Full text: Hessenland (46.1935)

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Auch eine herrschaftlich Hoingsche Feuerspritze, die 
also offenbar Meister Matheus auch schon herge 
stellt hatte, wird erwähnt. Der Preis für die 
Spritze in Reichelsheim ist mit 244 Gulden an 
gesetzt; die Spritze für Homburg soll 21g Gulden 
kosten. Die Homburger Spritze soll in vier 9Ito- 
uaten fertig sein, fiir die Herstellung der Reichels- 
heimer ist dem Meister *4 Jahr gewährt. Tat 
sächlich ist vann auch für Laubach eine Spritze ge 
kauft und mit 87 Gulden bezahlt worden 3 ). Nach 
freundlicher Mitteilung von Herrn Archivrat Dr. 
Uhlhorn ist in Laubach noch eine alte Feuerspritze 
mit einfachen, aber gefälligen barocken Verzierun 
gen vorhanden. Man wird annehmen können, daß 
dieses die von Mattheus Bach für Laubach ge 
lieferte Feuerspritze ist. (Abb. 6). 
Bei den weiteren Akten ans dem Archiv zu 
Laubach handelt es sich um die Reparatur dieser 
herrschaftlichen Feuerspritze in Laubach, für die 
Johann Georg Bach, „der Gprützenmacher von 
Hungen", i? 4 Z die Summe von 120 Gulden 
fordert. Er erbietet stch aber umsonst zu reparie 
ren, wenn er die Gnade haben könne, eine neue 
große zu verfertigen in dem Accord wie er der 
gleichen nach Dillenburg oder Kirchhain ehemalig 
geliefert. Die Mitteilung von diesem Angebot 
an den Grafen wird von C. I.-von Günderode 
gegeben: Der Graf hat dazu die Randbemerkung 
gemacht, daß es keiner neuen Spritze bedürfe; die 
Reparation der alten könne er tun, wenn er erst 
einen billigen Aceord getroffen. Von Günderode 
teilt darauf mit, daß Bach von seiner Forderung 
mn 30 Gulden abgehen wolle, worauf der Graf 
am Rande vermerkt, daß er 75 Gulden haben 
solle. Johann Georg Bach schreibt eigenhändig 
darunter „Ich bin damit zufrieten". Schließlich 
werden ihm über die 73 Gulden hinaus noch 2 
Gulden Trinkgeld gewährt. Dem Bericht sind 
angefügt noch ein Überschlag des Spritzen- 
inachers über die notwendigen Ausbesserungen und 
eine „Spezifikation" der Arbeit, sie er über 
den Aceord gemacht hat. Am wichtigsten find 
uns aber die abschriftlich auch beiliegenden Ver 
träge des älteren Bürgermeisters Johann Philipp 
Beel von Dillenburg vom 13. Juni 1741 mit 
Johann Georg über eine zn fertigende Feuer 
spritze und des Bürgermeisters und Rats von 
Kirchhain vom 28. Novemb-er 1742. Johann 
Georg wird in dem ersteren der „ehrbahre Meister 
Johann Georg Bach, Bürger, Sprützenmacher 
und Rothgießer zu Hungen wohnhaft" genannt. 
Er soll die Spritze „nach der neuesten Invention" 
3) Archiv Lanbach, Eintrag vom 23. Juni 1720 in der 
Rentkassenrechnung von 1720 S. ig 4 - 
auf die Art und Weise, „wie er derer laut pro- 
duzirter authentischer attestatorum nach Wormbs, 
Heidelberg, Manheim, Marburg, Franckfnrt, 
Hanau, Arolsen und Hohensolms gemacht hat", 
anfertigen. 
Der Vertrag mit Kirchhain wird geschlossen 
mit dem „ehrbahren Meister Herrn Johann 
Georg und dessen Sohn Johann Peter Bach, 
Bürger, Sprützenmacher und Freygießer zu Hun 
gen wohnhaft". Als Orte, die schon von ihm be 
liefert worden sind, werden angeführt: Mann 
heim, Heidelberg, Worms, Frankfurt, .Kur 
pfälzische Schönfelder Saline, Marburg, Hanau, 
Arolsen, Mainz, Hohensolms, Dillenburg und 
Lautern. Die beiden Meister Bach versprechen, 
daß die Spritze das Wasser 70 Schuh hoch trei 
ben soll, der Schlauch soll 120 Schuh lang von 
tüchtigem guten Leder usw. sein. Der Preis be 
trägt für diese Spritze 630 Gulden; die Feuer 
spritze für Dillenburg kostete 300 Gulden. 
Die von Mattheus Bach hergestellte Spritze 
haben wir oben bereits kennengelernt. Von dem 
Werk des Johann Georg und des Johann Peter 
für Kirchhain ist wenigstens noch ein Stück, wohl 
von dem Wasserkasten, übrig geblieben, das im 
Rathaus zn Kirchhain aufbewahrt wird. In 
sorgfältiger Malerei ist darauf das Kirchhainer 
Stadtwappen, von einem von Löwen gehaltenen 
Kranz umgeben, dargestellt mit der Inschrift: 
„Kirchhainer Stadtwappen 1743." Die Spritze 
für Dillenburg ist offenbar in der heutigen sog. 
„Oranier-Spritze" noch erhalten. In dem Kas 
senbuch der Fürstin Jsabella aus den Jahren 
1736—46 ist von dem Geschenk eines Spritzen 
hauses und einer neuen Spritze an die Stadt die 
Rede. 1741 bewilligt der Fürst Wilhelm K. H. 
Friso bei seiner Anwesenheit in Dillenburg dem 
Stadtmagistrat auf sein Gesuch 100 Gulden zur 
Anschaffung einer Feuerspritze (s. C. Dönges, 
Festschrift zum 26. nass. Feuerwehrsverbandstag, 
Dillenburg 1924, S. 32). Das Datum 1741 
stimmt also genau mit dem Datum des uns er 
haltenen Vertrages überein. Die Spritze trägt 
heute nur noch die Aufschrift „Renoviert 1737". 
Die Angaben von Konrektor Bach, daß alle 
seine Vorfahren Glockengießer gewesen seien, und 
da dieses Handwerk allein nicht den Ileann er 
nährt habe, in der ruhigen Zeit und im Winter auch 
Feuerspritzen gemacht hätten, erfährt durch unsere 
Ausführungen wohl eine Einschränkung dahin, 
daß nur der nach 2Dindecken ausgewanderte Zweig 
die Glockengießer stellte — dieser allerdings bis 
in die neue Zeit (zuletzt unter der Firma „Phi 
lipp Heinrich Bach und Söhne"); Konrektor
        

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