auf der Hauptterrafse wuchsen zusammen. 
Zu z. T. bodenständiger Industrie (Weberei) 
kamen weitere Industriezweige, ein Luftbild zeigt, 
wie nach Süden zu sich die Fabriken einstellen. 
In den umliegenden Dörfern beginnt die Fabrik- 
arbeiterbevölkerug immer mehr den landwirtschaft 
lichen Volksteil zurückzudrängen, die betreffenden 
ringerer Widerstandsfähigkeit gegen Wetter und 
mechanische Beanspruchung äußert. Die Güte 
deö heimischen Sandsteines läßt das wundervolle 
Barockviertel dagegen gut erkennen. 
Außerhalb der städtischen Siedlungögemein- 
schaft ist noch heute die Beckenlandschaft reines 
Ackerbaugebiet. Kalkbrennerei ist in einzelnen Ge- 
Rbb. 7. Grangerie Fulda
        

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