Full text: Hessenland (46.1935)

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einmal geklärt werden, vielleicht könnten Aagdrechte in 
dem politisch sehr früh gefestigtem Herrschaftsbereich 
des Klosters Fulda hemmend gewirkt haben. 
Um die Jahrhundertwende schien es, als ob 
neues Leben in die stillen Waldtäler eindringen 
würde. Durch Bohrungen war im Gieseler Forst 
ein wertvolles Kalivorkommen entdeckt worden. 
Die beiden Schächte Neuhof und Ellers, die in 
der Nachkriegszeit bis 1000 Mann Belegschaft 
beschäftigten, wurden aber 1926 stillgelegt und 
werden nur als Bereitschaftswerke noch betriebs 
fähig erhalten. Sie liegen in einem Randtälchen 
des ausgedehnten bewaldeten Sandsteingebietes, in 
dessen Mttte damals (1905) auch fündige Kali 
bohrungen niedergebracht wurden. 
Stille Wälder liegen also heute noch abseits 
des Verkehrs, nur wenige Nebenstraßen queren 
die Sandsteinflächen, deren Ersteigen unbequem 
ist. Auch die Durchbruchstäler find nicht allzu 
verkehrsfreundlich, zumal das Fuldatal bietet in 
seinem schlingenreichen Teil nur einer schmalen 
Straße Platz. 
Das Fuldaer Becken entspricht zum 
großen Teile einer schon nach Ablagerung der 
Jnraschichten (Angersbach) vor dem Beginn der 
Tertiärzeit entstandenen, vorwiegend herzynisch 
(nordwestlich) ziehenden StörungS- bzw. Ein 
bruch- und Einmuldungszone. Muschelkalk und 
Keuper, jenseits der Kreisgrenze auch Lias, sanken 
eingemuldet und eingebrochen in die Tiefe, die An 
ordnung der einander ablösenden Grabenbrüche 
zeigt, daß hier das Grenzgebiet tektonischer Ein 
heiten vorliegt, die gegeneinander verschoben wur 
den. Ein späteres, gegen Ende der Tertiärzeit ein 
setzendes Nachfinken scheint über den alten Bruch- 
raum hinauögegriffen zu haben und hat seine 
Ränder miterfaßt. 
Funge Einmuldung und die durch ältere tek 
tonische Vorgänge bedingte Erhaltung von Röt, 
Muschelkalk und Keuper bedingen die heutige 
Eigenart der Landschaft. Das Auftreten leicht 
abzutragender Gesteine, Röt und Muschelkalk, 
kann nicht allein die Ursache für die Oberflächen 
gestaltung der Beckenlandschaft sein, denn auch 
harter ^Muschelkalk und Bausandstein ist in die 
,,Beckenfläche" hineingearbeitet, wenn auch ander- 
weitig Gesteinsunterschiede durch die Abtragung 
oft ganz vorzüglich herausgearbeitet wurden, wie 
Kalkrücken und Kalkkuppen zeigen, die den Ba- 
saltkuppen gleich dort, wo eingesunkener Kalk 
zwischen Röt durch Reliefumkehr hervortrat, auf 
ragen, es seien nur Schnlzenberg und Florenberg 
genannt. 
Die Güte des Bodens wird besonders durch 
ausgedehnte Lehmflächen bedingt, z. T. wohl aus 
der Verlehmung des schwer zu bearbeitenden Röts 
hervorgegangen, z. T. aber auch echter Löß. Eis 
zeitliche und voreiszeitliche Kiese haben geringere 
Bedeutung. So ist das Fuldaer Becken ein Ge 
biet mit Weizenboden. Die Verbreitung der stei 
nigen Kalkböden ist verhältnismäßig sehr gering. 
Fruchtbarer Lößlehmboden und waldfeindlicher 
Kalk zogen früh den Menschen in das Fuldaer 
Becken, das seit der Steinzeit besiedelt war, wie 
reiche Bodenfunde erkennen lasten (s. Kärtchen). 
ñbb. 5. Vorgeschichte Ziedlungen und lvege rings um Fulda 
1! 
Vorgeschichtliche 
Hauptwege 
O 
Bingwall anlagen 
Ü 
Andere alte Wege 
Hügelgräber 
(meist Bronzezeit) 
O 
Steinzeitliche 
Siedlungen 
Älteste Stein 
kirchen 
0 
Steinzeitliche 
Einzelfunde 
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O 
Brcnze- u. Eisen 
zeitliche Siedlun 
• 
gen 
Bronzezeitliche 
Einzelfunde 
i 
Grenze der Karl 
mannsschenkung 
Buntsandsteinge- 
diet ist schraffiert 
Ein weiterer, nicht verzeichneter alter lveg führt von der Fulda- 
furt nordöstl. Stockborn über diese Siedlung etwa nach „4" 
der Karte.
        

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