Full text: Hessenland (46.1935)

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Aufnahme: v. Baumbach, Fronhausen 
auch seine aus Witz, Laune und schärfster Cha- 
rakterist'erungskunst geborenen Karikaturen, mit 
denen er bei feierlichen Gelegenheiten den frohen 
Kreis der Freunde überraschen und erfreuen 
konnte. 
Natürlicherweise hat ihn seine Künstlerader 
auch zum Kunstgeschichtler werden lassen: er hat 
auf diesem Gebiete eine Fülle von scharfsinnigen 
und geistvoll geschriebenen Untersuchungen geschaf 
fen, von denen manche kleinere im Kalender „Hes 
senkunst" steht. Die bedeutendsten handeln über 
den Lettner und den Landgrafenchor der Elisabeth 
kirche. Den großen Ntarburger Bildhauer Lud 
wig Iuppe hat er entdeckt. Von seiner leider un 
vollendeten Beschreibung der Ntarburger Bau- 
und Kunstdenkmäler hat er wenigstens noch den 
Tafelband vorlegen können. 
Küch ist bei allen seinen Arbeiten nie von all 
gemeinen Erwägungen, sondern immer von dem 
ausgegangen, was er einzeln beobachtet hatte. 
Aber er ließ das Belanglose dabei am 2Dege lie 
gen. Und er hatte gar keine Neigung, im Einzel 
nen stecken zu bleiben, sondern den Drang, mit 
Anderen zusammen und für Andere zu arbeiten. 
Die intime Kenntnis der Schätze seines Archivs 
hat ihn hervorragend dazu befähigt, umfassende 
Forschungspläne aufzustellen und zu organisieren. 
Unvergänglich ist sein Verdienst um die „Histo 
rische Kommission von Hessen unv Wal-deck", 
deren rechte Hand und treibende Kraft er seit 
ihrer Gründung war und die er ein Jahrzehnt 
lang geleitet hat. 
Uno dann fiel ihm in späteren Jahren (seit 
1922) auch noch die Aufgabe zu, als akademi 
scher Lehrer zu wirken. Als Honorarprofessor un 
serer philosophischen Fakultät hat er einen ihm 
eng verbundenen Schülerkreis um sich gesammelt 
und seine Vorträge und Übungen über Archiv- 
wissenschaft, Schrift- und Aktenknnde, Siegel 
und Wappenweseu, über Deutsche Altertümer 
mit der Erfahrung des Praktikers zu unterbauen, 
mit zahlreichen, von ihm selbst gesammelten bild 
haften Beispielen eindrucksvoll zu gestalten und zu 
beleben gewußt. 
Daß er kein bloßer Stubengelehrter war, be 
wiesen seine heimatkundlichen Lehrauöflüge, die, 
lange vor unseren heimatoffenen Tagen zeigen 
sollten, daß Geschichte nicht nur in Büchern ver 
schüttet liegt, sondern, daß sie allenthalben im 
Lande lebendig ist, und durch die urgeschichtlichen 
Grabungen, die er, z. T. gemeinsam mit seinem 
alten Lehrer Georg Wolfs, rings um Ntarburg 
veranstaltete, in einer Zeit, als die zünftige Prä 
historie an der Philippsuniverfität noch nicht ver 
treten war. 
Wenn man die Arbeiten Kücbs überschaut, so 
tritt Eines immer wieder hervor: diesem anspruchs 
losen, zurückhaltenden und mit dem Worte kar 
genden Ntanne, der im vertrauten und gewohn 
ten Kreise immer, aber fast nie da zu finden war, 
wo es zu repräsentieren galt, gingen Sachlichkeit 
und Echtheit über Alles. Dies machte wohl den 
innersten Kern seiner Persönlichkeit aus. Er haßte 
Alles, was nur scheinen wollte, ohne zu sein; und 
er konnte scharf werden und spotten über anma 
ßende üniversalunternehmungen, denen doch das 
Erlebnis der selbsterarbeiteten Forschung fehlte
        

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