Full text: Hessenland (46.1935)

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steine des oberen Zechsteins am Aufbau des Re 
liefs beteiligt. Ihre charakteristische Ausprägung 
zeigen fie als Hangbildner der V-ehrshäuser Land 
stufe, wo fie mit flachem Hang den morphologisch 
höher wertigen, daher steil geböschten Wandbild 
ner, den unteren Buntsandstein, unterlagern und 
die durch diesen gebildete Steilstufe mit sanfter 
Neigung in den Wehrshäuser Grund ausklingen 
lasten. 
In geschlossener Front begleiten die Lahnberge 
das linke Talufer. In ihrer dem Lahntal zuge 
wandten Seite haben Erosion und Denudation die 
harte Deckschicht der oberen Zone des mittleren 
Buntsandsteins, des Bausandsteins (8m. 2 ), ent 
fernt und den Untergrund bis auf den unteren 
Buntsandstein (8ii) freigelegt. Das Profil des 
Talhangs zeigt in dem unterschiedlichen Bö 
schungswinkel die einzelnen Bnntsandsteinstufen 
deutlich an. Nach flachem Anstieg setzt der un 
tere Buntsandstein scharf gegen den Steilhang 
des unteren mittleren Buntfandsteins (8m x ) ab. 
Seine obere Grenze bildet der lose wenig wider 
standsfähige Stubensandstein 1:1 ), gekennzeichnet 
durch eine typische Hangverflachung. Mit steil- 
wandiger Stufe hebt sich hierüber die 
Bausandsteinzone ab. Sie setzt der vom 
Lahntal kräftig rückwärts schreitenden Ero 
sion die Grenze. Ihr Tafelcharakter bestimmt 
das Landschaftsbild; der Volksmund spricht be 
zeichnenderweise von der Bürgelner und Schröcker 
„Gleiche". Diese ebenflächlich erscheinende Rumpf- 
fläche, die die Marburger Tafelrümpfe einheitlich 
liberspannt, schwankt jedoch in ihren Höhen in dem 
Ausmaß von einigen Dekametern 11 12 ). Das Orten- 
bergplateau im Norden, umschlossen von der 360- 
Meter-Isohypse, ist abgestuft gegen den südlichen 
Teil der Lahnberge um den Gipfel deö Franen- 
berges mit Höhen zwischen 320 und 340 Metern. 
Hier ragt der 370 Meter hohe Basaltkegel des 
Franenberges steil über dem Bortshäuser Tal 
und dem Amöneburger Becken auf. Als Eckpfeiler 
im südöstlichen Winkel der engeren Ntarburger 
Landschaft beherrschte die Burg auf diesem Gipfel 
in gleicher Weise das Lahntal wie den südlichen 
Zugang zu der Tiefenzone der Beckenlandschaft 
nm Amöneburg als Teil der wichtigen Paß 
senke, die das Hessische Bergland von der Wet- 
teran bis zum Leinetal hin durchzieht. 
11) Vgl. Oíenemann, W. Das oberhessische 
Duntsandsteingebi'et, S. 338 ff. 
12) Vgl. M aulì, O. Die Landschaft um Mar 
burg, S. 17. Der Ortenberg mit 37g Metern ist der 
höchste Punkt der Marburger Landschaft (vgl. Meß 
tischblatt Marburg). 
Frauenberg und Amöneburg, die natürlichen 
Gegenpunkte für die Beherrschung der Landschaft, 
verkörpern den Kampf um die politische Macht 
stellung zwischen Hessen und Mainz. Bevor das 
Machtstreben der thüringisch-hessischen Landgra 
fen im Gebiet von Lahn und Ohm Fuß faßte, 
beherrschte die Ohmburg gegnerlos das weite Um 
land. Erst mit der Gründung von Marburg 
und dem Bau ihrer Flankensicherung, der Burg 
Frauenberg, bildete sich eine geschichtliche Mar 
burger Landschaft als politische Einheit an der 
Mittellahn heraus. Ihr Gesicht war nach 
Osten gegen das mainzische Amöneburg gerichtet. 
Die Grenze zwischen beiden fiel zusammen mit der 
Landschaftsgrenze am Abbruch der Lahnberge. 
Noch heute gibt ihre erhaktene Versteinung mit 
dem Mainzer Rad uno dem hessischen 
Löwen von diesen Gegensätzen Zeugnis. 
Noch heute ist diese Grenze nicht ganz gefallen. 
Sie scheidet in konfessioneller Hinsicht Protestan 
ten und Katholiken und kommt rein äußerlich als 
Grenze der verschiedenen bäuerlichen Trachten in 
den evangelischen und katholischen Dörfern zum 
Ausdruck. 
Die geschichtliche Entwicklung der Landschaft 
nm Marburg entrollt sich vor uns in ihren gro 
ßen Zügen an diesem Endpunkt der landschaft 
lichen Betrachtung. Geschichte und Landschaft 
verweben sich zu einem einheitlichen Ganzen. Das 
Zusammenwirken geographischer und geschichtlicher 
Betrachtungsweise, wobei wir mit dem schauenden 
Blick des Geographen den Spuren der Geschichte 
in der Landschaft folgen, setzt ebenso die geschicht 
liche Vergangenheit in blutvollen Lebenszusam 
menhang mit dem Boden, auf dem sie wirkte, wie 
sie in gleicher Weise die geographische Betrach 
tung der dinglichen Erfüllung des Landschafts 
raumes beseelt. Der geologische Bau, die Wir 
kung innen- und außenbürtiger Kräfte in der For 
mung der Erdoberfläche, der Einfluß von Klima 
und Vegetation find die natürlichen Faktoren, die 
das Landschaftsbild bedingen. Zu ihnen tritt der 
Mensch als willensmäßiger Gestalter. Er ver 
ändert das Antlitz der Landschaft durch Rodung 
vorr Wäldern, durch Anlage von Straßen und 
durch Bau von Dörfern und Städten; er wan 
delt die Naturlandschaft zur Kulturlandschaft. 
Ändert sich durch diesen menschlichen Gestaltungs 
prozeß auch die Physiognomie der Landschaft, so 
bleibt doch ihr von Natur aus gegebenes Grund 
gerüst, ihr Relief, unverändert bestehen und lehrt 
uns im Verfolg der geschichtlichen Entwicklung 
die Ranmgebundenheit menschlichen Schaffens.
	        

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