Full text: Hessenland (46.1935)

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Auf den Feldern des Wasterkastens sind die 
Feuerheiligen gemalt (f. Abb. in H. Gütlern 
nnd ¡j. R. Riß, Das Feuchtwanger Heimat 
museum Augsburg 0.3.)- Bis zum Zahre 1901 
wurde die Spritze in Herrieden noch gebraucht, seit 
dem befindet sie sich im Heimatmuseum Feucht- 
wangen, dessen Vorsitzendem und Pfleger C. May 
ich freunvliche Auskunft darüber verdanke. 8Nay 
nimmt an, daß die Spritze in Eichstätt angefer 
tigt worden ist und zwar von einem Stückgießer. 
Er berichtet auch weiter von schönen Feuerspritz 
wagen in der Umgegend von Feuchtwangen. Es 
würde sich sicher lohnen, auch in anderen Gegen 
den die Werkstätten für Feuerspritzen festzustellen, 
wodurch erst ein Gesamtüberblick geschaffen würde, 
der sicher unsern Begriff von der Leistung des 
Kunsthanvwerks im 18. Zahrhundert noch erwei 
tern und vertiefen könnte 4 ). 
4 ) Außer dem Sotmstscheu Archivrat Dr. Uhlhorn in 
Marburg, des>cn Aktenfund in Laubach den Aufsatz so sehr 
bereicherte, und Freifrau Schenk zu Schwcinsberg, die das 
Museum erst auf die Notwendigkeit der Bergung der 
Schweinsberger Spritze hinwies, bin ich für srdl. Auskunft 
nnd vielerlei Angaben besonders zu Dank verpflickitet: Prof. 
Dr. Donderau in Fulda, Konrektor Bach in Frankfurt 
am Main, H. Peppier in Mainz, (für Kirchenbuchauszüge), 
Prof. Dr Neeb in Mainz, Dr. Merten in Darmstadt, 
Direktor Dr. Feulner in Frankfurt a. M., Karl Wcitz in 
Alsfeld, Dr. Dönges in Dillenburg; Dr. Meyer-Barkhaufen 
in Gießen verdanke ich den Hinweis auf die Spritze in 
Alsfeld. 
Ein Gchelkbriefaus dem Jahre 1438. 
Von Reg.-Direktor v. u. zu Loewenstein, Erfurt. 
Wie uns die Deutsche Rechtsgeschichte zeigt, 
machten sich gegen Ende des 13. 3ahrhundertS auf 
dem Gebiete der Schuldverträge, begünstigt durch 
kanonistische Doktrinen, Bestrebungen bemerkbar, 
anstelle des alten Formalvertrages (trenwa, fides 
festa) formlose Willenserklärungen treten zu las 
sen. Dafür erklärte sich der Schuldner bereit, für 
den Fall des Vertragsbruches Rechtsnachteile auf 
sich zu nehmen, z. B. daß er friedlos, daß er ex 
kommuniziert sein solle, daß sein Leben, daß be 
stimmte Gliedmaßen dem Gläubiger verfallen sein 
sollten. Er setzte auch für die Erfüllung seiner 
Verbindlichkeit seine Treue und seine Ehre ein, 
letztere mitunter so, daß er dem Gläubiger die Be 
fugnis gab, ihn im Falle des Wortbruches durch 
Wort (Scheltbrief) oder Bild (Schandgemälde) 
öffentlich zu verspotten oder als „ehrlos" zu brand 
marken (zu vgl. Brunner, Deutsche Rechtsge- 
fchichte 1919 S. 213 ff., Schröder, Deutsche 
Rechtögeschichte 1902 S. 730 ff.). So wird znm 
Beispiel in einer Schuldurkunde aus dem Zahre 
1578 dem Versprechen „auf den Tag der heiligen 
Dreyer Könige. . . . dreitausend Taler zu erlegen" 
die Erklärung beigefügt, daß der Schuldner 
andernfalls dem Gläubiger und seinen Erben 
Ncacht und Gewalt gebe, „unß sambt und sonders 
oder unsere Erben mit schmähen, Gemeldte an 
Pranger oder Kirchentüren und wo es ihnen son 
sten geliebet, anzuschlagen oder bey allen Ehren 
liebenden zu höhnen, schmehen und verunglimpfen, 
wie solche, die ihr Siegel und Zusage nicht in acht 
haben" (Ulrich Cramer, Wetzlarische Neben- 
kunden 1768, 77. Teil). Solche Scheltbriefe wur 
den aber auch in solchen Fällen angewandt, wo 
jemandem ein Unrecht oder eine Beleidigung wider 
fahren war und der Gekränkte keine Möglichkeit 
sah, sich durch die Justiz Genugtuung zu verschaf 
fen. Eine derartige Rache wurde bei der mittel 
alterlichen Naivität von der öffentlichen MAnung 
verstanden und ohne allen Rückhalt gebilligt. 8Nan 
war darüber einig, daß bei widerfahrenem Unrecht, 
gegen das es kein genügendes Gesetz gab, jeder sich 
selbst Recht schaffen durfte. Nur mußte Geist in 
der Rache sein; sie mußte außer der Zustimmung 
auch die Bewunderer und, je nach den Umständen, 
dre Lacher auf ihrer Seite haben. Der Zuhalt 
solcher von Rache diktierten Scheltbriefe pflegte 
erklärlicherweise über den Rahmen des einfachen 
Scheltbriefs, bei dem sich der privatrechtliche 
Schuldner der Verächtlichung im voraus frei- 
willig unterworfen hatte, weit hinauszugehen: in 
der Regel wurden dem Gegner die schimpflichsten 
Strafen, ja selbst ein ehrloser Tod gewünscht. 
Ein solcher Scheltbrief aus dem Zahre 1438 
befindet sich in dem Stadtarchiv zu Frankfurt 
a. Main. Verfasser des Briefes ist ein Ritter 
Zohann von Loewenstein; angegriffen wird der 
Landgraf Ludwig I. von Hessen. Die Veranlas 
sung zu dem Vorgehen des Briefschreibers ist aus 
dem Zuhält des Scheltbriefes nicht klar zu er 
kennen. Anscheinend hatte der Landgraf, gegen 
welchen damals mehrere hessische Ritter im Bund 
init dem Erzbischof Konrad III. von RUainz in 
Fehde lagen, sich des Ritters von Loewenstein zu 
bemächtigen versucht, indem er ihn, unter Zu 
sicherung freien Geleits, zu einer Zusammenkunft 
auf sein Schloß gebeten hatte. Die geplante Ge 
fangennahme ist dann mißglückt; und nun gibt
        

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