Full text: Hessenland (46.1935)

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Bedeutung sie im Wirtschaftsleben des Hessen- öirekt oder indirekt mit dem Henschelwerk zusam- 
landes und seiner Hauptstadt Kassel spielt. Denn, menhängt, was deutlich genug für dessen Stellung 
wie noch unlängst betont wurde, kann man rech- in unserer Wirtschaft zeugt, 
nen, daß etwa jever sechste Einwohner der Stadt 
Gchwalben-Forschung im Hessengau. Von Dr. W e r n e r S u n k e l. 
Zwei Wesenszüge der heimischen Vogelwelt 
erwecken immer wieder unsere Zuneigung zu die 
sen leichtbeschwingten Geschöpfen: einmal das 
treue Festhalten an Nest und Brut, das unserem 
deutschen Heimatempfinden entspricht, zum ande 
ren der Trieb in die Ferne, der den Zugvogel je 
den Herbst in fremde Länder treibt und der auch 
uns Germanen von Urzeiten her im Blute liegt. 
Diese gefühlsmäßige Einstimmung in das Vogel 
leben kommt auch in unserer Stellungnahme zur 
Vogelwelt zum Ausdruck und steckte der, beson 
ders in Hessen-Nassau arbeitenden Gesellschaft 
„V ogelring, Vereinigung für Vogelkunde 
und Vogelschutz" zwei Hauptziele: die Vogel 
hege, die den Vögeln ihre Wohn- und Nist 
stätten, ihre Heimat in unserer Heimat, erhält, 
und die V o g e l f o r s ch u n g , die neben der 
räumlichen Verbreitung der Vogelarten in unse 
rem Vaterlande die so rätselhaften Wanderungen 
der Zugvögel zu klären sucht. Dabei arbeiten 
Vogelschutz und Wissenschaft Hand in Hand. 
Unsere Mitarbeiter beobachten, hegen und „be 
ringen" (Kennzeichnung der Vögel mit numerier 
ten Fußringen der Vogelwarte Helgoland) die 
Vögel in ihrem Arbeitsgebiet, ihrem „Vogelring- 
Punkt"; dadurch, daß sich solcher „VU-Punkte" 
eine große M^enge über das Land verteilen, wird 
doch eine großzügige Arbeit in Vogelforschnng 
und -hege erzielt, zumal die einzelnen Mitarbeiter 
jahraus jahrein an dem einmal gewählten Platz 
festhalten und durch Beobachtung und Kontroll 
fänge selbst Aufschluß gewinnen über Verbleib, 
bzw. Rückkehr „ihrer" Ringvögel. So ist es z. 
B. durch planmäßige langjährige Arbeit gelun 
gen, in einzelnen hessischen Dörfern den Bestand 
an Rauchschwalben fast vollständig zu beringen 
und durch sorgfältige Wiederfänge festzustellen, 
daß ein großer Teil der beringten Vögel Zahre 
lang in denselben Drt, oft sogar in den gleichen 
Stall zurückkehrt. Die Beringung der Rauch 
schwalben, die in allen hessischen Dörfern zahlreich 
innerhalb der Stallungen nisten (Kennzeichen: 
langer gegabelter Schwanz, dunkler Rücken; Nest 
oben offen), ist sehr leicht, sodaß sie zu einer fast 
volkstümlichen Forschungsarbeit in unserer Hei 
mat wurde, besonders als es der „Vogelring"-Ar 
beit beschieden war, die ersten deutschen Auslands 
sunde beringter Rauchschwalben zu erzielen. Der 
„Vogelring" und die mit ihm zusammenarbeitende 
„Zweigberingungsstelle Marburg-Hefsen-Nastau 
der Vogelwarte Helgoland" erlangten Rückmel 
dungen von im Lahntal beringten Rauchschwalben 
aus Kamerun und Kongo, während andere eben 
falls von diesen Stellen beringte Rauchschwalben 
aus Kurheffen (z. B. Bergheim—Giflitz) von 
Südwestdeutschland, aus der Schweiz, aus Süd 
ostfrankreich und Spanien zurückgemeldet wurden. 
Von der weißrückigen RUehlschwalbe wurden bis 
her weniger Vögel beringt, erschwert doch ihr fast 
völlig geschloffenes Nest die Beringung der Nest 
jungen; immerhin gelang auch bei dieser Art der 
Nachweis, daß beringte Stücke im folgenden 
Jahr in die Brutheimat zurückkehren. Zn noch 
viel stärkerem Maße konnte ich dies wiederholt 
bei der Uferschwalbe nachweisen, die in steile 
Sandwände tiefe Nistlöcher gräbt. Zu Hun 
derten fingen wir diese Tiere in unseren Spiegel 
garnen, die wir nachts vor die Nistwände hän 
gen; bei Tagesanbruch fangen sich darin die her 
ausschlüpfenden Schwalben, werden herausgelöst, 
beringt und freigelassen; wie oft waren in den 
späteren Zähren unter den Fängen Vögel, die 
ihren Ring schon mehrere Zahre getragen hatten. 
Eingehend habe ich in der Zeitschrift „Vogel 
ring, Blätter für Vogelkunde und Vogelschutz" 
über die „Uferschwalben-Forschung" berichtet, 
worauf hiermit verwiesen sei. Auch von der Ufer 
schwalbe erzielte ich einen Auslandsfund; der bei 
Marburg beringte Vogel wurde aus der Gegend 
von Florenz (Ztalien) zurückgemeldet. Der „Vo 
gelring" setzt die Arbeit an den Uferschwalben 
fort und bittet alle hessischen Vogelkenner um 
Mitteilung, wo sich Brutplätze dieses Vogels be 
finden, wobei angegeben werden mag, in welcher 
Bodenart sich die Nester befinden, um wieviel 
Brntpaare es sich handelt, wie alt der Brutplatz 
schon ist, usw. 
Während die Mehl- und Uferschwalbenfor 
schung mittels „Beringung" ein aussichtsreiches 
Arbeitsfeld für den Fachmann ist, kann sich an 
der Erforschung der Lebensgewohnheiten und 
Wanderwege unserer allbekannten und volkstüm 
lichen Stall- oder Rauchschwalbe auch der Na 
turfreund beteiligen, sofern er nur etwas Geschick
        

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