Full text: Hessenland (46.1935)

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5lbb. 2. vorfstraße in (Vberlistingen 
Aufnahme von Reg. Baurat Dr. Tertor 
Wälder zu roden und aus dieser Arbeit entwickelt 
sich allmählich der Begriff des Sondereigentumö. 
Aber neben den freien Dorfgemeinschaften beginnt 
im 8. Jahrhundert auch der fränkische Herrenftand 
Siedlungen zu begründen, der herrenlose Wald, 
der „eremus", die Wüste, wird Königsgut. Die 
Ortsnamen dieser Zeit endigen, soweit sie von Per 
sonennamen abgeleitet find, auf ingen oder ungen 
over sie find zusammengesetzt mit den Silben bach, 
berg, stadt, feld, Hof, dorf, heim, Hausen usw. 
Zn der Zeit vom 9.—12. Jahrhundert finden 
weitere große Rodungen statt, die in der Ver 
teilung von Wald und Feld den Zustand begründet 
haben, den wir im wesentlichen heute noch antref 
fen. Es ist die Zeit der Gründung neuer Ort 
schaften durch Stifter, Klöster und weltliche 
Herren, wobei die Bodenleihe fich entwickelt, die 
Zeit des Burgenbauö (n.—12. Jahrhundert) 
und der Städtegründungen, die fich in den meisten 
Fällen an eine Burg anlehnen. Die Namen 
kennzeichnen meist die Entstehungsweise der Ort 
schaft. Sie endigen auf rode und Hagen, auf berg, 
fels, stein oder auf kirchen, cappel, miinster, zell. 
Doch schauen wir die Dörfer selber an und ver 
buchen, in ihrer Anlage Züge ihres Wesens 
zu lesen! 
Die Literatur hat für das hessische Dorf den 
Namen „Haufendorf" geprägt. Ein häßliches 
W^ort! Reit dem gleichen Recht könnte man eine 
Pflanze einen Haufen Grünzeug nennen. Das 
hessische Dorf ist kein Haufen von Häusern, son 
dern ein durchgebildeter Organismus! Ob die 
Chatten in frühester Zeit vielleicht auch einmal in 
Ebb. 3. Dorfstraße in Rhoden Aufn. von Gberbaurat Guehl
	        

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