Full text: Hessenland (46.1935)

gen als Treppenturm ausgebaut und in seiner 
Höhe verringert worden war. Das Erdgeschoß 
mit sehr starken an der Außenseite in Knicken ge 
führten Mauern enthielt nebeneinander ohne Ver- 
bindungsflure die Buttelei, das Vorgemach, das 
Backhaus, die Gilberkammer, die Schlafkammer 
und ein anderes Vorgemach. Im ersten noch mas 
siven Obergeschoß lagen des jungen Herrn Ge 
mach, das Vorgemach, eine Schlafkammer und 
des Jungen Schlafkammer. Alle Fenster waren 
ein- oder zweiteilig. Im zweiten Fachwerköge- 
schoß lagen eine Schlafkammer, die Apotheke, ein 
seiten im Bogen geführt, enthielt im massiven 
Erdgeschoß die Küche mit großem Rauchfang, die 
Backkammer und die Speisekammer. Von diesen 
Räumen führten hölzerne Stiegen in das massive 
Obergeschoß, 'das einen lichtlosen großen Raum 
und die Küchenstube sowie drei Schlafkammern 
für das Gesinde enthielt. Das darüber liegende 
Fachwerksgeschoß zeigt auch sechs polygonale Erker 
und enthielt ein mittleres von dem großen Wen 
delturm durch einen Gang zu erreichendes Vor 
gemach, von dem man in die zu den Seiten des 
selben liegenden Gemächer des Fürsten und seiner 
Vorgemach und der Eßsaal. Von diesen Räumen 
führten nach allen Seiten insgesamt sieben poly 
gonale Holzerker und ein runder Erker mit Abort. 
Das dritte oder Dachgeschoß wird auf dem 
Grundplan als ,,ein leerer Butle" bezeichnet. Von 
ihm aus gelangte man in die spitzen polygonalen 
Helme der vorerwähnten Erker. Die Ansicht von 
1616 zeigt, daß das Gebäude sehr bald einem 
Umbau unterzogen worden sein muß, wobei man 
das massive Obergeschoß und das Fachwerksge 
schoß mit den Erkertürmchen abbrach und durch 
einen zweistöckigen Fachwerksbau ohne Erker 
türmchen ersetzt. Auf dem Bild von 2D. Dilich 
um 1600 sind die Erker noch zu sehen. Dennoch 
muß der Umbau zwischen 1610 und 1616 erfolgt 
sein. Auch der dicke Turm trug oben einen von 
Erkertürmchen flankierten Helm, der nach der 
Zeichnung von 1616 durch einen kegelförmigen 
Helm mit Spitzenlaterne ersetzt wurde. 
Das andere an den Hof grenzende Gebäude, 
gleichfalls an der Hofseite gerade, an den Außen- 
Gemahlin gelangte. Auch ein Abort fehlt hier 
nicht. 
IUrttels einer Stiege gelangte man aus dem 
Vorgemach in das darüber liegende obere Vor 
gemach mit sechs Erkern und angrenzenden zwei 
Zimmern des alten Herren und zwei Zimmer 
seiner Gemahlin, davon eins „bas alte Frauen 
zimmer" genannt wird. Darüber lag das Dach 
geschoß mit den Helmen der genannten Erker. 
Auch diese wurden noch 16io mit den Erkern selbst 
entfernt. 
Auffallend groß ist die Zahl der Heizanlagen 
in den beiden Gebäuden, Kachelöfen mit Tonauf 
sätzen und eisernem Unterbau, die von den Vor 
gemächern in offenen Kaminen geheizt wurden, 
nnd ein großer Kamin im Fürstengemach. 
Von dem großen Turm führt im ersten Ge 
schoß ein bedeckter Gang über einen Torbogen in 
das Obergeschoß eines langen Baues, der an die 
Außenmaner des Zwingers stieß; das Erdgeschoß 
enthielt einen langen Stallgang mit 23 Ständen 
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