Full text: Hessenland (46.1935)

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Namen „Castellum Heilingeüberg" geprägt haben 
mag. jedenfalls fehlt bisher jedes unmittelbare 
Zeugnis für diese Bedeutung des Berges, und 
Landaus Annahme (1660), der Berg habe seinen 
Namen von der an seinem Fuße in Gensungen 
gelegenen Malstätte erhalten, muß einstweilen 
als immerhin im Bereich der Nkoglichkeit liegend 
bezeichnet werden. Ob die Grabungen irgend 
welche Spuren aufdecken werden, ist ungewiß, zu 
mal damit gerechnet werden muß, daß die wieder 
holten Bebauungen alle älteren Spuren verwischt 
haben. Um so vorsichtiger und sorgsamer muß 
Kasselaner Redensarten. 
(Schluß) 
180. Oe Kadüe dräqd emme d'n Magen nit weggen. I 
Er ist satt. / 
181. Hä hodd sinne Kedze geflicked. / Er ist satt. / 
182. Hä muß d'n Schmachdriemen enger ziehn. / llm 
noch weiter essen zu können. / 
183. 0 'r Kerle äs uß d'r Gänseschdirze nit rußgekom 
men. / Er ist sehr rückständig. / 
i8st. Oä äß wo de Pcdersilje oerhageld? ./ Dir ist wohl 
wag Unangenehmes passiert? ./ 
185. D'r Kerl äß'n Heimadscheiner. / Er ist land- 
fremd. ./ 
186. Du oerhunzesd mä d'n ganzen Krohm. / Du ver 
dirbst mir die Sache. ,/ 
187. jch muß noch iwwern jordan. / Über die Fulda- 
brücke. / 
188. Ou hodd wo lange kinne Backenzähne geschlucked. 
/ Eine Orohnung ihn recht derb zu verprügeln. / 
189 Ou widd mich wo verhohnebiebeln. Ou widd mich 
wo oeralwern. / Zum Besten haben. 1 
190. Oe Brich äß deirer wie de Brocken. / Man soll 
sich nicht mit Kleinigkeiten abgeben. >/ 
rgi.O's Eime vom Lied. / Das Endergebnis einer An 
gelegenheit. / 
192. Glauwesdes dann? 1 Etwas Unwahrscheinliches, 
oder was gar zu dick aufgetragen ist. / 
igz. Löß dich abmolen uff Leschbabier. / Dein Ge 
schwätz ist keinen Pfifferling wert. / 
igst. Zch well dä mo Mores lehren. / 
Bch well dä de Levidden lesen. J 
jrf) well dä d'n Kinimel riewen. / 
jch well dä d'n Schdandpunkd klar machen. / Ich 
will dir mal zeigen, wie man sich zu benehmen 
hat. / 
igZ-Bch well dä zeichen wo Bardel d'n Mosd hold. / 
Bch will dich schon ans den rechten Weg bringen.,/ 
196. Oo krichd me je de Bimbelgichd. ./ Man wird 
nervös. / 
197. Oo hilsd killn Mnllschbidzen, do muß gepisfen 
lveren. / Ob eg dir paßt, oder nicht, es muß ge 
schehen. / 
rg8. O'r Karle hodde kalde Fieße. ./ Hat kein Geld. / 
199. Hä hodd's gedisbed. / Er ist mit dem Esten fertig 
geworden, er hat nichts übrig gelassen. / 
200. Unse Fremd hodd uns gelackmeierd. / Er hat uns 
angeschmiert, oder hinter das Licht geführt. / 
20 r. Kasselaner Windbiedel. / Spitz- oder Onamen der 
Kasselaner. / 
202. Miun Dadder wurde »och in der „Silse" uu midd 
dort gearbeitet werden: nicht das kleinste Fund- 
stück, nicht die geringste Bodenveränderung darf 
als unerheblich außer Acht gelassen werden, so 
lange sie nicht von berufener Seite begutachtet ist. 
Schon jetzt kann aber jedem Verehrer unserer hes 
sischen Landschaft, jedem Freund der heimatlichen 
Geschichte, der solche Stätten in ihrer Bestim 
mung zu erfassen und einzuordnen versteht, drin 
gend empfohlen werden, den Heiligenberg zu be 
suchen und sich an Ort und Stelle einen un 
mittelbaren Eindruck von seiner Bedeutung zu 
verschaffen. 
Von G u st a 0 W e n tz e l l. 
d'r Augeödrehre — kunfermied. ,/ Mit dem Frack 
und Zylinderhut. / 
20Z. O'r Meisder hodde de Hänne unner sinnen Re- 
klamezunfdlabbeu. / Oas prahlerisch getragene 
Schurzfell. / 
20/s. Se hodd ne Oalje wie'n Bageddchen llllerich. J 
Oie Tabakpakete der Firma Ülrich, Kirchplatz 7 
hatten die Form einer korplilenten Frau. / 
205. Bumfderlischcnnägel. / Starke, den Eohlenrand 
umfassende Nägel. / 
206. O'r Buhre kam midd 'ner großen Kedge uff en 
Buckel uu hodde en Bindrcidel aum Arme bam- 
beln. ,/ Mit einem Rückentragkorb und einem star 
ken Stock. / 
207. Hä schäbbdc sich midd d'r Kelle Wasser uß d'r 
Boruschdanue in d'n Eimer. / Bornschdanne, ein 
Wasserfaß, das früher in keiner Küche fehlte. ./ 
208. Hä sidzd im Kiddchen. / jm Gefängnis. J 
209. Einen Läddschen machen. / Ein trauriges Gesicht 
machen. J 
210. Hol mä mo en Seildänser. / Einen Wecke. / 
2i r. En Kullerd. .[ Ein kleiner, dunkler, häßlicher 
Stachelflosser. / 
212. Kalaadscheu. / Gehässiges Geschwätz anderer Leute, 
wird in verstärkter Forni auch mit „Oader- 
kalaadsche" bezeichnet. / 
2 iZ. Oaderu. / Müßig schwätzen, recht schnell schwätzen../ 
Knäden un nälen. / Langsam, umständlich und 
langweilig über etwas reden. Daher Knädebiedel 
und Nälepeder. / 
21 st. üff's Näbchen basten. ./ Gut aufpassen, genau hin- 
horchcn. / 
2iZ. Karjäckern. / Galoppieren — vielleicht von Carriere 
abgeleitet. / 
216. Ou kanusd mä ino eu Riesder uff d'm Schdiwwel 
sedzeu. / Einen Flicken auf das Oberleder. / 
217. Ich houn noch en delekaden Feldgicker d'rheime. / 
Eine große dicke Wurst, welche wagrecht ins Fen 
ster gehängt wurde und so in das Feld hinaus- 
schaute. / 
218. Ich schdecke mä sitzd ue Suckelbixc ahn. / Eine 
Pfeife. / 
219. Du bisd en erweggäler Wißkobb. / Ein Flachs 
kopf. / 
220. Ich hickele schon de ganze Woche. .1 Hinken, auf 
einem Beine hüpfen. / 
221. Ou bisd en „Schlarges". 1 Ein lang aufgeschossener 
junger Mann. / 
222. jch honn mä eu Schlibbcheu Kohlen beschdelld. / 
Ein Fuder, s. Nr. zstg. /
        

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