Full text: Hessenland (46.1935)

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wirken, die mit ortsfesten Dampfmaschinen ange 
trieben wurden. Der Versuch kam aber bei der 
geringen Ergiebigkeit des Geschiebes nicht mehr 
zur Durchführung. Von Henschel stammt auch 
der Entwurf für die allerdings sehr nüchterne 
Ausbeutemünze, die zum Abschlüsse jener Arbei 
ten zur Verteilung kam. 
Der September 1836 brachte mit dem Brande 
des Gießhauses eine Wendung in der Entwick 
lung. Mit dem Jahre 1637 wurde ein Grund 
stück am Möncheberg gekauft und hier der Neu 
bau des Werkes begonnen, da sich ein Prozeß 
zwischen der Firma und der kurhessischen Regie 
rung angesponnen hatte wegen der SchadenS- 
deckung. Er wurde später durch einen Vergleich 
beendet, doch standen die Ruinen des Gießbauses 
infolgedessen noch bis 1848. Das neue Werk 
war nach dem damaligen Stande der Technik 
auf das Modernste ausgerüstet und ein preußischer 
Offizier, Oberst C. von Decker, der 1839 
das Werk besichtigte, war des Lobes voll über die 
von ihm gesehene Anlage zum Ausbohren von 
Geschützen, wie er auch die fast vollendete Boni- 
fatius-Statue sah, das erste Werk, das aus der 
viel bewunderten Gießhalle, heute Werksmnseum, 
hervorging. (Hefsenland 1910, S. 229). 
Noch war es Karl Anton Henschel vergönnt, 
nachdem er schon seit 1828 für den Bau von 
Eisenbahnen gewirkt hatte, die Herstellung von 
Lokomotiven einzuleiten, dann übernahm sein Sohn 
Georg Alexander Karl i. I. 1643 Leitung 
der Fabrik, in der er bislang als Teilhaber des 
Vaters tätig war. Er sollte aber nur ein gutes 
Jahrzehnt der mit dein Lokomotivbau angebahnten 
Entwicklung sehen und starb schon i. I. 1860, 
noch vor seinem Vater, der ihm am 19. Mai 
1861, 81 jährig, ans dem Leben folgte. Nun trat 
Oskar Henschel in die Leitung ein, doch 
war auch ihm nur ein verhältnismäßig kurzes 
Leben vergönnt, da er schon 1694 im Alter von 
37 Jahren heimgernfen wurde. In diese Zeit 
aber fällt der Beginn des gewaltigen Aufstieges, 
den das Werk nahm, da sich seit der Mitte des 
19. Jahrhunderts Deutschlands Uebergang zum 
Jndustriestaate vollzog. Typisch für jenen Wan 
del ist die Art des Maschinentransportes aus 
dem Werke zwischen Müncheberg und Holländi 
schem Tor zur Eisenbahn. Bis zum Jahre 1873, 
als erst das Verbindungsgleis vom Werk I zum 
Kasseler Unterstadtbahnhof gelegt wurde, mußten 
die Lokomotiven auf starke Plattfocmwagen ge 
stellt, mit einem Vorspann von bis zu 100 Pfer 
den durch das Holländische Tor, durch König 
straße, Kölnische Straße und heutige Kurfürsten 
straße zum Oberstadtbahnhof gebracht werden, ein 
Vorgang, der in der Erinnerung der alten Kafse- 
laner eine große Rolle spielt. 1871 war dann 
eine Hammerschmiede von Henschel in dem Dorfe 
Rothenditmold angelegt worden, die 1873 durch 
das erwähnte Anschlußgleis über den Unterstadt- 
bahnhof mit Werk I verbunden wurde und den 
Anfang des heutigen Werkes II bezeichnet. 
Nachdem man jedoch das Gießen der Räder aus 
Flußstahl erlernt, wurde die Hammerschmiede 
zum Bau der Kessel und Wasserkästen der Ten- 
llarl cknton henschel 
der sowie für den Rahmenbau bestimmt und hat 
heute eine Halle von 10 teilweise unterteilten 
Schiffen. 
Überblicken wir nun zunächst in einigen Ziffern 
die Entwicklung des Betriebes und seiner Pro 
duktion. Bis zum Jahre 1860 waren 50 Loko 
motiven erbaut, bis zum Jahre 1863 deren 100. 
Bis 1873 waren dann 300 Lokomotiven vollendet, 
1899 die 3000., der 1910, als man die Hunoert- 
jahr-Feier der Firma beging, die 10 000. folgte. 
Im Jahre 1923 wurde die 20 000 Maschine 
abgeliefert, der 1933 die 22 000. folgte und als 
Abschluß der bis zum Jubiläum gelieferten
        

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