Full text: Hessenland (46.1935)

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Rhenanus winkte ab: „Nachher! Erst meine 
Neuigkeit für deine! Die Besoldung ist mir wie 
der gesperrt! Wie voriges Jahr! Damals schickte 
ich die schöne Uebersicht nach Kassel, den Herren 
zum Abschlag fürs wässerige Maul, und alles 
war gut! Jetzt wollen sie wieder an mich! Oder 
ich soll Bürgen für 200 Gulden stellen, daß un 
ser Buch bis TLeihnachten fertig wird!" 
„Mienn's weiter nichts ist," brummte Hom 
berg, „das machen wir schon!" 
„Und ich werd' bis Weihnachten fertig!" 
blinzelte Rheinlandt schlau. „TLenn's so weiter 
geht, wie stch's heut angelassen hat, sicherlich!" 
„Wenn du bloß die Pfarrei endlich an den 
Nagel hängen wolltest," warf Homberg ein, „daß 
du die Hände frei hättest!" 
„Und nix darin fürs Maul!" ergänzte der 
Magister trocken. „Vom Salz bin ich nie satt 
geworden. Hat's mich witzig gemacht, wie alle 
hier herum, so auch durstiger als jeden andern! 
Und das will uns gar noch jemand verübeln? 
Aber ich weiß, wie ich denen komme!" 
Homberg sah ihn gespannt fragend an. 
„Ich werde dem Gnädigen Herrn ein sauber 
Fäßlein, so von drei Vierteln, schicken, mit der 
Bitte, eö mir mit einem wohlschmeckenden, reinen 
TVeine füllen zu lassen, ansonsten das Salzbuch 
elendiglich stecken bleiben müßte. Und das will ich 
alljährlich wiederholen, bis ich einmal um den 
letzten bitte, den ich werde trinken können!" 
„Optime!" sagte Homberg. „Ich werde nach 
prüfen, ob du reine Ware geliefert kriegst!" 
„Angenommen!" erwiderte der Pfarrherr. 
„Ich will mich wieder auf mein eines Bein 
machen; das andre tut nit mehr mit! Aber sprich, 
wie ist's mit meinen Privilegien-Gesuch an Kai 
serliche Majestät?" 
„Noch keine Äntwort eingegangen!" 
„Ich harre sehr darauf," sagte Rhenanus. 
„Denn ich möchte nicht, daß meine Erfindungen 
zum Salzwerk alsbald und allerorten nachge 
macht würden; ich weiß, was es mir für Mühe 
gekostet hat! — Leb wohl, alter Freund, und 
nimm dir den Brief zu Herzen!" 
Homberg zog die Schultern hoch. „Darauf 
kannst du Gift schlucken! Uebrigens werd' ich 
mich fortan nur noch gemeinsam mit dir „krän 
ken", denn geteilte Sünde ist halbe Sünde!" 
„Oh du unverbesserlicher alter Adam!" rief 
der Pfarrherr. „Ja, ja, wir find alle nix nütze, 
und Gottvater muß schon ein Einsehen mit uns 
haben! Aber mag's sein, wie'ö will, wir haben 
wenigstens nit wie die Duckmäuser gelebt!" Und 
im Fortgehen sagte er lächelnd über die Achsel 
zurück: „Mögen wir auch wert sein, waö wir 
wollen, wenig genug, so steht nit umsonst hier 
über der Tür: Deo volente humilis levabor!" 
Er grüßte noch einmal und humpelte an der 
Weinreihe entlang von dannen. 
Die hessische Brandversicherungsanstalt. 
Wenn jetzt die Hessische Brandversi'cherungs- 
anstalt uns einen Rückblick auf die letzten 50 Jahre 
ihres Bestehens vorlegt x ), so handelt es sich nur um 
jene Zeit, die sie als Teil der kommunalständi 
schen Verwaltung im Reg.-Bez. Kassel zurück 
gelegt hat. Denn eö ist eines der großen Ruhmes 
blätter unseres viel gelästerten Landgrafen 
Friedrich II., daß er im April 1767 das 
Institut als Landesbrandkaffe ins Leben gerufen 
hat und mit Monopol- und Zwangsrechten aus 
stattete. Dadurch wurde mit zuerst in Deutsch 
land auf hessischem Boden der Gedanke verwirk 
licht, durch Versicherung den immobilen Besitz in 
Stadt und Land zu sichern gegen Brandschäden. 
Dabei stand das reiche hessische Staatövermögen 
als Garant ebenso hinter dieser Anstalt wie hin 
ter der 1832 ins Leben getretenen Landeökredit- 
i)Hessifche Br an d v er si ch e r u n g S a n ft n l t Kas 
sel (1767—1934)- Rückblick auf 30 Jahre der Verwaltung 
der Anstalt durch den Bezirksverband des Reg. Bez. Kassel 
1883—1934. (Kassel 1933). 
kafse, die gleichfalls den Grundbesitz in Stadt und 
Land vor Auflösung und Zerstörung sichern sollte. 
Noch fast 20 Jahre nach dem Untergange des 
hessischen Kurstaates bestand aber die Brandver- 
sichernng als Staatsinstitut, bis sie durch Gesetz 
vom Jahre 1879 in kommunalständische Verwal 
tung überging, wobei der 1. Januar 1665 der 
Stichtag nach einer beinahe fünfjährigen Über 
gangszeit werden sollte. Das rechtfertigt den nun 
uns vorgelegten Jubiläumsbericht über das seit 
dem abgelaufene halbe Jahrhundert. 
Wahrscheinlich hatte der an sich schöne und 
solide Holzfachwerkbau dazu beigetragen, daß 
Kurhessen durch längere Zeit ein Land der gro 
ßen Ortsbrände gewesen war, wodurch auch er 
hebliche Anforderungen an die LandeS-Brandkafse 
gestellt waren. Das wirkte sich auch noch in den 
beiden großen Bränden von H ü n f e l d und 
Brotterode aus, von denen letzterer der 
größte war, der je in den letzten Jahrhunderten 
das Heffenland heimgesucht. — Damit aber war
        

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