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(die Burg) abgebrochen, der Turm aber niedriger
gemacht und gebessert worden sei. Die Oberlei
tung des gesamten Umbaues und die wehrhafte
Gestaltung der Gesamtanlage in Anpassung an
die durch den Fortschritt der Verwendung von
schweren Feuerwaffen bedingte Kastellform mit
runden Ecktürmen, Rondelen oder Basteien lag in
den Händen Hans Jakob von Ettlingens, der nach
der genannten Urkunde von 1482 in Wölkers
dorf als Baumeister weilte.
Der Ausbau des Schlosses geschah in der
Weise, daß innerhalb der Ringmauer zwei Ge
bäude mit zwei massiven und einem bzw. zwei Holz
stockwerken in direkter Anlehnung an die Ring
mauer errichtet wurden, deren Fachwerk durch
viele Erkerausbauten mit spitzen Helmen geziert
waren. Solche Erkertürmchen zum Aufstellen
von Schützen zeigt auch der Helm des in seiner
Höhe verringerten großen Rundturms, der in
einen Treppenturm verwandelt wurde. Diese
Dachform ist charakteristisch für das 15. Jahr
hundert und fand sich an den Schlössern zu Kas
sel und Homberg, an zahlreichen wehrhaften
Kirchtürmen, dem Junker Hansenturm zu Neu
stadt und an den Eckrondelen des Schlosses Friede
wald, also an allen Bauten, an denen Hans Jakob
von Ettlingens Meisterhand nachzuweisen und zu
spüren ist.
Um das Schloß wurde dann ein Zwinger mit
langen Mauern, mit offenem Wehrgang und
Eckrondelen nach italienischer Manier gelegt,
wie man sie in dieser Regelmäßigkeit nur noch am
Schloß zu Kassel, der Festung Rüfselsheim, dem
Schloß Friedewald, am Neuhof bei Fulda, an
der Trendelburg und dem Herzberg und den be
festigten Kirchhöfen zu Rasdorf (Kreis Hünfeld)
und zu Geismar bei Fritzlar vorfindet. Diese ita
lienische Kastellform hat eine neue Epoche im
Nachdem anläßlich des 150. Geburtstages von
Jacob Grimm die Bedeutung der Brüder für
die deutsche Wissenschaft und für das deutsche
Volk und Vaterland in vielfachen ErinnerungS-
feiern eingehend gewürdigt war, hat die Abteilung
Kassel des Vereins für Hessische Geschichte und
Landeskunde einen Grimmabend veranstaltet, an
dem das rein Menschliche dieser beiden großen
Deutschen einem größeren Kreise dargestellt wer
den sollte.
Bei dieser Gelegenheit wollte ich einiges ans
dem Familienleben der Brüder mitteilen, mußte
mich aber wegen der vorgeschrittenen Zeit auf eine
Wehrbau heraufgeführt und zu den großen
Festungsanlagen übergeleitet.
Die Eckrondele waren im Untergeschoß mas
siv, überwölbt und wohl auch mit breiten Maul-
scharten zur Bestreichung des Vorgeländes und
Wassergrabens versehen. Die hölzernen Aufbau
ten mit den kegelförmigen Helmen am Schloß
Wölkersdorf hat man sich so vorzustellen wie die
an den Eckrondelen der Trendelburg, des Herz
bergs und des Neuhofs bei Fulda. Noch konnte
man es wagen, das Holzwerk auf Türme zu
setzen; eine nicht viel spätere Zeit ließ den Holz
bau im Burgen- und Festungsbau verschwinden.
Einzigartig ist in Wölkersdorf die Gestaltung
der Toranlage mit ihren flankierenden Rundtür
men, wie wir sie sonst eigentlich nur an Stadt-
befestigungen antreffen, die ihre Vorbilder im
römisch stark beeinflußten deutschen Westen hat
ten. Solche Tore waren namentlich bei Vortoren
und Brückenköpfen als „Barbakanen" (barbikan)
beliebt.
Der große, den Nord-, West- und Ostseiten vor
gelagerte V2irtschaftöhof, dessen Fachwerksge-
bände, wie gezeigt, öfteren Umbauten und Ver
setzungen ausgesetzt waren, erhielt wohl erst zur
Zeit der Bautätigkeit Hans Jakob von Ettlin
gens seine drei Tore, die z. T. überbaut waren
nnd neben und über sich Wohnungen, Schmiede-
nnd andere Werkstätten enthielten.
Das war der Zustand, in dem sich Schloß
Wolkerödorf wohl auch bis in das 19. Jahrhun
dert erhalten hatte. Da wurde auf Befehl der
westfälischen Regierung das Schloß wegen Mbn-
gel an Geld zur Unterhaltung der Gebäude ver
kauft und abgebrochen, wobei kein Stein auf dem
anderen blieb, fodaß heute nichts mehr an den stol
zen Fürstensitz erinnert, als das heutige Staats
pachtgut.
Von Dr. C. v. W i l d , Kassel.
kleine Auswahl beschränken. Da diese eine sehr
freundliche Anteilnahme zu finden schien, will ich
an dieser Stelle das veröffentlichen, was ich an
jenem Abend erzählt hätte, wenn die Zeit nicht
zn knapp gewesen wäre.
Das Familienleben, von dem ich zunächst er
zählen will, beginnt mit der im Mai 1825 er
folgten Verheiratung Wilhelms mit Dortchen
Wild. Diese Frau ist die einzige, die im Leben der
Brüder eine Rolle gespielt zu haben scheint. Sie
war ihnen seit vielen Jahren bekannt. Schon in
der ersten Handschrift der Marchen von Wil
helms Hand finden sich, nach der Angabe seines
Über die Familie der Brüder Grimm.