Full text: Hessenland (46.1935)

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flbb. 4. ©rtsplcm von vesse 
Hltcr Plan aus Cent Älaatsarchia in Marburg 
verstreuten Einzelhöfen gefiedelt haben, wie ihre 
Nachbarn im Norden und Süden es tun, wird 
stch schwer feststellen lasten. Sollte die Gruppen- 
fiedlung bei ihnen nicht ursprünglich sein, so haben 
sie jedenfalls in sehr früher Zeit den wichtigen 
Schritt von der Einzelstedlung zum Verband, zur 
Gemeinschaft und damit zum sozialen Organismus 
getan. Das ist die Siedlungsform, die der Ge 
wann-Wirtschaft entspricht, der Verteilung und 
einheitlichen Bewirtschaftung der Ackerlose und der 
gemeinsamen Nutzung der Allmende durch die 
Dorfgenosten. 
Auch das einzelne Gehöft als Glied des 
Ganzen ist anderer Art als im Norden und im 
Süden. Das niedersächsische Bauernhaus ver 
einigt TLohnung, Stall, Tenne und Scheune 
unter einem gewaltigen Dach, das mit 
der Traufe fast bis zur Erde reicht und dessen 
mächtige Giebel über die weite Ebene stolz ihre 
Stirn erheben. Es liegt für sich allein inmitten 
seiner Acker und Wiesen. Ähnlich das Banern- 
haus der südlichen Gebirge im Schwarzwald, in 
Tirol und in der Schweiz; nur lehnt sein bergen 
des Dach stch weniger steil an den Hang und der 
Erntewagen fährt an der Bergseite in die über 
den Ställen gelegene Tenne ein. 
In Mitteldeutschland bildet nicht d a s H a n s, 
sondern der Hof den Mittelpunkt der bäuer 
lichen Wirtschaft, den Wohnhaus, Stall und 
Scheune als selbständige Gebäude ebenso umgeben, 
wie etwa der Schloßhof zn Marburg von ein 
zelnen Gebäudeflügeln umzogen wird. Man nennt 
die Anlage den „fränkischen Hof", obwohl er in 
Hessen und Thüringen nicht minder heimisch ist, 
wie in Franken (Abb. i). Gewöhnlich öffnet er, 
auf drei Seiten umbaut, die vierte zur Straße, 
nur ausnahmsweise ist er auch auf der Straßen 
seite durch ein besonderes Torgebände oder einen 
niedrigen Flügel abgeschlossen. Der Schauplatz ist 
ans dem Hause nach außen verlegt, im Gegensatz 
zu der strengen Abgeschlossenheit des sächsischen 
Bauernhauses. Und ein Hof reiht sich gesellig an 
den anderen, wobei die aufgelöste Gruppenform 
mancher Abwandlung fähig ist und stch dem Nach-
	        

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