Full text: Hessenland (46.1935)

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glied. Offener ist dagegen die Grenze im Westen. 
Hierin kommt die schon mehrfach betonte Eigenart, 
der geographische Charakter der Übergangöland- 
fchaft zwischen dem Rheinischen Gebirge und dem 
Hessischen Bergland, zum Ausdruck: beide Land 
schaftstypen durchdringen sich im Raum um 
Marburg. 
Wenn bisher stets von der Marburger Land 
schaft gesprochen und versucht wurde, diese zu um 
grenzen, so ist hierbei eigentlich diese Bezeichnung 
für ein räumliches Gebilde angewandt worden, in 
welchem die Namenöträgerin, die Stadt Mmr- 
bürg, nicht im Mittelpunkt liegt. Der von Süden 
nach Norden langgestreckte Landschaftsraum im 
Gebiet der Mittellahn, entsprechend der morpho- 
graphischen Großgliederung, wird durch die Ein 
schnürung des Lahntales am Weimarer Kopf süd 
lich von Gifselberg zweigeteilt. Von hier nach 
Norden bis zum Zusammenfluß von Lahn und 
Ohm und von der VKHrshäuser Landstufe im 
Westen bis zum Bruchrand der Lahnberge im 
Osten reicht die Ntarbnrger Landschaft im eng 
sten Sinn 7 ). 
Den Grundstock dieser engeren Marburger 
Landschaft bildet der im Mittelpunkt gelegene, 
ursprünglich einheitliche Buntsandsteintafelrumpf, 
der durch die zerschneidende Tätigkeit der Lahn in 
die Zwillingsrümpfe des Ntarbnrger Rückens und 
der Lahnberge, westlich und östlich von Mmrburg 
aufgelöst worden ist 8 ). Der mittlere Buntsand- 
stein ist hier der vorherrschende Banstoff, an dessen 
Stelle auf den westlichen Lahnbergen der durch 
tektonische Störungen in das gleiche Niveau ver 
lagerte untere Buntsandstein tritt. Ein reich ge 
gliedertes System kleiner und steilwandiger Tälchen 
mit zirkuöartigen Ouellnischen in diesem Gesteins 
horizont westlich der Stadt ist durch die An 
häufung von Verwerfungen in verschiedener 
Richtung geschaffen worden. Die geringe Vvider- 
standsfähigkeit des unteren Bnntsandsteins gegen 
die Kräfte der Abtragung äußert sich hier in Bo- 
denverseßnngen und Rutschungen der Ackerkrume, 
die nach .starker Bodendurchfeuchtung, besonders 
im Frühjahr, keine Seltenheit find. Die Anlage 
der Acker ist daher auf Terrassen erfolgt, um 
durch eine Verminderung der Hangneigung diesen 
unliebsamen Vorgängen entgegenzuwirken. Auf 
diese Weise ist ein reizvolles Landschaftöbild ge 
7) Dienemann, W. Das oberhessische Bunt- 
sandsteingebiet S. 318 rechnet das „Marburger Berg 
land" im Süden bis zum Einfluß der Allna und 
Zwesterohm in die Lahn. Seine sonstige Abgrenzung 
stimmt mir der obigen überein. 
8) Vgl. M a u l l, O. Die Landschaft um Mar 
burg, S. 12, S. 14 ff. 
schaffen, das allerdings heute nur noch die bisher 
nnverkoppelte Gemarkung Marbach unverkünstelt 
bietet. Es wäre zu wünschen, daß eine zukünf 
tige Flurbereinigung und Verkopplung hier scho- 
nendst unter Erhaltung dieses natürlichen Flurzu- 
standes zu Werke geht. 
Aber der Stadt und ihrer nächsten Umgebung 
im Norden türmt sich im Dammelöberg und 
Schloßberg, im Wannkopf, in der Augustenruhe 
und in der Kirchspitze eine Kuppenlandschaft 
empor, die den eigentlichen Reiz des Marburger 
Stadtbildes ausmacht. Man glaubt, vulkanische 
Formen vor sich zu haben, deren Baumaterial 
jedenfalls grundverschieden sein müßte von dem der 
Lahnberge, die die gleichförmige, den Buntsand 
steinbergen eigene Form, einem Sargdeckel ähn 
lich in der Gestalt, zeigen. Der geologische Be 
fund ergibt aber, daß auch diese Bergkuppen aus 
mittlerem Buntsandstein bestehen, also ans dem 
gleichen Gesteinsmaterial, das auch die gegenüber 
liegenden Lahnberge aufbaut. Die Auflösung des 
Ntarbnrger Rückens, die Herausmodellierung der 
kuppigen Geländeformen und die tiefeingeschnitte 
nen Täler find durch tektonische Bruchlinien vor 
gezeichnet 9 ), und das heutige Landschaftsbild durch 
die Vvechfelwirkung von Erosion und Denudation 
gestaltet worden. Die Ntarbnrger Landschaft 
wird in diesem Teil zum Lehrbeispiel für die Ab 
hängigkeit der Landschaftsformen von fie gestalten 
den endogenen und exogenen Natnrkräften. 
Nördlich von Vdehrda ragt der „Weiße Stein" 
trutzig am Ikferrand der Lahn empor. Auch ec 
zeigt die typische Burgbergform wie die Berg 
kuppen um Marburg. Sie waren im Mittel- 
alter die natürlichen festen Plätze zum Bau von 
Burgen. Die Kefselburg auf der Kirchspitze und 
die Lützelburg auf der Augustenruhe find völlig 
verschwunden, auf dem Weißen Stein find nur 
noch die Grundmauern aufzufinden: einzig und 
allein das Marburger Schloß krönt noch heute 
als Wahrzeichen der Landschaft den weit ins Tal 
hinein ragenden Bergsporn im Mündungswinkel 
zwischen Marbach und Lahn 10 ). 
Zn geringem Maße, in den landschaftlichen 
Formen aber nicht unwesentlich, find auf den 
rechtsseitigen Lahnhöhen die violettroten Sand- 
tz) Vgl. Kays er, E. Geolog. Rundschau 191Z. 
Oers.: Karte der Verwerfungen um Marburg. Bei 
gegeben den Erläuterungen z. d. geolog. Karten Mar 
burg und Niederwalgern. O i e n e m a n n , W. Das 
oberhesßsche Buntsandsteingebiet, S. 382 ff. 
10) Die Höhe des Lahnspiegels beträgt am Bota 
nischen Garten 176,3 Meter, die des Schloßberges 
287,2 Meter.
	        

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