Full text: Hessenland (46.1935)

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Die ä l t e st e n Gesteine, Kristallin und 
Palaeozoikum, sind nur durch Bergbau (im Kali 
gebiet von Neuhof-Ellers), durch Bohrungen 
(ebendort, dazu bei Hettenhausen und z. T. nur 
wenige Kilometer außerhalb der Kreisgrenzen im 
Oberhessischen wie im bayerischen und thüringi 
schen Gebiet) und durch Einschlüsse in vulkani 
schem Gestein, das auf seinem Wege zur Ober 
fläche Gesteinsbrocken aus der Tiefe mitriß (Kal 
varienberg, Schackau), bekannt. 
Talmulden in Glimmerschiefer-, Granit- und 
Gneißgebiet, also in Gesteinen, wie sie heute im 
Spessart und Thüringer Wald anstehen, wur 
den zur Notliegendzeit mit Schottern, 
Sanden und Tonen erfüllt. 
Zur Z e ch st e L n z e i t kam von Norden das 
Kupferschiefermeer. Aber dem Transgressions- 
konglomerat setzte sich sulfidreicher, dunkler 
Schlamm ab, dann kam es zur Abscheidung von 
Kalken, ein mächtiges Bryozoenriff entstand bei 
Hettenhausen, wo schon zur Rotliegendzeit ein 
schuttfreieö Hochgebiet vorlag. Eine Abschnürung 
des sich über Deutschland erstreckenden (Meereö- 
armes führte zur Eindunstung, nach Gipsen bezw. 
Anhydriten mußte sich endlich sogar Steinsalz, 
weiter über 100 Mieter mächtig, ausscheiden, und 
zweimal kristallisierten aus den letzten Resten des 
alten (Meerwafsers sogar die am leichtesten lös 
lichen Kalium- und (Magnesiumsalze aus. So 
entstanden die se etwa Z Meter mächtigen und 
durch 50 (Meter Steinsalz getrennten Flöze 
Thüringen und Hessen. Die Flöze wurden mit 
Steinsalz zugedeckt, und dieses erhielt gegen Ende 
der Zechsteinzeit eine schützende Decke von Letten, 
die im Plattendolomit durch eine geringmächtige 
Dolomitschicht unterbrochen sind. 
Die mit dem Bröckelschiefer einsetzenden meso 
zoischen S ch i ch te n sind von den folgenden 
Bildungen des Unteren Buntsandsteins an bis 
zum Oberen Keuper, wenige Kilometer westlich 
des Kreises sogar bis zum Lias, an der Ober 
fläche anstehend zu finden. Zum Teil umfang 
reiche Aufschlüsse gestatten natürlich, eingehender 
Bildungsverhältnisse der Gesteine festzustellen. 
Zur Zeit des Unteren Buntsand- 
st eins wurden in wüstenhaftem Becken Tone 
und feinköringe Sande abgelagert, plötzlich stellen 
sich dann grobe Sande ein, die Schichten des 
M ittleren Buntsand st eins entstehen. 
Sie dürften die Ablagerungen einer Sandwüste 
sein, in die von Süden her rasch versiegende 
Flüsse und' Schichtfluten außer Sand auch bis 
kopfgroße, meist aber nur ei- oder nußgroße 
Milchquarzgcrölle und nußgroße Kieselschiefer 
brocken von den umrahmenden Gebirgen mitbrach 
ten und örtlich zu richtigen Konglomeraten an 
häuften. Auffällig ist aber die Abergußschichtung, 
die nach Osten zu gerichtet ist, die von Süden 
herangeführten Sande und Gerölle müssen durch 
von Westen kommende Kräfte umlagert bezw. 
aufgeschüttelt sein. Nach Regengüssen müssen 
örtlich Tümpel entstanden sein, in denen die bei 
Lehnerz gefundenen kleinen Schalenkrebschen 
(Estheria spec.) lebten. Beim Eintrocknen 
feuchter Tonflächen entstanden Trockenrisse, die 
durch hineingewehten Sand gefüllt und so bis zur 
Jetztzeit erhalten wurden. In weichem Boden 
prägten sich auch die Fährten großer Kriechtiere 
ab, ganz vorzüglich sind sie in der Umgebung 
Fnlda's erhalten. Mit der Bausand st ei n- 
z 0 n e hatte die Zufuhr von Sand ihren Höhe 
punkt erreicht, mächtige Tonmafsen des R ö t s 
kamen zur Ablagerung. Zn Schichten mit stetem 
Wechsel kaum millimeterdicker Sand- und Ton 
lagen, die am besten mit dem Schwemmkegel 
eines versiegenden Flusses verglichen werden, fand 
Verfasser in Fulda einen deutlichen Fischabdrnck. 
Mehrmals müssen flache Wasserflächen sich aus 
gedehnt haben, wie undeutliche Muschelabdrücke 
bei Maberzell (Vinzenzkapelle) und Fulda (Wai 
des) anzeigen. Öfters und zwar rasch müssen aber 
diese Wasserflächen durch Austrocknung ver 
schwunden sein, Gipse (Milseburgtunnel) und 
auch Salze schieden sich aus. Wurden die auö- 
kristallist'erten Steinsalzwürfel von neu eindrin 
genden Wassermassen aufgelöst, so konnten die 
Hohlräume mit Ton gefüllt werden, so daß heute 
Tonwürfel und -rechtecke als Steinsalzpseudomor- 
vhosen auftreten (Galgengraben). 
Nack, Anstcht des Verfassers könnte man die Land 
schaft im Unteren Buntsandstein vielleicht mit dem Ta- 
nezrouft (Abb. s. Löwy in Z. Ges f. Ek. 1933. Tafel 
VIII u. IX), vergleichen, wo in ausgeprägtester Wüste 
zeitweilig ausgedehnte Wasserstächen entstehen, den obe 
ren Mittleren Buntsandstein mit den Bildungen Cen- 
tralasiatischer Wüsten und die Rötlandl chaft mit den 
Ton- und Salzwüsten von Iran. 
Zur Zeit des TV ellenkalkes hatte das 
(Meer für längere Zeit unsere Heimat erobert. 
(Mächtige Kalkschlammassen entstanden, in denen 
(Würmer und andere Tiere ihre Spuren hinter 
ließen. (Mehrere (Male fand die Tierwelt be 
sonders günstige Lebenöbedingnngen, m bestirnm- 
ten Bänken häufen sich dann ihre Reste: (Mu- 
scheln, Schnecken, Armfüßler, Seelilien (Stiel- 
glieder), Ammonshörner, auch ein Seeigel konn 
ten nachgewiesen werden. Zm M ittleren 
(M u s ch e l k a l k erfolgte ein Zurückweichen des 
(Meeres, seine Reste trockneten aus, von den da-
        

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