Full text: Hessenland (46.1935)

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im Umgang mit lebenden Tieren hat. Wer be 
reit ist zur Mitarbeit an der Beobachtung und 
Erforschung (vielleicht auch Beringung) heimischer 
Vögel, wende sich an den „Vogelring" (Dr. 
Gunkel) in Rotenburg (Fulda). 
Gerade die durch den „Vogelring" gepflegte 
Vogelberingung hat das Verständnis weiter 
Volkökreife für die heimische Vogelwelt neu be 
lebt, sodaß dadurch auch dem Vogelschutz und der 
August Woringer 80 Jahre alt. 
Vor io Jahren hat Paul Heidelbach den Auf 
satz, mit der in diesen Blättern August Worin- 
ger zum 70. Geburtstag grüßte, mit dem Wunsch 
geschlossen, „daß der rüstige Siebziger, der sich 
noch so manches im Dienst unserer engeren Ge 
schichtsforschung vorgenommen hat, nach einem 
weiteren Jahrzehnt mit Genugtuung ans sein 
Schaffen zurückblicken möge". Heute dürfen wir 
mit Befriedigung und Freude feststellen, daß 
dieser Wunsch nicht ganz in diesem Sinne in Er 
füllung gegangen ist. Denn Woringer, der in 
dem seitdem verflossenen Jahrzehnt seine Arbeit 
rüstig und erfolgreich fortgesetzt hat, denkt gar 
nicht daran, diese nun abzuschließen nnd auf seine 
Leistungen „zurückzublicken". Er steht vielmehr 
mitten in der Arbeit, und wer Gelegenheit hat, 
ihn unmittelbar zu beobachten, weiß, daß er tat 
sächlich keinen Tag ohne die ihm so lieb gewordene 
Beschäftigung mit der Geschichte unserer Heimat 
und unseres Volkes sein kann. Und es vergeht 
wohl kein Tag, an dem nicht aus nah und fern 
von ihm Auskunft und Rat in Heimat- nnd fami- 
liengeschichtlicher Forschung begehrt wird; da 
längst bekannt geworden ist, daß er sich solchen 
Wünschen nie versagt, wächst die Zahl der von 
ihm Beratenen nnd Geförderten von Tag zu 
Tag. 
Ein Blick auf den Lebensgang des jugendlichen 
Greises zeigt eine ebenso überraschende wie er 
freuende Uebereinstimmung der Gestaltung seines 
beruflichen Lebens mit den Arbeitsgebieten, die er 
in voller Hingabe zu den seinigen gemacht hat. 
Dem Beispiel seines Vaters folgend wählte er 
nach dem Besuch des Kasseler Friedrichs-Gnmna- 
finms die Beamtenlanfbahn: am 27. April 1877 
wurde er Zollsnpernnmerar bei der Provinzial- 
Steuerverwaltung in Kassel. Es ist wohl kein 
Zufall, daß er ausschließlich in Kassel hat wirken 
können: .die Vorgesetzten hatten die besondere 
Tüchtigkeit des jungen Beamten bald erkannt und 
hielten ihn in dem ihm mehr und mehr ans Herz 
Vogelwelt 'gedient wird. Vogelkunde und Vogel 
schutz stnv Gebiete kultureller Betätigung, auf de 
nen Deutschland stets führend gewesen ist und 
bleiben soll; und die Ringvögel mit der deutschen 
Ringaufschrift „Vogelwarte Helgoland" sollen 
auch anderen Völkern zeugen von deutscher Wis 
senschaft und deutscher Vogelhege, die mit uns 
in unserer Heimatnatur verwurzelt find. 
Von Bibliotheksdirektor Dr. Hopf. 
wachsenden Amt fest. Der inneren Befriedigung 
entsprachen die äußeren Erfolge: von Stufe zu 
Stufe aufsteigend, erreichte er am 12. Oktober 
1921 die Stellung des Zolldirektors bei der Prä- 
fidialabteilung des Landesfinanzamts, und als er 
drei Jahre später, den gesetzlichen Bestimmungen 
entsprechend, aus dem Amte schied, begleitete ihn 
die Hochachtung und Verehrung von Vorgesetzten 
und Amtsgenofsen in den wohlverdienten Ruhe 
stand. Einen schönen Beweis für die volle Hin 
gabe an seine amtlichen Aufgaben bietet seine 
„Einführung in das Zoll- nnd Verbrauchssteuer- 
recht", die 1924 bei der Waisenhausbuchdrnckerei 
in Kassel erschien. 
Schon in dem Gymnasiasten Wbringer hatten 
sich geschichtliche Neigungen geregt; gar manche 
Stunde hat er im Lesesaal der Landesbibliothek 
zugebracht und damit die Grundlagen für eine 
Arbeit gelegt, die fein ganzes Leben ausfüllen 
sollte. Daß er dann bald den Weg zum Hessi 
schen Geschichtsverein fand, mutet uns heute als 
natürlich und selbstverständlich an — schon 1880 
wurde er Mitglied des Vereins, dem er dann treu 
gedient, und der ihn in dankbarer Anerkennung 
zum Ehrenmitglied (1930) und zum Ehrenmit 
glied des Gesamt-Vorstandes (1934) ernannte. 
In seiner Zeitschrift (Zs.) wie in diesen Blättern 
(H. L.) begegnet der Name Woriger seitdem/ ! 
immer wieder mit wertvollen Beiträgen; aber 
auch die „Fnldaer Geschichtsblätter (F. G.), das 
„Hanausche Magazin" (H. M.), die Zeitschrift 
für Heereskunde (Zs. H. K.), die „Zeitschrift für 
historische Waffen- und Kostümkunde" (Zs. W. 
K.), „Volk und Scholle" (V. u. Sch.) und die 
„Nachrichten der Gesellschaft für Familienkunde 
in Kurhefsen und Waldeck" (N.) haben Bei 
träge ans seiner Feder bringen können. 
Daß den Stenerbeamten das Zoll- und Steuer 
wesen auch geschichtlich interessierte, war bei Wo 
ringer nur natürlich: „Zoll nnd Schmuggel in 
Hessen" (H.L. 1906), „Aus der Geschichte des
        

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