Full text: Hessenland (46.1935)

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Bach ist, wie er schreibt, der erste, der von dem 
bald 200jährigen Beruf seiner Vorfahren abge 
wichen ist. Der Zusammenhang zwischen dem 
Spritzenmacherhandwerk mit dem Guß der Stie 
fel usw. aus Messing und dem Glockenguß liegt 
ja auf der Hand; die Annahme, daß die Wind- 
eckener Bach's neben dem Glockenguß auch noch 
Spritzen hergestellt haben, bleibt aber mindestens 
ungewiß, da auf allen dem Verfasser bekannt ge 
wordenen Spritzen ausdrücklich Hungen genannt 
wird, und da von Spritzen aus Windecken bisher 
nichts zu erfahren war. Der Ahnherr Matthias 
ist offenbar der erste Spritzenmacher der Familie 
gewesen; er wird ja in den Urkunden ausdrücklich 
Hufschmied genannt. Von dem verwandten 
Schmiedehandwerk aus haben also die Spritzen 
macher und Glockengießer Bach über viele Gene 
rationen hin einen stolzen Aufstieg genommen. (Es 
ist wohl anzunehmen, daß Bach, der Verfasser des 
Werkes „Die Eonstruktion der Feuerspritzen", 
Stuttgart 1883 auch unserer Familie Bach an 
gehört.) 
Wir dürfen auch vermuten, daß die durch die 
Inschriften auf den Spritzen bezeugte Urheber 
schaft sich doch nicht nur auf das Pumpwerk als 
das Wesentliche bezieht, sondern auch auf den 
Bau und die kunstreiche Gestaltung der ganzen 
Vdagen. Die große Übereinstimmung in der Aus 
stattung der Vdagen über die verschiedenen Ge 
schlechterfolgen hinweg (wenigstens von Johann 
Georg an) läßt stch ja nur so erklären. Wenn 
wirklich auch die Anfertigung der Einzelstücke ein 
schlägigen Handwerkern übertragen sein sollte, so 
ist dies jedenfalls aber nur auf Grund von ge 
nauen Angaben Bachs geschehen. In den Ver 
trägen heißt es immer wieder, daß die Spritzen 
„mit Eisen wohl beschlagen sein sollten". Damit 
ist offenbar auch die kunsthandwerkliche Ausstat 
tung gemeint, die ja bei den Bach'schen Spritzen 
vor allem auf den kunstreichen schmiedeeisernen Be 
schlägen beruht. Wie ganz anders Feuerspritzen 
des 18. Jahrhunderts an anderen Orten gestaltet 
wurden, zeigen z. B. die beiden Wagenspritzen im 
Stadtgeschichtlichen Museum zu Frankfurt a. M., 
von denen die eine aus Frankfurt selbst, die andere 
ans Kelsterbach stammt. 
Um die MAte des 16. Jahrhunderts wurden 
überall größere Feuerspritzen angeschafft, vielfach 
unter Begünstigung oder gar Verordnung der 
einzelnen Regierungen. Dönges macht dazu in 
der schon erwähnten Dillenburger Festschrift für 
die Verhältnisse in Nassau wertvolle Angaben. 
So erfahren wir z. B., daß für das Amt Her 
born 1752 eine Spritze bei Kall in Butzbach (in 
ser Nähe von Hungen) bestellt wurde. 1776 er 
hielt der Dillenburger Kupferschmied Johann 
Jost Schramm sie Konzession zum Bauen von 
Spritzen. 
Ein wahrhaft lebendiges Bild von dem ganzen 
Wesen der Feuerspritzen im 18. Jahrhundert ver 
mitteln uns einige Briefe des Mainzer Kunst- 
llnd Wafserwerkers Johann Valentin Pfann- 
stiel von 1753 an den Siegener Bürgermeister 
Hanekroth, die Hans Kruse in seinem Festbuch 
zur 60-Iahr-Feier der freiwilligen Feuerwehr 
Siegen (Siegen 1923) abgedruckt und herausge 
stellt hat. Pfannstiel höhnt über Feuerspritzen, 
die er auf einer Reise in Orten des Westerwal- 
des und an der Lahn gesehen hat: „Als ich nun 
von da (Burbach) auf Immerichehän kommen, 
so habe ich im Wirtshaus erfaren, daß sie alta 
eine Machen Lassen, aber ihre angewandte 320 fl. 
in einen Löcherichten Büdell gestäcket, die weilen 
solche zu nichts danchlich dastehet, als daß der 
Waagen mit einem großem Bockgeställ, welches 
gemahlet ist, zu und um Barahden machen da 
stehet und wie die Bauren selbst sagen, daß sie 
über kein Bauernhaus mit treiben köndten." In 
Dietz ließ er sich die dort stehende große Spritze 
zeigen, welche die beste im ganzen Land sein sollte 
und urteilt: „.. . So haben Ebenfalls drahn einen 
nhn geheurigen großen Bockgeställigen wagen da 
rahn gefundten, welche wegen der alzu großen 
last des waagens in der Zeidt mit 2 Pfärth mns 
Forttgebracht werden" usw. Später heißt es 
dann: „So Viehl wolte nur dem HochgeEhrten 
Herrn Bürgermeister untertähnigst berichten, wie 
ich sehe daß sie hier zu Lande überahl schlecht mit 
spritzen versehen seien, Kein wundter ist es weilen 
solche keine Kunstwasserwerker seindt und nur in 
solche arbeidt Stumbler und nagaffer zu halten." 
Er will den Deputierten von Siegen in seinem 
Hans zu Mainz auch die „Modeller" zeigen und 
erwähnt, daß einem Kunstwerker seine Wissen 
schaft muß bezahlt werden gleich einem Bau- 
lneister, welcher auch keine Hand anlegt. 
Dem Paradieren mit den Feuerspritzen, das 
Pfannstiel, vielleicht weil er mehr mit der tech 
nischen Kunst als der Handwerkskunst verbunden 
war, verspottet, verdanken wir schöne Stücke künst 
lerischer Phantasie. Eine höchste Steigerung auf die 
sem Gebiete stellt oie Feuerspritze, die sog. „Was 
serkunst" dar, die der Bischof von Eichstätt im 
Jahre 1759 der Pfarrgemeinde Herrieden (30 Kilo 
meter südwestlich Nürnberg) schenkte. An dem 
hohen Aufbau ist der Vorderwagen außer mit der 
Nkaöke Neptuns mit vollplastischen Delphinen 
geschmückt, die die Wasserflut versinnbildlichen.
        

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