Full text: Hessenland (46.1935)

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für Pferde, die hier wohl nur in Zeiten der Not 
untergebracht wurden, an einem Ende eine heiz 
bare Stallstube. Das Obergeschoß enthielt einen 
langen Gang mit den Türen zu Stuben und 
Kammern. Von dem Gang aus konnte man auch 
in das Fachwerksgeschoß der Eckrondele gelangen, 
in dem Stuben und Kammern lagen. Ofen 
heizung und ausgebaute Aborterker find reichlich 
vorhanden. Das nördliche Rondel enthält in sei 
nem mittels einer Freitreppe erreichbaren Unter 
geschoß die Faßbinderei, das östliche Rondel das 
Karzer. 
Über die ältere Geschichte des Schlosses T8ol- 
kersdorf erfahren wir aus der Veröffentlichung 
von Erich Anhalt, „Der Kreis Frankenberg, Ge 
schichte seiner Gerichte, Herrschaften und Ämter 
von der Urzeit bis ins 19. Ihdt." folgendes: „Zu 
Beginn des 14. Jahrhunderts zeigt sich zum ersten 
Male die Tendenz ber Landgrafen, von Franken 
berg aus nach Süden in mainzifches Gebiet vorzu 
dringen. 1310 machte der Ritter Eckard von 
Helfenberg seine Wasserburg Wölkersdorf dem 
Landgrafen Otto lehnbar, näherte sich aber im 
nächsten Jahrzehnt Mainz. Er verkaufte 1324 
dem Erzbischof NIathiaö die Hälfte von TOolkers- 
dorf, Netfe und Gramershain sowie alle außer 
halb der Burggräben gelegenen Besitzungen. Kurz 
darauf muß er auch die Burg selbst, die er gleich 
zeitig noch an einen Edelknecht Heinrich von 
Saulheim weiter verlehnt hatte, dem Erzbischof 
verkauft haben. Darüber kam es zum Streite 
zwischen diesem und dem Landgrafen Otto, der 
durch die treulose Haltung des anscheinend geld- 
bedürftigen Helfenbergers seine Pläne durchkreuzt 
sah. Ein Spruch des Grafen Emicho von Nassau 
und anderer Schiedöleute von 1324 verwies den 
Landgrafen mit seiner Klage an das Gericht, in 
dem bas Haus (TLolkersdorf) liege, also an 
Röddenau. Hier muß der mainzische Kauf für 
ungültig erklärt worden sein, da der Landgraf 
sicherlich nicht seine lehnsherrliche Zustimmung zu 
demselben gegeben hätte. 1328 verkauften die Brü 
der Rudolf und Zohann von Helfenberg die Hälfte 
der Burg an Friedrich v. Bicken, Propst zu 
St. Mauritz bei Munster und Pfarrer auf dem 
Christenberg. Landgraf Heinrich nahm alle drei 
als Burgmannen in seinen Schutz auf. 1389 ver 
kaufte der gleichnamige Neffe Friedrichs v. Bicken 
seine Hälfte an den Landgrafen Hermann. Aber 
in demselben Zahre erfolgte ein Neainzer Gegen 
stoß: Der Erzbischof eroberte die Burg und schätzte 
von hier aus 5 Jahre lang die Umgegend, beson 
ders die Bürger von Frankenberg. 1394 räumte 
er sie endlich den Brüdern Siegfried und Vol- 
precht von Biedenfeld, an die Wölkersdorf zur 
Zeit der Eroberung weiter verlehnt war, gegen 
Verzicht auf Schadenersatz wieder ein, ein spätes 
Ergebnis jahrelanger Verhandlungen zwischen 
Landgraf Hermann und Erzbischof Konrad von 
Mainz. 
Am 6. Zanuar 1409 ließ Rudolf von Helfen 
berg auch seine Hälfte von Wölkersdorf dem 
Landgrafen Hermann auf. Als Machtzentrum 
eignete sich aber die im Grunde eines unbedeuten 
den Seitentales gelegene Burg wenig; so war sie 
denn während des 13. Zhdts. meist an Ritter ver 
pfändet. Landgraf Heinrich III. löste Wölkers 
dorf i4?9 wieder ein und erbaute an der Stelle 
der alten Burg ein Jagdschloß, das 1811 von 
den Franzosen abgerissen wurde. 
Als Mittelpunkt eines Amtes und als Do 
mäne hatte Wölkersdorf seit dem 13. Jahrhun 
dert für die hessischen Fürsten eine erhebliche wirt 
schaftliche uüd verwaltungstechnische Bedeutung. 
Politisch schöpferische Kräfte dagegen fanden hier 
keinen Ansatzpunkt. So war denn auch im i4- 
Zahrhundert die Kesebergische Vogtei das eigent 
liche Operationsgebiet der Landgrafen". 
Das Amt Wölkersdorf unterstand, belegt feit 
1482, einem Vogt, der Verwalter der Domäne 
war. Als solche führt Anhalt 1482 einen Heinz 
Kun, 1488—1301 Aldehenne, 1323—46 Her 
mann Streithoff auf, weiter 13701—81 Heinrich 
Kaiser uüd 1384 Caspar Pfaff. 
Zum Amt Wölkersdorf kam 1462 das Ge 
richt Rengershausen, später Bromskirchen. Röd 
denau und Geismar bildeten seit 1532 die beiden 
Ilntergerichtsbezirke, die die volle Hochgerichtsbar 
keit hatten. Zn den Gerichten Geismar, Röd 
denau uüd Rengershausen saßen die Unterschul 
theißen des Amtes Wblkersdorf. 
Für die Entwicklungsgeschichte des Schlosses 
Wölkersdorf ergibt sich, daß die ursprüngliche 
Anlage ein polygnaler Mauerzug mit einem in 
der Schmalseite stehenden runden Hauptturm 
war. Um diesen Ring zog sich ein Graben. Das 
war die alte Gaesterfeldsche später Helfenbergsche 
Wasserburg, die 1310 hessisches Lehen wurde. 
Die Eroberung durch Mainz im Zahre 1389 
mag der Burg wenig Schaden getan haben. Sie 
blieb aber in Benutzung, bis sie Landgraf Hein 
rich von Oberhessen im Jahre 1479 umbauen und 
zu einem weitausgedehnten Wasserschloß umge 
stalten ließ. Die Steinmetzarbeiten wurden von 
dem Meister Heinz von Wetter geleitet. 
Den Beginn der Arbeiten hat der Chronist 
Gerstenberg irrtümlich in das Zahr i477 ver 
legt, wobei er bemerkt, daß das ,,alte Gehäuse"
        

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