Full text: Hessenland (46.1935)

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das ist dann ihre „Falschheit". „Ja, die Men 
schen tun uns unrecht", klagt der berühmte Kater 
Hidigeigei. Und in Brehms bekanntem „Tier 
leben" heißt eS: „Der Mensch bestimmt immer 
den Grad der Zähmung und Häuslichkeit einer 
Katze. Man spricht zuviel von ihrer Schmeiche 
lei und Falschheit, gar von Rachsucht. Weil sie 
nicht so gutmütig ist wie der Hund, der gute 
Narr, kann man sie doch nicht falsch nennen. Sie 
ist ein vollkommeneres Tier als der Hund. Sie 
verdient die Freundschaft des Menschen im voll 
sten Grade, und es wäre endlich Zeit, die ungerech 
ten Meinungen und mißliebigen Urteile zu 
wenden". 
Die richtigere Auffassung des Katzencharakters 
hat denn auch das Landvolk, das diese Hauö- 
genosfin besser beobachtet hat und gründlicher 
kennt. In der Beurteilung der Katze, die sich in 
seinen Redensarten ausspricht, weiß man nichts 
von minderwertigem und schlechtem Charakter, 
nichts von der „falschen Katze". Und wenn es da 
heißt: „Wer die Katze net mag, is selwer ein", 
oder wenn man zu einem kleinen Mädchen sagt: 
„Du bist en kleine Katz" oder von einer Person 
aussagt, sie wäre „katzig", so ist damit nicht 
Falschheit und Hinterlist gemeint, sondern inan 
begreift unter diesen Urteilen, daß die Be 
treffende sich nichts gefallen läßt, sozusagen wie 
eine Katze in der Notwehr faucht und kratzt. 
Für viele volkstümliche Ausdrücke und Ver 
gleiche find die Eigentümlichkeiten der Katze der 
Ausgangspunkt. — Ein naschhaftes Kind ist ein 
„Schnauskätzche", ein zärtliches das „Schmeichel- 
kätzche"; ein Kind, das nicht vom Spiel ablassen 
kann, „iS e richtig Spielkätzche"; und wer nicht 
brav war, muß wie die Katze abseits fitzen am 
„Katzedisch". — „Du hast Katzean'e", necken 
Kinder ihre grau-, überhaupt helläugigen Kame 
raden. — Wer funkelnde Augen hat, „guckt so 
glähnig (glühend) wie'n Katz"; und der in eine 
Ecke starrt, „guckt drin wickn gloserne Katz". - — 
Ein anderer „macht en Buckel wie die Katz, wenn't 
donnert". — „Der wäscht sich wie en Katz", so 
wird der verlacht, der sich nicht gründlich säubert. 
— Der Unmusikalische macht „Katzestimme" und 
„Katzemufik". — Da ist einer, dem merkt man 
an, daß er ein Anliegen hat, aber nicht recht da 
mit herausrückt: „Der geht wie die Katz um de 
heiße Brei". — Und ein ganz Vorsichtiger macht 
seine Sache „so heimlich, dat die Katz hinnerm 
Ofe nix gewahr wird" und wird nie „die Katz im 
Sack kaufe". — War aber einmal alle Muh 
und Arbeit umsonst, so „war es für die Katz". — 
Der ganz Geschickte, der sich ans allen Verlegen 
heiten wieder zu retten weiß, „fällt immer off die 
Füß wie die Katz". — Es kommt wohl mal vor, 
daß man irgendeinen Gegenstand nicht recht unter 
zubringen weiß in Küche oder Stube und es hier 
und dort damit versucht: man „trägt et rum wie 
die Katz ihr Iungetcher (ihre Jungen)", für die 
sie ein neues Versteck sucht. — Zwei, die sich nicht 
vertragen können, „läwe wie Katz un Hund". — 
„Et wird mir katzegrau vir (vor) de Ane 
(Augen)", ruft man entsetzt und belustigt, wenn 
man einem Aufschneider zuhört. — „Der schläft, 
bis die Katz krächt (kräht)", heißtö vom Lange 
schläfer. — Und wer mit seinem guten Rat oder 
seiner Hilfe zu spät kommt, „der kimmt mit der 
Salv (Salbe), wenn die Katz gevreckt is (ver 
reckt ist)". — Beim Betrachten eines alten Klei 
dungsstückes, das so recht durchlöchert ist, sagt 
inan kopfschüttelnd: „Do sinne fünf Katze ket 
Maus!" — 
Daß „bei Nacht alle Katze grau find", hat 
jeder gehört und auch gesehen. — Und daß cS 
nichts taugt, vor der Zeit sich zu freuen und über 
mütig zu sein, ist eine alte Erfahrung: „Die 
Vögel, die zn früh peife, holt am Mittag die 
Katz". — Weiter warnt das Sprichwort davor, 
für seine alten Tage sich auf seine Kinder zu ver 
lassen und sagt es drastisch-anschanlich mit den 
Worten: „Die jung Katz fängt der aal kei 
Maus". 
So begegnet man immer wieder in Sprichwort 
und volkstümlicher Rede der Katze. Selbst die 
W etterregel kommt nicht ohne sie ans und 
behauptet: „Bvenn die Katz sich bis iwer die Uhre 
(Ohren) wäscht, givt et Rä'n (gibt es Regen)"; 
auch „wenn die Katz Gras frißt". — 
Auch das fröhliche V o l k s r ä t s e l hat sich 
mit der Katze beschäftigt und schildert sie schalk 
haft treffend: „Viere (vorne) wie e Appelche, 
mitte wie e Säckelche, hinne wie e Steckelche". 
Oder: „Et fitzt ebbes ofstm Dach, is so rund wie 
en Ku'el (Kugel); wenn't runnerfällt, steht et 
off vier Bein". 
Daß die Katze ebenfalls im K i n d e r r e i m 
lebt, kann uns nicht wundern. Kleinen Kindern, 
die sich weh taten, sagt man das Trostsprüchlein: 
„Heile, Kätzche, heile, 
die Katze hot vier Beine, 
vier Bein un einen langen Schwanz, 
morje is alles heil und ganz". 
In einem lustigen Erzählreim heißts: 
„Müller Hot sei Frau verlorn, 
sucht je mit de Hunn (Hunden)" 
Toll gehts indessen in der Mühle zu: 
„Katze spiele die Trumm (Trommel),
        

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